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Jahresergebnis

Unwiderstehlicher Optimismus: ABB zeigt  Rekordgewinn und sieht keine Anzeichen einer Tempoverlangsamung

Der Konzern reitet auf der KI-Welle und begeistert seine Investoren. Die Gewinnausschüttung steigt kräftig und der Aktienkurs schnellt auf ein Allzeithoch empor.
ABB bleibt auch am alten BBC-Hauptstandort Baden sehr präsent. Aber in Zürich will der Konzern einen neuen Sitz errichten.
Bild: Andrea Zahler

Massentaugliche Anwendungen von künstlicher Intelligenz sind das Geschäft der Stunde - und ABB steht mittendrin. Der schweizerisch-schwedische Elektrotechnikkonzern hat 2025 ein spektakuläres Rekordergebnis abgeliefert. CEO Morten Wierod sieht keinen Grund, weshalb es nicht gleich weitergehen sollte.

ABB sehe am Bestellverhalten der eigenen Kunden, wie sich die Welt jetzt rasch in Richtung Elektrifizierung bewege, sagte der Norweger auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Unsicherheit nach dem ersten US-Zollhammer Anfang April 2025 habe bei ABB nur ein paar Wochen gedauert. «Das haben wir auch bei unseren Kunden gesehen, die sehr langfristig planen und entscheiden», sagte Wierod.

Der ABB-Veteran trägt seit August 2024 die Gesamtverantwortung für den Konzern und er strotzt vor Zuversicht – aus gutem Grund: 2025 hat das Unternehmen den Umsatz um 9 Prozent auf 33,2 Milliarden Dollar gesteigert und daraus einen um 20 Prozent verbesserten Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar gezogen. Die Bestellungen haben um 17 Prozent und der Bestellungsvorrat sogar um 27 Prozent auf 25,3 Milliarden Dollar zugenommen. Wierod erwartet, dass ABB den Umsatz im laufenden Jahr abermals um 6 bis 9 Prozent steigern kann. Auch über einen Zehnjahreszyklus geht das Management von einem Wachstum von 5 Prozent bis 7 Prozent aus.

Strombedarf verdreifacht

Wie viel das ist, zeigt der Vergleich mit den Projektionen des Internationalen Währungsfonds für das Weltwirtschaftswachstum. Für 2026 sagen die IWF-Ökonomen ein Plus von 3,3 Prozent und für 2027 ein solches von 3,2 Prozent voraus. Die alten Industrieländer, in denen ABB immer noch den grössten Teil seiner Produkte absetzt, dürften gemäss IWF mit lediglich 1,8 Prozent bzw. 1,7 Prozent wachsen.

ABB boomt auf allen Kontinenten und in allen drei Geschäftsbereichen. Aber nirgends geht es so rasch vorwärts wie in der grössten und profitabelsten Sparte Elektrifizierung. Die modernsten und teuersten Schalter, die ABB produziert, sind auf Hochleistungsanwendungen insbesondere in Rechenzentren zugeschnitten.

Nach Branchenprognosen wird sich der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 weltweit auf rund 220 Gigawatt verdreifachen. Dieser geschätzte Mehrbedarf entspricht der Leistung von rund 150 Kernkraftwerken. Den Projektionen liegt die Annahme zugrunde, dass etwa 70 Prozent des Nachfragewachstums von Anwendungen künstlicher Intelligenz ausgehen. Der ABB-Umsatz mit Rechenzentren ist seit 2019 um durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr auf aktuell 9 Prozent gestiegen und der Anteil dürfte weiter zunehmen.

Stromintensivere KI-Anwendungen in der Zukunft erfordern den Umbau vieler Rechenzentren von einer bisherigen 400-Volt Wechselstrom- auf eine neue 800-Volt Gleichstrom-Architektur. Die verdoppelte Spannung vermindert die Verluste bei der Stomübertragung und lässt beträchtliche Einsparungen zum Beispiel beim Einsatz von teuren Kupferkabeln zu. Zu diesem Zweck ist ABB mit dem US-Chiphersteller Nvidia im vergangenen Jahr eine Partnerschaft eingegangen, von der sich der Konzern viel verspricht.

Aber die Digitalisierung und die Energiewende ziehen fast überall neue Investitionen nach sich: In Gebäuden, grossen Infrastrukturanlagen wie Schiffshäfen und generell bei Versorgungsunternehmen, wie ABB das Wachstum erklärt. Das Haar in der Suppe ist kaum zu finden. Vielleicht ist es die Division E-Mobilität, die 2025 immer noch 148 Millionen Dollar Verlust eingefahren hat. Im Vorjahr lag dieser allerdings noch bei 273 Millionen Dollar.

Die Investoren sind selbstredend begeistert, zumal die Dividende von 91 Rappen im Vorjahr auf 94 Rappen erhöht und ein weiterer Aktienrückkauf im Umfang von 2 Milliarden Dollar gestartet werden soll. Umgerechnet erhöht ABB die direkten und indirekten Ausschüttungen an die Aktionäre um rund 500 Millionen auf 3,1 Milliarden Franken. An der Schweizer Börse stieg der Aktienkurs am Donnerstagmorgen um fast 10 Prozent auf über 67 Franken.

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