Verdacht auf Missbrauch in Kindertagesstätte

KRIMINALITÄT ⋅ Ein ehemaliger Mitarbeiter einer St. Galler Kindertagesstätte (Kita) steht im Verdacht, Kinder sexuell missbraucht zu haben, im privaten Rahmen und während seiner beruflichen Tätigkeit. Zudem soll er kinderpornografisches Material hergestellt haben.

Aktualisiert: 
07.02.2019, 11:19
07. Februar 2019, 08:27

Wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie im Darknet führte die St. Galler Staatsanwaltschaft im vergangenen Juli Hausdurchsuchungen durch, darunter in einer Kindertagesstätte in der Stadt St. Gallen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Im Fokus der Ermittlungen stand ein 33-jähriger Schweizer.

Buben als mutmassliche Opfer

Die Staatsanwaltschaft hat den dringenden Verdacht, dass der Mann an zwei kleinen Buben sexuelle Handlungen vorgenommen hat; die Kinder waren damals weniger als zwei Jahre alt. Dabei soll er Videos erstellt haben, die er zum Teil im Darknet verbreitete.

Eines der beiden Kinder soll er im privaten Rahmen missbraucht haben. Der zweite Bub sei "im Rahmen der beruflichen Tätigkeit des Beschuldigten bei der von der Hausdurchsuchung betroffenen Kindertagesstätte" missbraucht worden, wie es im Communiqué heisst.

Vorgeworfen wird dem ehemaligen Kita-Mitarbeiter zudem, von zwei weiteren Buben "im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit sexuell motivierte Fotos" gemacht zu haben. In einem Fall soll er die Bilder anonymisiert online verbreitet haben.

Weitere Opfer nicht auszuschliessen

"Wir werden nie mit absoluter Sicherheit sagen können, dass es keine weiteren Opfer gibt", sagt Roman Dobler, stellvertretender Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage von Keystone-SDA.

Bei den Ermittlungen gebe es verschiedene Schwierigkeiten: Die Ermittler wüssten nicht, ob der mutmassliche Täter die sexuellen Handlungen immer gefilmt oder fotografiert habe. Die Opfer, zum Tatzeitpunkt meist erst rund 18 Monate alt, könnten nicht befragt werden.

"Ausserdem ist der Beschuldigte nicht sehr kooperativ", so Dobler. Dem 33-Jährigen droht eine Anklage wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfacher Schändung und mehrfacher qualifizierter Pornografie.

Mehrere zehntausend Bilddateien

Der Mann wurde im Juli 2018 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bei Hausdurchsuchungen im Juli sichergestellte Datenträger wurden inzwischen ausgewertet. Dabei kamen laut Staatsanwaltschaft mehrere zehntausend sichergestellte Bilddateien mit mutmasslich kinderpornografischem Inhalt zum Vorschein.

Die St. Galler Staatsanwaltschaft steht mit den Eltern der in der betroffenen Kita betreuten Kinder in Kontakt. Bereits vor den Sommerferien vor einem Jahr waren sie über den Verdacht informiert worden. Der Mitarbeiter wurde damals fristlos entlassen.

Betroffene Kita erschüttert

Die Leitung der Kita hat für Donnerstagmittag kurzfristig zu einer Medienorientierung eingeladen. "Die Fiorino AG ist tief erschüttert und sehr betroffen", heisst es in der Einladung.

Die Situation sei für die Eltern und die Mitarbeitenden extrem schwierig, sagt Pressesprecherin Bettina Zimmermann auf Anfrage von Keystone-SDA: "Wir haben die Eltern in einem Brief über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft informiert."

Am Donnerstagmorgen stand Verwaltungsratspräsident Jacques Hefti den Eltern Red und Antwort. Der Verein Fiorino Kinderkrippen führt in St. Gallen und Umgebung sieben Kitas. (sda)


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