"Was machst du hier überhaupt?"

SNOWBOARD ⋅ Olympiasieger Nevin Galmarini erlebt an den WM in Park City seinen ganz persönlichen Albtraum. Der 32-Jährige ist als Titelfavorit angetreten, abreisen wird er mit Schmerzen und Enttäuschung.

06. Februar 2019, 05:52

Es hätte das nächste Kapitel der Erfolgsgeschichte von Nevin Galmarini werden sollen - die Freestyle-Weltmeisterschaften in Park City. Es wurde der ganz persönliche Albtraum für den 32-jährigen Engadiner. Schwierige Vorbereitung, gesundheitliche Probleme, schlechtes Wetter: Vieles schien sich im US-Bundesstaat Utah gegen den Olympiasieger im Parallel-Riesenslalom von Pyeongchang verschworen zu haben.

Galmarinis Auftritt in Park City hätte mit einer Goldmedaille enden sollen, endete aber im ersten Qualifikationslauf zum Parallel-Slalom nach dem dritten Tor im Schnee. Der Olympiasieger brach den Wettkampf kurz nach dem Start ab: "Ich hatte solche Rückenschmerzen, dass ich mir am Start nicht einmal selber die Bindung zumachen konnte", kommentierte Galmarini seine Aufgabe. "50 Prozent in mir fragten sich: 'Was machst du hier überhaupt?'" Letztlich setzte sich der "Krieger" in Galmarini durch - wenn auch nur bis zum dritten Tor.

Die Aufgabe war für Galmarini der zweite Rückschlag innerhalb von 24 Stunden: Am Montag war er, einer der grossen Favoriten auf den Titel im Parallel-Riesenslalom, im Final gar nicht dabei. Wie im Parallel-Slalom war sein Auftritt noch vor dem Final vorbei; nach einem folgenschweren Fehler im zweiten Lauf der Ausscheidung. Bereits in der Vorbereitung auf die Titelkämpfe wollte es für den 32-Jährigen nicht zusammenpassen: Gleich zweimal verhinderte eine Grippe die vollständige Umsetzung des akribisch erarbeiteten Matchplans.

Neben den Schmerzen machte Galmarini zusätzlich der Wetterwechsel in Park City ein Strich durch seine Weltmeister-Rechnung. Der Neuschnee auf der Piste verlangte Galmarini, der eigentlich das aggressive Fahren liebt, einen runderen Fahrstil ab. Am Montag wollte ihm dies nicht richtig gelingen, am Dienstag blieb ihm nicht die Möglichkeit, zu beweisen, dass er es durchaus auch beherrscht. In den Trainings an den Vortagen waren die Verhältnisse noch andere, noch mehr Galmarini-Kompatibel.

Ausflüchte sind allerdings nicht die Art des Engadiner Snowboard-Profis. So spricht er in seinem Fall nicht von einem Albtraum, auch nicht von einem Handicap; Galmarini nennt es "Herausforderung". "Ich bin nicht der Typ, der bereits im Voraus Entschuldigungen bereit hat", sagt er. Auch andere Athleten hätten schliesslich ihre Challenges. Viel mehr blickt er bereits wieder voraus: "Nun gilt es mit meinem Team zu schauen, dass ich in zwei Wochen in Korea am Weltcup wieder am Start stehen kann", sagt er. (sda)


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