
«Der 1. Mai soll nicht geschwächt, sondern gestärkt werden», forderte der SP-Grossrat Stefan Dietrich auf dem Bremgarter Schellenhausplatz. Bei herrlichem Frühlingswetter versammelten sich rund 60 Personen, um den Reden von SP-Grossrätin Colette Basler und Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann zuzuhören.
Dietrich spielte damit auf den Entscheid des Grossrats vom November 2025 an, den freien halben Tag für Aargauer Kantonsangestellte zu streichen. Das sei ein falsches Zeichen, welches die Mehrheit des Grossen Rates mit diesem Entscheid gesetzt habe. «Es geht nicht um vier Stunden, es geht um Wertschätzung», verdeutlichte er. Soziale Gerechtigkeit und Respekt gegenüber Arbeitnehmenden seien zentral, gerade angesichts steigenden Drucks im Service public.
Mehr Ressourcen für die Schulen
«Wir feiern den 1. Mai zum letzten Mal als freien Halbtag für das Staatspersonal», stellte Grossrätin Colette Basler einleitend fest. Angesichts des rekordhohen Gewinns der Kantonsrechnung von 345 Millionen Franken sei es «lächerlich», von Sparmassnahmen zu sprechen. Das Geld werde stattdessen für Steuersenkungen zugunsten Privilegierten eingesetzt. Menschen in Pflege- oder handwerklichen Berufen könnten von solchen Arbeitsbedingungen nur träumen.

Dasselbe gelte für Lehrpersonen, denen man bereits vor fünfzehn Jahren versprochen habe, dass man die Sparmassnahmen im Bildungsbereich rückgängig mache, sobald sich die finanzielle Situation verbessert. Die ehemalige Lehrerin und Grossrätin stellte ernüchtert fest: «Die Herausforderungen sind gross, aber die Ressourcen fehlen.» Projekte wie Frühförderung oder Förderklassen seien zwar hehre Ziele, deren Finanzierung überlasse man aber den Gemeinden. «Ohne zusätzliche finanzielle und personelle Mittel werden diese Projekte kläglich scheitern», prognostizierte Basler, die auch Verbandspräsidentin von Bildung Aargau ist.

Der Kanton müsse mehr Verantwortung übernehmen, insbesondere für eine starke Bildung mit gut ausgebildetem Personal, was nicht zum Nulltarif zu haben sei. «Diese Herausforderungen schaffen wir nur gemeinsam und nur wenn wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen», appellierte sie.
1. Mai – Kampftag der arbeitenden Bevölkerung
Nicht nur im Aargau, sondern weltweit brauche es weniger «Trumpismus» und Populismus, sagte sie. «Wir müssen wieder gesittet miteinander reden, statt einander zu diffamieren.» Anstatt Hellebarden zu schwingen und auf den sozialen Medien die Hüllen fallen zu lassen, gelte es, einander zuzuhören und Lösungen zu finden. Schliesslich rief sie dazu auf, stolz auf die Vielfalt der Schweiz zu sein und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, unabhängig von Herkunft oder Pass. Sie kritisierte die wachsende Ungleichheit und die zunehmende Spaltung. Es brauche mehr Solidarität statt Empörung und Egoismus.

Schliesslich trat Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann vor die Versammlung. Sie betonte, dass der 1. Mai der Kampftag der arbeitenden Bevölkerung sei und erinnerte daran, dass soziale Rechte hart erkämpft wurden.
Sie kritisierte die 10-Millionen-Initiative der SVP als einen Angriff auf die Solidarität und das Zusammenleben. Zudem warf sie der Partei vor, mit fremdenfeindlichen Argumenten von den eigentlichen Problemen wie steigenden Mieten oder sozialer Ungleichheit abzulenken. Statt Spaltung brauche es Zusammenhalt und Widerstand gegen Rassismus sowie gegen eine Politik zugunsten der Reichen.
Für ruhige Zwischentöne sorgte Liedermacherin Beata Bereuter, die mit ihren Liedern die politischen Botschaften musikalisch aufnahm.