«My Fair Lady» wird in der nächsten Saison am Luzerner Theater gespielt, seit vielen Jahren wieder einmal ein Musical. Ein richtiger Stilbruch ist es aufgrund seines orchestralen Charakters und seiner operettenartigen Story allerdings nicht. A propos Operette: Diese Sparte fehlt dafür im neuen Programm, nachdem in der laufenden Spielzeit zumindest eine Silvesterrevue zur Aufführung kam.
Im Schauspiel gibt es den bewährten Mix aus Neuem und Klassikern, zu denen etwa Kleists «Der zerbrochene Krug» gehört. Und der Tanz erhält mit drei neuen Produktionen etwas mehr Gewicht als in der laufenden Saison. Vielleicht liegt es auch daran, dass die aktuelle Tanzdirektorin Wanda Puvogel ab der nächsten Spielzeitzeit zusammen mit der heutigen Schauspieldirektorin Katja Langenbach die neue Doppelintendanz bildet. Aber nun der Reihe nach.

Dass die Nachfolge der abtretenden Ina Karr aus internen Kräften gebildet worden ist, war ein klares Zeichen für Kontinuität, nicht zuletzt auch als Bekenntnis zum Dreispartenhaus.
Unter dem Motto «ZeitNah» werden in der kommenden Spielzeit 18 Premieren und 9 Wiederaufnahmen geboten. Die Nähe wird dabei räumlich verstanden, aber auch in Bezug auf aktuelle Fragen der Zeit.
Krimi über die Schweiz vor über 100 Jahren
Das Schauspiel, künftig unter der Leitung von Eva Böhmer (siehe Box), startet mit der Schweizer Erstaufführung von Marius von Mayenburgs irrwitzig scharfsinnigem Ehedrama «Egal» in die Spielzeit. Gar zur Uraufführung kommt das Stück von Hausautorin Yael Inokai, 2018 Gewinnerin des Schweizer Literaturpreises. Ihr erster Theatertext «Das Verhängnis» ist ein Krimi über die ländliche Schweiz anfangs des 20. Jahrhunderts.

In die Ferne in mehrfachem Sinne geht die Uraufführung von «MARSnaturen», einer Auftragsarbeit von Kevin Rittberger. Es geht in die ferne Zukunft und um das Leben auf dem Mars. Die Koproduktion des Luzerner Theaters mit dem Shanghai Dramatic Arts Center führt Spielende aus Luzern und Shanghai zusammen und wird später auch in China gezeigt.
«Eine Weihnachtsgeschichte» von Charles Dickens ist ein Klassiker, der Erwachsene und Kinder bildstark und musikalisch zum Schmunzeln und Mitfühlen bringen soll. Mehr als geschmunzelt wird wohl bei der klassischen Kleist-Komödie «Der zerbrochene Krug», derweil Ibsens «Gespenster» ebenfalls ein Klassiker ist, allerdings mit einer ganz anderen Gefühlswelt. Er wird inszeniert von Rebekka David, die in der vorletzten Spielzeit in Luzern mit «Prima Facie» für Furore sorgte.
Tanz: Erstmals «Artist in Residence»
TanzLuzern wird neu geleitet von Pamela Monreale und Victor Rottier (siehe Box). Sie setzen auf energiegeladene Produktionen, die unterschiedliche kulturelle Einflüsse verbinden. Neu ist, dass TanzLuzern mit dem südkoreanischen Choreografen Jae-Duk Kim einen «Artist in Residence» hat. Er wird mit TanzLuzern das abendfüllende Stück «Der innere Strom» entwickeln. Zudem gibt es zwei neue choreografische Stimmen zu vernehmen: Der Doppelabend «Common Ground» vereint Uraufführungen der Schweizerin Johanna Heusser und Maciej Kusiński aus Polen zum Thema Heimat und Zugehörigkeit.
Nach «Das Ring Ding» Wagner nun richtig
Das Musiktheater steht weiterhin unter der Leitung von Operndirektorin Ursula Benzing und Musikdirektor Jonathan Bloxham. Erstere sieht sich bekanntlich mit Vorwürfen von Mobbing und Machtmissbrauch konfrontiert. Eine vom Luzerner Theater in Auftrag gegebene Untersuchung liegt nun vor (wir berichteten, siehe Hinweis unten).
Gestartet wird die Musiksaison in der Box in Koproduktion mit Lucerne Festival mit einem Doppelabend: «Mad King & Medea» bringt Peter Maxwell Davies «Eight Songs for a Mad King» von 1969 mit einer Auftragsarbeit der britischen Komponistin Bushra El-Turk zusammen. Unter dem Titel «Mein Name ist der Fluch» hat sie gemeinsam mit der Schweizer Literaturpreisträgerin Ariane Koch einen Medea-Monolog geschaffen.

Mit «My Fair Lady» steht ab Ende September ein Musical-Klassiker auf dem Programm. Er bietet grossartige Ohrwürmer. Man darf gespannt sein, wie die leicht angestaubte Story als aktuelle Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau erzählt werden kann. Wie bei «My Fair Lady» wird Musikdirektor Jonathan Bloxham bei Richard Wagners «Der fliegende Holländer» die musikalische Leitung übernehmen. Nach der persiflierenden Reihe «Das Ring Ding» kommt Wagner also wieder ganz klassisch, wenn auch in der Light Version – eine Orchesterbesetzung wie beim späten Wagner fände im aktuellen Theatergebäude bekanntlich keinen Platz im Orchestergraben. Zum Abschluss der Spielzeit gibt es eine musikalische Entdeckung: «Proserpina» des Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus, unter der musikalischen Leitung des Barock-Spezialisten Jörg Halubek.
Die Sparte Schauspiel wird neu von Eva Böhmer geleitet, in der Nachfolge der neuen Co-Intendantin Katja Langenbach. Böhmer ist seit 2021 Dramaturgin am Luzerner Theater und sieht ihren Schwerpunkt bei zeitgenössischen Stoffen, neuen Erzählformen und stilistischer Vielfalt. Den Tanz leiten in der Nachfolge der neuen Co-Intendantin Wanda Puvogel künftig Pamela Monreale und Victor Rottier. Monreale gehört seit 2021 zum Team, seit 2024 als Company Managerin; Victor Rottier ist seit der aktuellen Spielzeit als choreografischer Assistent und Probenleiter im Haus.
Neuer Jugendclub «Jung&young»
Die Sparte «Jung», geleitet von Teresa Rotemberg, richtet sich erneut an Kinder, Jugendliche und Schulen in der Region. Von den Allerjüngsten bis ins junge Erwachsenenalter gibt es ein Angebot an altersgerechten Stücken quer über alle Sparten. Die Kleinsten gehen dieses Jahr auf «Kuscheltier-Safari» oder tanzen mit «Petipas & ich» durch die Box. Dort ist auch das Figurentheater unter der Leitung von Sibylle Grüter und Jacqueline Suter wieder zu sehen. Mit dem Jugendclub «Jung&young» startet ein neues Angebot für Jugendliche ab der 3. Oberstufe.
In die Schulen kommt das Luzerner Theater mit dem neuen Klassenzimmerstück «Ronny von Welt». Erneut gibt es ein umfangreiches Angebot verschiedener Vorstellungen in der Unterrichtszeit. Begleitet wird dieses Angebot von Workshops, Vor- und Nachbereitungsformaten und Materialmappen. Das Projekt «konTAKT», in dem Menschen mit neurologischen Herausforderungen wie Parkinson oder MS an wöchentlichen Tanzworkshops im Luzerner Theater teilnehmen, wird fortgesetzt.
Die Artikel wird ab Mittag aktualisiert.



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