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Gesundheit

Gegen Papiertiger: Ärztinnen und Ärzte wehren sich wegen steigender administrativer Arbeit

Anstatt sich um Patientinnen und Patienten zu kümmern, schlagen sich Gesundheitsfachleute mit Formularen und dysfunktionalen IT-Systemen herum. Jetzt wehren sie sich.
Wenn die Formulare mehr Zeit beanspruchen als die Behandlung von Patienten, löscht es vielen Ärzten ab.
Bild: Symbolbild: Getty

Ärztinnen und Ärzte verlieren sich zunehmend in einer Papierflut. Wegen inkompatibler IT-Systeme müssen sie Patientendaten händisch übertragen. Die Krankenkassen stellen viele Nachfragen, obwohl die Daten Aufschluss geben. Und Firmen verlangen Arbeitszeugnisse ab dem ersten Krankheitstag.

Ärzteschaft und Praxisassistenzen führen die administrativen Arbeiten als häufigen und vor allem «unnötigen» Aufwand auf. Das ergibt eine Umfrage der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin, die Ende 2025 stattfand. Über 1800 Gesundheitsfachpersonen nahmen daran teil.

Das Resultat der Umfrage zeigt: Unnötige administrative Aufgaben sind nicht nur ein Ärgernis einzelner Betroffener, sondern sie führen zu massiven Ineffizienzen in der Grundversorgung. Schlimmer noch: Die Arbeit schafft keinen medizinischen Mehrwert. Der Verband schreibt, die «Arbeit ohne Nutzen» wirke zudem als «permanenter Ablöscher» für Ärztinnen und Ärzte. Sie verdränge, worum es eigentlich geht: Um Patientinnen und Patienten.

Das Stethoskop bleibt liegen: Mit einem Aufkleber wollen die Ärztinnen und Ärzte eine Diskussion entfachen.
Bild: Symbolbild: Getty

Tiger-Kleber auf unnötigen Formularen

Um auf den Missstand aufmerksam zu machen, lanciert die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin zusammen mit sieben Partnerorganisationen die Kampagne «Papiertiger». Mit einem runden Aufkleber mit blauem Tiger-Motiv wird unnötige administrative Arbeit neu markiert und so benennbar gemacht. Weil Formulare allzu häufig auf Papier daherkommen, eigne sich der Kleber, der sich direkt an die Krankenkassen richtet: «Wir behandeln Menschen, nicht Formulare».

Dabei gehe es nicht um Provokation, versichert die Gesellschaft. Es gehe auch nicht darum, Berichte und Kontrollen grundsätzlich infrage zu stellen. Diese seien «legitim und notwendig». Es geht darum, den Austausch zu suchen und die Umsetzung zu verbessern. Das heisst um Mehrfacherfassung, Inkompatibilitäten, und darum Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

Dass alle Akten noch auf Papier geführt werden, ist heute eher die Ausnahme. Doch die Digitalisierung bringt nicht nur Entlastung.
Bild: Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone

Als eklatantes Beispiel führt die Kampagne einen Patienten mit einer Beinamputation an. Für diesen müsse der Arzt trotz irreversibler Situation immer dieselben Formulare ausfüllen – etwa für einen massgefertigten Stützstrumpf. Die Rückfrage der Krankenkasse sei immer dieselbe: Wieso das nötig sei. Die Antwort ist ebenfalls dieselbe, denn der Fall ist klar: Der Patient hat ein amputiertes Bein.

Aufmerksamkeit ist nicht alles. Um die Papierflut zu drosseln, fordern die Ärztinnen und Ärzte auch konkrete systemische Massnahmen zum Bürokratieabbau. Der Bund hat den Ruf in Teilen gehört. Er will etwa mit dem Projekt Digisanté dafür sorgen, dass IT-Systeme der Arztpraxen miteinander kommunizieren können. Immerhin müssen die Patientendaten dann nicht mehr von Hand übertragen werden. Das führt auch zu unnötigen Fehlern.

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