Wie eine Corona-App den Lockdown verkürzen soll

SCHWEIZ ⋅ Die Schweiz könnte bald eine App veröffentlichen, die Nutzer über eine mögliche Infektion informiert.

03. April 2020, 05:10

Frederic Härri

Diesen Mittwoch haben 130 Wissenschafter und Techniker aus ganz Europa das Projekt PEPP-PT vorgestellt. Die Plattform ist Grundlage einer App, die als Corona-Frühwarnsystem dienen soll. Positiv getestete Personen melden ihre Infektion der App. Diese verschickt per SMS eine Warnung an Personen, die sich über einen längeren Zeitraum in der Nähe des Infizierten aufgehalten haben.

In Deutschland könnte bereits ab 15. April eine erste Version der App verfügbar sein, berichten deutsche Medien. Wann ist die Contact-Tracing-App in der Schweiz erhältlich? «Je früher, desto besser», sagte gestern Matthias Egger, Präsident der neu gegründeten nationalen Covid-19 Science Task Force an einer Medienkonferenz des Bundes.

Technisch sei man sehr weit, es seien aber noch diverse Abklärungen betreffend Datenschutz im Gange. Man warte auf die Resultate dieser Gespräche und informiere dann über eine mögliche Einführung.

Daten werden anonym erhoben

Man könne die App als komplementäres Angebot an die Bevölkerung verstehen, ergänzte Egger. Infektionsketten würden noch immer klassisch in den Spitälern nachverfolgt, indem der Arzt den Patienten nach vergangenen Kontakten befragt.

Ziel der App ist, dass sich Anwender nicht erst dann sozial isolieren, wenn sie unter Symptomen leiden. Mittels Bluetooth-Funk erkennt das System, welche Personen so nah zusammen waren, dass eine Übertragung des Coronavirus denkbar gewesen wäre.

Solche Contact-Tracing- Apps sind datenschutztechnisch nicht unumstritten. Nichtregierungsorganisationen warnen vor Überwachung und appellieren wiederholt an den Schutz von Persönlichkeitsrechten. Die Forscher hinter PEPP-PT betonen aber, dass weder Identität noch Telefonnummer registriert, noch Standortdaten verfolgt werden. Nur wenn eine Infektion erkannt wird, komme es zum Datenaustausch.

Der IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef ist dennoch skeptisch: «Die Daten werden in einer zentralen Datenbank zusammengezogen. Mit genügend Aufwand können sie von Dritten deanonymisiert werden.» Wie hoch dieses Risiko wirklich sei, schätze jeder Experte anders ein. «Die Meinungen sind da geteilt.» Letztlich glaubt auch Ruef, dass die App ihren Teil dazu beitragen kann, so schnell wie möglich wieder den Normalzustand zu erreichen.

Die Benutzung der App ist freiwillig. Das heisst, jedem ist es selber überlassen, ob er seine Daten mit den Gesundheitsbehörden teilen will. Wie viele Menschen mitmachen müssten, damit die Massnahme Wirkung zeige, sei schwierig abzuschätzen, sagte Matthias Egger gestern. «Tatsache ist: Jeder Beitrag hilft und ist willkommen.» Er gehe davon aus, dass rund 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung die App nutzen würden.


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