Die Pensionierung ist ein neuer Lebensabschnitt, der gut geplant sein will – vor allem auch finanziell. Mit dem Ende der Erwerbstätigkeit ändern sich die Einkommensverhältnisse. Mit der Rente reduziert sich das Einkommen, was dazu führen kann, dass die Tragbarkeit einer bestehenden Hypothek nicht mehr gegeben ist.
Die aktuellen Tiefzinsen sind nicht massgebend
Tragbarkeit heisst, sich das Wohneigentum gemäss bestimmten Kriterien leisten zu können. Um gegen eventuell steigende Zinsen gewappnet zu sein, berechnen die Banken die Tragbarkeit nicht mit den aktuell tiefen Zinsen, sondern mit dem kalkulatorischen Zinssatz von rund 5 Prozent. Zusätzlich wird für Unterhalts- und Nebenkosten rund 1 Prozent des Immobilienwerts hinzugerechnet. Insgesamt sollten die so berechneten Kosten ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen.
Ist die Tragbarkeit der Hypothek nicht mehr sichergestellt, kann eine Teilamortisation erforderlich sein. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Bank die Hypothek nach Ablauf der Laufzeit nicht verlängern kann. Falls Sie eine Zweithypothek haben, müssen Sie auch das klären. Viele Banken gewähren Pensionierten grundsätzlich keine Zweithypothek, auch wenn sie problemlos tragbar wäre.
Ob eine Hypothek bei der Pensionierung amortisiert werden sollte oder nicht, hängt im Weiteren von verschiedenen Faktoren ab – insbesondere von der Höhe der Hypothek, dem vorhandenen Vermögen und der persönlichen Finanzlage. Wenn Sie über genug Ersparnisse verfügen und Wert auf Sicherheit legen, kann eine teilweise Rückzahlung Ihrer Hypothek sinnvoll sein. Dadurch lassen sich Ihre Fixkosten langfristig senken.
Amortisation verringert die Rente
Eine Rückzahlung muss aber gut überlegt werden, denn eine spätere Erhöhung der Hypothek ist aufgrund der Tragbarkeitskriterien im Pensionsalter oft schwierig. Auch ist zu bedenken, dass Ihre PK-Rente, wenn Sie einen Teil des PK-Kapitals für die Amortisation der Hypothek einsetzen wollen, dadurch geringer ausfällt, was die Tragbarkeit der Hypothek infrage stellen kann. Auch steuerliche Aspekte gilt es zu berücksichtigen. So können Hypothekarzinsen vom Einkommen abgezogen werden.
Eine Amortisation kann Risiken haben, da mehr Kapital im Wohneigentum gebunden wird. Prüfen Sie daher, ob genug Liquidität da ist, auch für ungeplante Ausgaben. Denn Unterhaltskosten oder unerwartete Sanierungen können mit erheblichen Ausgaben verbunden sein. Auch später anfallende Pflege- und Heimkosten können schnell zu finanziellen Engpässen führen, wenn das Vermögen in der Immobilie blockiert ist. Eine professionelle Beratung kann Ihnen helfen, Zusammenhänge zu verstehen, Szenarien zu prüfen und die passendste Lösung zu finden.
Bereichsleiterin Treuhand+Steuern Pro Senectute Kanton Luzern; www.lu.prosenectute.ch
