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Peach Weber

Aar juu kräisi, Mischter Trömp?

Unser Kolumnist hat eigentlich beschlossen, sich nicht mehr so viel aufzuregen. Aber wenn Weltpolitik zur Realityshow wird, klappt das nicht so richtig.
US-Präsident Donald Trump im Oval Office am 14. August 2025.
Bild: EPA

Juu driimer, juu, wat du juu sink, ju Löölibueb? Du ju sink, ju kän mäik, wat ju want? Ju häf not kalkuläited wis mii, nau blous änoder wind, nau ei säi juu, wäär se hämmer hängs!! Lissen, ju dämd, facking orensch monki, wat zöll sis? lf ju not stopp immidietli sis nonsens, ei sit on juur fäiss and sen juu sii onli littel stars!

Das wären erfolgversprechende Verhandlungen gewesen und Trump hätte sein wohl nicht allzu üppig geratenes Fortpflanzungsorgan eingezogen. Die Schweiz stünde mit einem Zoll von unter null da.

Aber jetzt können unsere dümmlichsten Politiker genüsslich sagen, es sei schlecht verhandelt worden. Zwar kann man mit so einem arroganten, unanständigen Lümmel verhandeln, man muss aber damit rechnen, dass er am anderen Morgen das Gegenteil beschliesst. Und zwar vielleicht nur, weil in seinem Zmorge-Big-Mac ein Gürkli zu viel drin war oder Melania sein Hemd nicht richtig gebügelt hat. Wann werden es endlich alle begreifen, für ihn ist Weltpolitik nur ein Game, ein Spiel, indem er nach Lust und Laune herumwursteln kann.

Wäre er nur Fürst von Liechtenstein, wäre er schon längst in der Psychiatrie versorgt worden. Mit der Hälfte des wohl mächtigsten Landes im Rücken aber, müssen alle kuschen und seinen Hinterausgang küssen, was er dann auch genüsslich in der Pressekonferenz als grossen Triumph verkündet.

Was mich aber am meisten beschäftigt, ist die Tatsache, dass auch bei uns einige scheinbar leicht zu geistiger Umnachtung neigende Politiker immer noch Trump- oder auch Putinfans sind – und zwar nur, um sich interessant zu machen.

Sie haben nicht begriffen: Ein amerikanischer Präsident, dessen grösstes Ziel der Friedensnobelpreis ist, der macht einer unsäglichen Kriegsgurgel wie dem Möchtegern-Zaren doch keinen Eindruck. Trump, der hochgejubelte Dealmaker ist auch da ein Versager, weil er dem Gegenüber schon Zugeständnisse macht, bevor die Verhandlungen begonnen haben. Bravo, Dealmaker, nicht einmal das beherrscht er. Er sieht halt die Weltpolitik als Realityshow.

Da könnte ich mir die letzten paar Haare raufen. Aber Halt, ich habe beschlossen, mich nicht mehr so aufzuregen, da ist mir die langsam zur Neige gehende Lebenszeit zu wertvoll. Ich merke nämlich, dass ich auf die Zielgerade des Lebens eingebogen bin. Aber was heisst das?

Früher hiess es gegen Mitternacht in der Beiz: Bald ist Polizeistunde, noch eine letzte Runde? Abgesehen davon, dass sich viele Beizen in der letzten Zeit in die ewige Polizeistunde verabschiedet haben, liegen andere, trotz Erste-Hilfe-Massnahmen durch gekürzte Öffnungszeiten, auf der Gastro-Intensivstation.

Ein herber Kulturverlust, der uns wohl erst in ein paar Jahren bewusst werden wird, wenn sich der Reiz der virtuellen Zauberwelt als Unsinn herausgestellt haben wird. Irgendwann werden wir merken, dass lebendige, analoge Begegnungen viel wertvoller sind als 1000 «Freunde» auf Facebook, die aber nicht mal an deine Beerdigung kommen.

Wenn man sich generell fragt: Wann beginnt denn die letzte Runde im Leben, da herrscht heute ziemliche Verwirrung. Früher hätte man gesagt, nach der Pensionierung. Heute hört man überall, man gehöre dann noch lange nicht zum «alten Eisen». Ein berühmter Philosoph hat ja sogar behauptet, mit 66 Jahren fange das Leben erst an. Was für ein Unsinn, mit 66 Jahren fängt allerspätestens das «Knacksen und Lödelen» an.

Es werden einem aber nur Beispiele vor die Nase gesetzt, wie etwa die 88-Jährige, die morgens mit einem doppelten Salto aus dem Bett hüpft, oder der 94-Jährige, der noch die Beine hinter dem Kopf zum Morgengebet verschränken kann. Die Mehrheit, die sich nur noch darauf freut, dass es zum Zvieri eine Schwarzwäldertorte gibt, die wird geflissentlich übersehen.

Nun denn, ich persönlich bekomme im Moment einen Vorgeschmack auf diese «letzte Runde». Ich habe ja vor achtzehn Jahren meine Abschiedsvorstellung im Hallenstadion für das Jahr 2027 angesagt. Daraus sind jetzt drei Vorstellungen mit je 10'000 Menschen geworden. Damals dauerte es noch zwanzig Jahre, jetzt aber sind es noch zwei, und aus einer witzigen Idee wird langsam konkrete Realität. Deshalb will ich mich nicht mehr aufregen, gopfriedschtutz!

Zum heiteren Schluss noch ein guter Spruch eines alten Mannes, nachdem sich ein anderer über die Hitzewelle beschwert hat: «Jo, för das händs de z'Bern obe weder Gäld!»