Den Haag

Vom Hoffnungsträger Kosovos zum Verurteilten: Hashim Thaçi erhält 25 Jahre Haft

Der frühere kosovarische Präsident stand fast sechs Jahre nach seinem Rücktritt vor Gericht. Er und drei Mitangeklagte wurden von den Vorwürfen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit freigesprochen.

Ein Sondertribunal in Den Haag hat den ehemaligen kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi schuldig gesprochen, für Kriegsverbrechen Ende der 1990er Jahre verantwortlich gewesen zu sein. Das Kosovo-Tribunal verhängte am Mittwoch eine 25-jährige Haftstrafe gegen Thaçi wegen Mordes, Folter, grausamer Behandlung und willkürlicher Inhaftierung.

Der 58-jährige Thaçi, der vor fast sechs Jahren sein Amt niedergelegt hatte, um sich den Anklagepunkten zu stellen, äusserte sich nicht, als der Vorsitzende Richter Charles Smith das Urteil verlas. Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.

Thaçi war zusammen mit drei weiteren ehemaligen Anführern der Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK), die im Krieg von 1998 bis 1999 gegen serbische Truppen gekämpft hatten, wegen zahlreicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt worden. In ihrer Heimat gelten sie vielen weithin als Nationalhelden.

Tausende Menschen hatten sich am Wochenende in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, versammelt, um Unterstützung für die vier Männer zu bekunden.

45 Jahre Haft gefordert

Die Anklage hat für Thaçi und die anderen Angeklagten – Kadri Veseli, Rexhep Selimi und Jakup Krasniqi – eine Freiheitsstrafe von maximal 45 Jahren beantragt. Alle haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.

Die vier wurden in allen sechs Anklagepunkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit freigesprochen, da die Staatsanwaltschaft nach Ansicht der Richter nicht nachweisen konnte, dass die Verbrechen im Rahmen eines weitreichenden und systematischen Angriffs auf Zivilisten begangen wurden.

«Mein ganzes Leben lang stand ich an der Seite der Menschen im Kosovo und habe Freiheit, Leben und Würde verteidigt. Ich habe mich stets von den westlichen Idealen der Demokratie, Gleichheit und Gerechtigkeit leiten lassen», hatte Thaçi im Februar vor den Richtern am Ende des fast dreijährigen Prozesses erklärt.

Die Anklage hingegen war überzeugt, dass er und die anderen Beschuldigten während ihrer Zeit in der UÇK politische Gegner und Zivilisten ins Visier genommen haben, die sie als Kollaborateure und Verräter betrachteten.

Politischer Hoffnungsträger

Die meisten der 13'000 Menschen, die im Krieg im Kosovo ums Leben kamen, waren ethnische Albaner. Eine 78-tägige Kampagne von Nato-Luftangriffen gegen serbische Truppen beendete die Kämpfe. Etwa eine Million ethnisch albanische Kosovaren wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Thaçi galt nach dem Krieg als auch vom Westen akzeptierter Hoffnungsträger, der in der Lage sein könnte, die serbische Provinz in die Unabhängigkeit zu führen. 2008 erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien, was die Regierung in Belgrad nach wie vor nicht akzeptiert. (dpa)

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