Gratis Klimazeitung für alle Haushalte

WAHLEN 2019 ⋅ Mit einem Klimablatt, das Ende Monat kostenlos an alle Schweizer Haushalte versendet werden soll, will die Klimastreikbewegung Wählerinnen und Wähler an die Urne bringen. Die Finanzierung der rund 3,8 Millionen Exemplare ist aber noch nicht gesichert.

05. September 2019, 11:00

Ziel sei es, mit dieser Aktion die Wahlbeteiligung auf über 50 Prozent zu erhöhen, wie der 19-jährige Mitinitiant Philippe Kramer auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine Meldung von "Watson" bestätigte. Wählerinnen und Wähler sollen so auf vier Seiten im grossen Zeitungsformat faktenbasierte Informationen zur Klimathematik erhalten.

Der Fokus liege auf den Menschen, die ansonsten nicht wählen würden. Es sei die letzte Chance, ein Parlament zu wählen, das die Klimathematik ernst nehme. Die Zeitungsredaktion gebe aber keine Wahlempfehlung ab, sondern publiziere ein überparteiliches Umweltrating von mehreren NGOs, das die acht grossen Parteien nach ihrer Umweltfreundlichkeit einstuft.

Finanzierung noch nicht gesichert

Die Finanzierung des Blattes sei noch nicht gesichert, sagte Kramer. Man sei deshalb mit verschiedenen Stiftungen im Gespräch. Der Plan: Die Stiftungen sollen das Geld als Risikokapital vorschiessen. In der Klimazeitung soll dann mittels eines Spendenaufrufs das Geld im Nachhinein wieder eingenommen werden.

Bisher haben die Zeitungsmacher rund 52'000 Franken gesammelt. Damit können laut Kramer etwa 500'000 Exemplare gedruckt werden. Etwa 400'000 Franken fehlen noch, um die 3,8 Millionen Exemplare zu drucken. Falls nicht der gesamte Betrag zusammenkomme, werde man sich überlegen, wie die Zeitungen an die Haushalte verteilt werden sollen. Der genaue Ablauf des Crowdfundings sei noch nicht definiert.

CO2-Kompensation für Druck

Man sei sich bewusst, dass die Aktion auch für Kritik sorgen werde, da Ressourcen verbraucht werden. Leider sei die heutige Welt noch nicht klimaneutral konzipiert und deshalb sei es nötig, "CO2 in die Hand zu nehmen, um langfristig CO2 einzusparen", so Kramer. Geplant sei, dass umweltfreundlichste Papier für den Druck zu nutzen und via Klimakompensation einen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

Nebst der Verteilaktion Ende September in den Briefkästen soll das Klimablatt zwischen dem 20. und 24. September und an der Klimademonstration vom 28. September auf der Strasse zu verteilt werden. Etwa zum selben Zeitpunkt treffen die Wahlunterlagen, das sogenannte Abstimmungsbüchlein, bei den Bürgerinnen und Bürgern ein.

Die Zeitung soll in drei Sprachen erscheinen. Laut Kramer leisten 15 Personen einen "grösseren Beitrag" an der Ausarbeitung der Zeitung. Falls die Blattmacher das Geld zusammenbekommen, sind weitere Ausgaben geplant, wie Kramer sagte.

Im Juni hatte bereits die SVP ein Extrablatt zum Thema Klima mit einer Auflage von über 3 Millionen Exemplaren drucken lassen, allerdings mit einer anderen Interpretation des Themas. (sda)


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