Kunstkolumne

Bildbetrachtung von Sabine Altorfer – diese Woche: Zerrissen von der Realität  

Was machen brutale Zeitumstände mit der Kunst? Sie treiben sie ins Idyll, ins Absurde - oder lassen sie eindringlich werden. Die Berlinerin Hannah Höch verarbeitete nach dem Ersten Weltkrieg die Bilder der vom Krieg versehrten Menschen mit Collagen.
Ausstellung «Hannah Höch. Montierte Welten» im Zentrum Paul Klee in Bern.
Hannah Höch, «Der Melancholiker», 1925, Collage, 16,8 x 13 cm. Institut für Auslandsbeziehungen e. V., Stuttgart
© 2023, ProLitteris, Zurich
Foto: Institut für Auslandsbeziehungen e. V., Stuttgart

Ein unperfektes Gesicht. Dargestellt im Profil, brutal beschnitten und vor unbestimmt schwarzem Hintergrund schwebend. Ein Auge dominiert – gross, im Bildzentrum, scharf fotografiert und doch schwer fassbar. Denn vom Gesicht, zu dem es gehört, sehen wir nur gerade einige wenige Wimpern unterhalb des Auges, alles andere ist verdeckt durch ein zweites Gesicht, das glatt wie eine Maske darübergelegt ist. Kinn und Mund scheinen gar von einem dritten Foto zu stammen. Ein Mensch mit vielen Gesichtern also? Oder einer, der nicht so genau weiss, wer er ist?

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