Militär putscht Sudans Präsidenten weg

SUDAN ⋅ Im Sudan hat der gefürchtete Geheimdienst am Donnerstag die Freilassung aller politischen Gefangenen angekündigt. Der Nationale Geheim- und Sicherheitsdienst habe erklärt, er lasse "alle seine politischen Gefangenen im ganzen Land frei".

Aktualisiert: 
11.04.2019, 13:29
11. April 2019, 10:27

Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Suna. Demonstranten stürmten unterdessen ein Gebäude der mächtigen Behörde in der Stadt Kasala im Osten des Landes, wie Augenzeugen berichteten. Die Armee werde "bald eine wichtige Erklärung" veröffentlichen, berichteten das Staatsfernsehen und das staatliche Radio am Morgen. Zuvor sagte ein Minister aus der Provinz Nord-Darfur, al-Bashir sei zurückgetreten.

Der Ankündigung folgend strömten tausende Menschen zum Armee-Hauptquartier in der Hauptstadt Khartum, wo Regierungsgegner seit Tagen ausharren, um das Militär auf ihre Seite zu ziehen. Soldaten durchsuchten nach Angaben von Augenzeugen Büros des Staatsfernsehens und einer der Regierungspartei al-Baschirs nahestehenden Gruppierung.

"Das Regime ist gefallen", skandierten die Menschen vor den Toren des Armee-Hauptquartiers, auf dem sich auch die Residenz des Präsidenten und das Verteidigungsministerium befinden.

Die Augenzeugen berichteten von zahlreichen mit Soldaten besetzten Militärfährzeugen, die am Morgen an der Anlage eingetroffen seien. Demnach bezogen weitere Truppenwagen im Zentrum der Hauptstadt Stellung.

Anzeichen für Militärputsch

Am frühen Morgen gab es demnach eine Razzia in den Khartumer Büros der Islamischen Bewegung, dem ideologischen Flügel der regierenden Nationalen Kongresspartei. Zudem besetzten Soldaten einem Mitarbeiter des Staatsfernsehens zufolge das Gebäude des Senders und wiesen die Techniker an, nur die Ankündigung über die Erklärung der Armee zu senden.

In dem ostafrikanischen Staat gibt es seit Mitte Dezember Proteste. Sie richteten sich zunächst gegen eine drastische Erhöhung der Brotpreise. Rasch weiteten sie sich aber zu Demonstrationen gegen den autoritär herrschenden Präsidenten aus, der seit 30 Jahren an der Macht ist. Bei gewaltsamen Zusammenstössen wurden offiziellen Angaben zufolge bislang 49 Menschen getötet.

"Wir warten auf grosse Neuigkeiten", sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur AFP in Khartum. "Wir werden nicht gehen, bevor wir nicht wissen, worum es geht." Sicher sei, dass al-Baschir gehen müsse. "Wir haben genug von diesem Regime - 30 Jahre der Unterdrückung, Korruption, Menschenrechtsverletzungen, es ist genug", bekräftigte er.

Regierung mit harter Hand

Al-Baschir hatte sich 1989 mithilfe von Islamisten an die Macht geputscht. Seitdem regiert er den Sudan mit harter Hand. Gegen ihn besteht seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes. In der Provinz Darfur wurden nach UN-Angaben in den Jahren seit 2003 im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen 300.000 Menschen getötet.

Die oppositionelle Allianz für Frieden und Wandel kündigte ein Andauern der Proteste an, "bis die von der Allianz vereinbarten Bedingungen unserer Revolution erfüllt wurden". Der der Allianz angehörende Berufsverband SPA forderte die Menschen der Region auf, sich dem "Sitzstreik" vor dem Armee-Hauptquartier anzuschliessen. (sda/reu)


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