Das Rückgrat der Berggebiete: Studie zeigt, wie grössere Täler sich entwickeln könnten

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Die liberale Denkfabrik Avenir Suisse hat in einer Studie verschiedene grössere Täler auf ihre Funktion als Zentren der Berggebiete untersucht. Sie kommt zum Schluss: Den Tälern fehlen oft städtische Qualitäten.

09. Juli 2020, 09:47

(agl) «Der Schlüssel für die künftige Entwicklung der gebirgigen Landeshälfte liegt in den grossen Haupttälern», teilte die liberale Denkfabrik Avenir Suisse am Donnerstag mit. Täler wie das Rhonetal im Wallis, das Alpenrheintal und die Gotthardachse zwischen Altdorf und Bellinzona hätten zwar die Bevölkerungsdichte und Wirtschaftskraft einer grösseren Stadt, seien aber aus verschiedenen Gründen schwächere Zentren.

Gemäss einer neuen Studie, welche die Denkfabrik am Donnerstag an einer Medienkonferenz vorstellte, fehlt den sogenannten Zentrumstälern ein städtischer Kern. Sie haben eine geringe Bevölkerungsdichte, sind oftmals dezentral organisiert und politisch zersplittert. Dennoch haben die Täler eine wichtige Zentrumsfunktion für kleinere Seitentäler und das alpine Hinterland.

Vom Tal zur dezentralen Stadt

Nach Ansicht von Avenir Suisse sollten die Berggebiete nicht den Anschluss an die Zentren des Mittellandes suchen, sondern sich auf die eigenen Zentren besinnen. In der Studie werden dafür verschiedene Strategien vorgeschlagen. So sollen zum Beispiel die Verkehrsangebote optimiert und besser aufeinander abgestimmt werden. Unter anderem könnten entlang der Zentrumstäler Verkehrs- und Tarifverbünde mit einheitlichen Tarifzonen geschaffen werden. In den abgelegenen Berggebieten sollten zudem neue Mobilitätsformen wie Bussysteme auf Abruf zum Einsatz kommen.

Die Studie spricht von Tälern mit «urbanen Qualitäten»: «Idealerweise bestünden diese aus verdichteten Siedlungskernen, die sich funktional zu einer dezentralen Stadtstruktur ergänzen», heisst es dazu. Gemäss Avenir Suisse wären auch gemeinsame Gewerbegebiete oder die Vernetzung von Berufsbildungsangeboten denkbar. Ziel von alledem sei es, Haupt- und Seitentäler besser zu verknüpfen und «dem hochalpinen Siedlungsraum eine neue Perspektive zu eröffnen».


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