Walliser Justiz verurteilt Möbelverkäufer

PROZESS ⋅ Wegen des Verkaufs chinesischer Kopien des berühmten Sessels des amerikanischen Designers Charles Eames ist ein Walliser Möbelverkäufer vom Bezirksgericht Martigny zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Er verstiess gegen Urheberrecht.

05. September 2019, 16:35

Die Nachlassverwalterin des Designs und Namens von Eames, die deutsche Vitra Collections mit Sitz in Muttenz BL, hatte den 78-jährigen Besitzer des Walliser Einrichtungshauses Descartes Möbel eingeklagt. Jean-Daniel Descartes wurde beschuldigt, drei chinesische Kopien des berühmten Clubsessels "Lounge Chair and Ottoman" verkauft zu haben. Der 1956 entworfene Klassiker wird bis heute verkauft und gehört zu den bedeutendsten Werken des US-amerikanischen Designers Charles Eames.

Das Bezirksgericht Martigny folgte am Donnerstag dem Antrag der Walliser Staatsanwaltschaft und verurteilte Descartes wegen Verstosses gegen das Bundesgesetz über das Urheberrecht zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagen zu 160 Franken sowie zu einer Busse von 1920 Franken. Ausserdem entschied das Gericht, dass der Möbelverkäufer die vier nicht verkauften Kopien der Sessel vernichten muss.

Zu billig für ein Original

Descartes behielt sich vor, beim Kantonsgericht Berufung gegen das Urteil einzulegen. Der Chef des Einrichtungshauses verteidigte sich vor Gericht damit, dass er nicht gewusst habe, dass der Eames-Sessel urheberrechtlich geschützt sei. Er reise regelmässig nach China, um Möbel zu erwerben. Eine böswillige Täuschungsabsicht wies Descartes von sich. Er habe die Kunden immer darauf hingewiesen, dass es sich um "von Eames inspirierte" Möbelstücke handle und nicht um ein Original.

Drei der insgesamt sieben zwischen 2010 und 2014 in China erworbenen Sessel verkaufte der Walliser in der Schweiz zu einem Stückpreis zwischen 1500 und 2300 Franken. "Bei diesem Preis war klar, dass es sich nicht um ein Original handeln konnte", betonte Descartes.

Ein Original des Design-Klassikers, der auch im Museum of Modern Art (MoMa) in New York ausgestellt wird, kostet rund 7000 Franken. Das deutsche Unternehmen Vitra Collections, welches das Copyright besitzt und einen Produktionsstandort im deutschen Weil am Rhein unterhält, behält sich vor, den Fall vor ein Zivilgericht zu bringen, um die Gerichtskosten erstattet zu bekommen. (sda)


Login