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Mit 95 Jahren

Er war eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Films: Mario Adorf gestorben

Mario Adorf ist am Mittwoch nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris für immer eingeschlafen. Mit über 200 Rollen wurde er zur Filmlegende.
Mario Adorf war eine deutsche Schauspielikone.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Ob «Winnetou», «Die Blechtrommel» oder «Momo»: Mario Adorf spielte in zahlreichen Klassikern des deutschen Films mit. Nun ist der Schauspieler mit 95 Jahren gestorben. Das bestätigt sein Management gegenüber «Bild». Nach kurzer Krankheit sei er am Mittwochvormittag zu Hause in Paris eingeschlafen.

Der Schauspieler wollte sich zuvor bei seinem Publikum für die jahrelange Treue bedanken, sagte sein Manager Michael Stark. In seinen über 200 Rollen verkörperte er oftmals Bösewichte. Doch selbst als diese vermochte er nicht bloss schwarz weiss darzustellen, sondern konnte ihnen stets etwas Menschliches geben.

Mario Adorf in einer seiner berühmtesten Rollen als Santer in «Winnetou»: «Das war der klassische Bösewicht, der mir sehr übel genommen wurde. Aber das ist dann auch ganz schön, wenn man so gehasst wird von ein paar Generationen.»
Bild: alamy

Turbulenter Kindheit und Jugend

Bereits der Start ins Leben war für Adorf filmreif: Am 8. April 1930 kam Mario Adorf in Zürich zur Welt. Als uneheliches Kind einer Mutter, die hochschwanger aus Italien flüchtete. Wäre sie in Kalabrien geblieben, hätte man ihr das Kind weggenommen. Doch auch in der Schweiz fand sie mit ihrem Sohn keine Bleibe. Nur drei Monate nach Marios Geburt wurden sie ausgewiesen. Nachdem sie nach Deutschland zogen, musste sie ihr dreijähriges Kind aus Geldnot zeitweise an eine Ordensgemeinschaft geben. «Unser Verhältnis war sehr unsentimental», sagte Adorf 2005 in einem Interview über die Beziehung zu seiner Mutter: «Gefühle waren, wenn überhaupt, nur sehr versteckt da. Wir waren eine Schicksalsgemeinschaft.»

Adorf boxte sich durch seine Jugend – wortwörtlich. Einen Plan hatte er nicht. «Ich gehörte einer Generation an, die in ihrer Jugend durch die Einflüsse der Nazi-Ideologie und durch die wegen der Kriegsereignisse mangelhafte schulische Bildung geschädigt war», erzählte er 2010.

Der Schauspiel-Traum erwachte in Zürich

Er studierte zunächst in Deutschland und dann in Zürich, wo er einen Nebenjob als Statist und Regieassistent am Schauspielhaus ergatterte – und seine Berufung fand. Später stand er an den Münchner Kammerspielen auf der Bühne und 1957 gelang ihm als Massenmörder in «Nachts, wenn der Teufel kam» der Durchbruch vor der Kamera. Von da an wurde er oft als Schurke, Mafia-Boss oder sonstiger Bösewicht gecastet. Auch im ersten «Winnetou»-Streifen, wegen dem ihn Fans regelrecht hassten, als er in der Rolle des skrupellosen Santer Winnetous Schwester tötete. Für ihn war die Reaktion der Fans eine Ehre: «Das ist besser, als unbemerkt zu bleiben.»

In der Günter-Grass-Verfilmung «Die Blechtrommel» spielte er 1979 Vater Matzerath. Die Rolle wurde von Kritikern als eine seiner beeindruckendsten Leistungen gelobt, doch der Film sorgte gut 20 Jahre nach seiner Erscheinung für eine Kontroverse im US-Staat Oklahoma. Weil eine Szene Kinderpornografie zeigen soll, landete der Film vor Gericht, in letzter Instanz wurde die Forderung nach einem Verbot aber aufgehoben. Im kanadischen Ontario wurde er wegen «Darstellung minderjähriger Sexualität» hingegen tatsächlich verboten.

Im Film «Die Blechtrommel» feierte Adorf einen weiteren grossen Erfolg im deutschen Kino.
Bild: ullstein

Adorf spielte nicht nur in deutschen Filmen mit, sondern auch in italienischen, französischen und englischen Produktionen. Und egal ob Kino, Theater oder Fernsehen: Mario Adorf konnte alles. Auch, weil ihm sein Beruf schlichtweg Spass machte, wie er einst sagte.

Dieser brachte ihm zahlreiche Preise und Ehrungen ein. Neben mehreren Bambis, Goldenen Kameras und sogar dem Deutschen Fernsehpreis, gehört auch der Ehrenpreis «Pardo alla carriera» am Filmfestival von Locarno dazu. Ein Jahr zuvor wurde er in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der «Bild am Sonntag» sogar zum beliebtesten deutschen Schauspieler gewählt.

Mario Adorf 2016 mit seinem Ehrenleoparden «Pardo alla carriera» am Filmfestival von Locarno.
Bild: Alexandra Wey

Dank seines Jobs lernte er 1968 auch seine Frau Monique kennen. Er traf die Französin am Rande von Dreharbeiten – durch die Vermittlung von Brigitte Bardot. «Das eigentliche Kennenlernen fand dann ein paar Monate später in Rom statt. Die Bardot drehte dort, Monique begleitete sie», erzählte er 2025 über die «Liebe seines Lebens». Dort habe es zwar schon gefunkt, doch bis zum Ja-Wort dauerte es: «Siebzehn Jahre war es ein Hin und Her mit uns. Ein langes Ausprobieren. Dann heirateten wir und waren nie mehr getrennt.»

Er wollte nicht aufhören – doch irgendwann musste er es

Doch von der Schauspielerei musste er sich irgendwann aber gezwungenermassen trennen. Im vergangenen Jahr sagte er in der Zeitschrift «Hörzu», dass er wohl keine neuen Rollen mehr spielen wird: «Ich bin ohne jeden Ehrgeiz in dieser Richtung – und ohne jede Hoffnung.» Er müsste auch genau überlegen, ob er das physisch überhaupt noch schaffen würde. «Es muss nicht sein», sagte er Adorf.

Anlässlich seines letzten Geburtstages wurde er einmal mehr sehr ehrlich. Er habe gesundheitlich eine Erfahrung gemacht, die «schon sehr negativ» gewesen sei. «Es gab einen Punkt, an dem ich dachte: Das langt jetzt. Da hätte ich eigentlich gerne losgelassen», sagte er. Denn: «Dieses Warten auf etwas – das ist nicht einfach. Nicht so einfach, wie ich es mir wünschen würde.»

Am Ende war seine Ehefrau an seiner Seite. Neben ihr hinterlässt Mario auch eine Tochter aus erster Ehe und einen Enkel. In Erinnerung bleiben wird er seinen Fans als eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Films.

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