"Wir sind auf halbem Weg"

SKI NORDISCH ⋅ Mit sechs Podestplätzen war die zu Ende gegangene Saison der Schweizer Langläufer ziemlich erfolgreich. Einige Änderungen zahlten sich aus, für Chef Hippolyt Kempf ist man aber erst "auf halbem Weg".

18. März 2020, 15:34

Dario Cologna hatte noch Glück im Unglück. Weil er die Sprintwettkämpfe in Québec sowieso ausgelassen hätte, war der vierfache Olympiasieger letzte Woche noch nicht Richtung Kanada unterwegs. Ganz anders Nadine Fähndrich. Die beste Schweizer Sprinterin erlebte hautnah mit, wie immer mehr Nationen aus der frankokanadischen Metropole abreisten - noch bevor die Rennen offiziell abgesagt waren. Nun trainieren beide in der Schweiz noch auf Langlaufski, die Wettkampfsaison ist aber frühzeitig zu Ende.

Eine Saison, die für Langlauf-Chef Hippolyt Kempf "turbulent" war und "ein paar ganz tolle Highlights" hatte. Er zählt die Podestplätze im Weltcup auf: den 3. Platz von Dario Cologna im Dezember in Davos, je einen 2. und einen 3. Rang durch Nadine Fähndrich im Sprint und durch Fähndrich und Laurien van der Graaff im Teamsprint und quasi als krönenden Abschluss der 2. Platz der Schweizer Männerstaffel in Lahti. Kempf, der neu auch die Leitung des gesamten Nordisch-Bereichs innehat, freute sich aber auch besonders an den Erfolgen bei der Junioren-WM mit der Goldmedaille in der U20-Frauenstaffel als Glanzlicht.

Drei wichtige Elemente hatten die Schweizer Langläufer auf diese Saison hin neu organisiert: die Vorbereitung mit einem Höhentraining im Juni, das Krafttraining, das man noch langlauf-spezifischer zu optimieren versuchte, und Massnahmen gegen das Asthma in der Kälte. "Das waren gute Wechsel", ist Kempf überzeugt. "Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Wir sind quasi auf halbem Weg."

Ein guter Winter für Dario Cologna

Eine Einschätzung, die Dario Cologna teilt. "Im Grossen und Ganzen war es ein guter Winter", sagt der 34-jährige Bündner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. "Wir haben die Auswertungen noch nicht im Detail gemacht, aber ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg." Er sei sicher stabiler und konstanter gelaufen als in der letzten Saison. Tatsächlich klassierte sich Cologna oft direkt hinter einer Armada von Russen und Norwegern. "Ich war oft Sechster", meint er. "Natürlich wäre ich gerne noch etwas weiter vorne."

Colognas eigener Anspruch bleiben Podestplätze, gerade auch im Hinblick auf sein wahrscheinlich letztes grosses Ziel, die Olympischen Spiele 2022. "Es war etwas eine Zwischensaison, aber ich will auf jeden Fall nochmals einen klaren Schritt Richtung absolute Weltspitze machen." Dazu müsse er motiviert sein, gut arbeiten und vor allem auch im kommenden Sommer im Training eine gute Qualität haben.

Cologna nützt die noch immer hervorragenden Laufverhältnisse zuhause in Davos. "Ich achte aber natürlich darauf, dass ich alleine unterwegs bin und möglichst wenig Kontakt mit Leuten habe", sagt er im Wissen um die wichtigsten Coronavirus-Regeln. Ähnlich sieht es auch bei Nadine Fähndrich aus, der Schweizer Aufsteigerin des Jahres. Sie macht im Moment vor allem Fitness- und Rollskitraining, am Mittwoch fuhr sie aber von ihrem Wohnort im Baselbiet ins Entlebuch, um noch einmal auf Schnee zu laufen und ihre Eltern zu besuchen. Ansonsten vermeidet auch sie Kontakte zu Aussenstehenden.

Fähndrich glaubt, die Früchte des umgestellten Trainings noch nicht immer vollumfänglich geerntet zu haben. Vor allem zu Beginn der Saison tat sich die 24-jährige Luzernerin trotz oft guter Prolog-Resultate schwer, in den Final vorzustossen. Nachdem sie die Tour de Ski zum Jahreswechsel krank aufgegeben hatte, kam sie aber immer besser in Form. In den letzten drei Sprints der Saison lief sie jedes Mal in den Final, in Trondheim und Konnerud klappte es auch mit den ersten Podestplätzen im Sprint. "Das macht mich sehr stolz", hält sie zu Recht fest.

Eigentlich hatte sie Ferien mit dem Freund in Japan geplant, nun muss auch Fähndrich wie die restlichen Langläufer zuhause bleiben. Im Mai soll es mit dem Training für die kommende Saison losgehen - wenn das Coronavirus bis dann in den Griff bekommen wurde. (sda)


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