Abscheuliche Gräueltaten am Bodensee

THEATER ⋅ Schräg, lustig und gruselig geht es in "Arsen und Spitzenhäubchen" zu. Das See-Burgtheater spielt die Giftmord-Komödie auf einem Mississippi-Dampfer am idyllischen Bodenseeufer in Kreuzlingen. Am Donnerstag war Premiere.

12. Juli 2019, 11:07

Älterer Mann, alleinstehend, sucht Zimmer. Die Schwestern Martha (Caroline Schreiber) und Abby Brewster (Astrid Keller) vermieten welche. Allerdings wohnt auf ihrem idyllischen Hausboot niemand ausser der ziemlich durchgeknallten Familie.

Kaum haben sich die älteren Herren nämlich zur Untermiete entschieden, wird ihnen ein Gläschen Holunderwein serviert - verfeinert mit einem Teelöffel Arsen, einem halben Teelöffel Strychnin und einer Prise Zyankali. Die beiden Schwestern morden aber nicht aus Habgier, sondern aus reiner Nächstenliebe.

Sind die einsamen Herren von ihrem "Leid erlöst", kommt ihr wahnhafter Neffe Teddy (Florian Steiner) zum Einsatz. Der geistesgestörte junge Mann glaubt, er sei Präsident Roosevelt und baue am Panamakanal. So gräbt er Schleuse um Schleuse als letzte Ruhestätte für die "erlösten Seelen". Allerdings ist Teddy überzeugt, es handle sich bei den Toten um Gelbfieber-Opfer.

Mord Nummer 12 oder 13?

Da nie ein Herr ohne anständige Feier auf den privaten Friedhof unter dem Hausboot kommt und die feinen Damen für die Beerdigung gerade keine Zeit haben, müssen sie das "Produkt ihrer Hilfsbereitschaft" in einer Kiste im Wohnzimmer zwischenlagern. Und es kommt, wie es beim 12. - oder ist es bereits der 13. Mord? - kommen muss: Der zweite Neffe Mortimer (Raphael Westermeier) entdeckt die Leiche.

Dem jungen Mann, der seiner Freundin Elaine Harper (Anna Krestel) die Heirat versprochen hat, schwant, dass in seiner Familie nicht nur Teddy vom Wahnsinn befallen ist, sondern auch die Tanten. Hektisch versucht er alles, um die Taten der liebenswürdigen Schwestern zu vertuschen.

Die Situation eskaliert, als der dritte Bruder, Jonathan (Christian Intorp), ein gesuchter Serienmörder, heimkehrt. Von diesem Punkt an überbordet die Inszenierung der Regisseurin Annette Pullen. Das zweistündige Stück wird ab der Pause allzu turbulent, die Bühne dreht sich in immer schnellerem Tempo, es knallt und blitzt und die Zuschauer erstarren auf der Tribüne.

Stimmiges Bild

Hervorragend gelungen ist die drehbare Bühne von Gregor Sturm, welche einen Mississippi-Dampfer aus den 1940er Jahren darstellt und perfekt zur Kulisse des Bodensees passt. Für die Szenenwechsel wird das Hausboot der Familie Brewster jeweils von den Schauspielerinnen und Schauspielern in Fahrt gebracht, was für zusätzlichen Schwung im Stück sorgt.

Das Theaterstück wird noch 19 Mal aufgeführt. Die letzte Vorstellung findet am Mittwoch, 7. August, statt. Am Wochenende vom 9. und 10. August gibt der Verein "kulting" verschiedene Konzerte auf der Seebühne. Da die Zuschauertribüne ein Dach hat, finden die Aufführungen auch bei Regen statt.

www.see-burgtheater.ch (sda)


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