Zwei Engelberger Schwestern springen, laufen und schiessen

REGIO-SPORT ⋅ Die Engelberger Geschwister Chiara und Sina Arnet gehören in ihren Sportarten zu den Besten der Schweiz. Die eine zeigt Treffsicherheit und Ausdauer, die andere verfügt über viel Sprungkraft.

04. Februar 2019, 17:25

Roland Bösch

Im Zürcher Oberland wurde am Wochenende die Nachfolge der Engelbergerin Chiara Arnet als U15-Biathlon-Schweizer-Meisterin gesucht. Vor Jahresfrist erkämpfte sich die 15-jährige Sportmittelschülerin die goldene Auszeichnung. Mittlerweilen ist Chiara Arnet im Biathlon bei den Grossen (Frauen Jugend 1) angekommen und tritt mit den Kleinkaliber-Gewehren auf eine Distanz von 50 Metern an. Als Organisator der nationalen Nachwuchs-Meisterschaften trat der Skiclub am Bachtel in Erscheinung und so ist der Bogen zur Schwester von Chiara Arnet gespannt. Die 13-jährige Sina Arnet lebt mit ihren Eltern und ihrer Schwester ebenfalls im Klosterdorf und besucht dort die Stiftsschule. In den Ranglisten taucht Sina Arnet aber unter der Flagge des Skiclub am Bachtel respektive des Zürcher Skiverbandes auf. Dieses Verwirrspiel hängt mit dem Mauerblümchendasein zusammen, mit dem die Sportart von Sina Arnet konfrontiert ist. Die 1,50 Meter grosse Jugendliche gehört zu den besten Skispringerinnen der Schweiz. Im 2017 wurde sie Schweizer Meisterin und im Jahr 2018 gewann sie Silber, bei der Elite versteht sich.

Am 27. Januar 2019 kam zudem der U16-Schweizer-Meister-Titel in der Nordischen Kombination hinzu. «Es ist schon schade, dass ich nicht als Engelbergerin wahrgenommen werde», bemerkt Sina Arnet und führt aus: «Die Zürcher haben mich aber sehr gut aufgenommen. Aufgrund der Auflösung des Skisprungkaders des Zentralschweizer Schneesportverbandes blieb mir irgendwie keine andere Wahl.»

Sie möchte gerne von der Titlisschanze springen

Die lediglich 37 Kilogramm schwere zierliche Sportlerin fliegt zurzeit bereits bis zu 90 Meter weit. Den ersten Wettkampf bestritt die damals Achtjährige im Jahr 2013 beim Glockenspringen in Einsiedeln.

Angefangen hat hingegen alles im Garten der Familie Arnet. Ihre Schwester Chiara erzählt: «Sobald der Schnee da war, haben wir jeweils eine kleine Schanze gebaut und sind darüber gesprungen. Sina wollte dabei immer die Rolle von Simon Ammann einnehmen.» Die Leistungen des Doppel-Doppel Olympiasiegers aus dem Toggenburg beeindrucken Sina Arnet nach wie vor. Als Vorbild musste Ammann aber dem Vierschanzentournee-Sieger 2018/19 Ryoyu Kobayashi Platz machen. Beim Heimweltcup in Engelberg im letzten Dezember verpasste Sina Arnet die beiden, da sie einen eigenen Wettkampf zu bestreiten hatte. Die Titlisschanze möchte Sina Arnet, auch wenn Frauen beim eigentlichen Wettkampf nicht zugelassen sind, in naher Zukunft schon einmal bezwingen. «Ich sehe die Schanze jeden Tag, deshalb ist der Reiz ziemlich gross», gibt Sina Arnet zu verstehen.

Vorderhand ist Sina Arnet, die wie ihre Schwester begeistert von Pferden ist, sehr viel auf der Skisprunganlage in Kandersteg anzutreffen. Dort steht am kommenden Wochenende im Rahmen der Alpenländer-Spiele auch ein internationaler Wettkampf auf dem Programm. Nach dem sechsten Rang im Vorjahr peilt die Obwaldnerin nun einen Podestplatz an. Doch hat Frauen-Skispringen überhaupt eine Zukunft? Aus dem Mund der polysportiv aufgewachsenen Athletin kommt ein klares Ja. «In der Schweiz sind wir eine überschaubare Truppe. In Deutschland, Slowenien und Tschechien beispielsweise ist die Begeisterung sehr gross», erklärt Arnet und betont: «Frauen-Skispringen ist sogar olympisch.» Und wer weiss, vielleicht nimmt ja bei der nächsten Austragung im Jahr 2022 in Peking sogar eine Engelbergerin auf dem Startbalken der Skisprungschanze Platz. Sina Arnet wäre dann 17-jährig. Gleich alt wie ihr einstiger Motivator Simon Ammann bei seiner ersten Olympia-Teilnahme 1998 in Nagano.

Jugend-Olympia von Lausanne steht bevor

Olympische Träume verfolgt auch die zwei Jahre ältere Schwester Chiara Arnet. Vorerst aber bei der Jugend. Konkret geht es um Jugend-Olympia im nächsten Winter in Lausanne. Die Engelberger Biathlon-Nachwuchshoffnung, die zwischenzeitlich auch bei Nachwuchsskispringen anzutreffen war, gehört zu einer von Swiss Olympic definierten Gruppe potenzieller Teilnehmer des internationalen Grossevents am Genfersee. «Eine erste Kostprobe erhielten wir im November 2018 im Hallenstadion. Im Vorprogramm des Super-10-Kampfes der Schweizer Sporthilfe durften wir vor 10000 Zuschauern einlaufen», blickt Chiara Arnet begeistert zurück.

Für die Athletin von Nordic Engelberg ist klar, dass der Weg bis Lausanne noch weit ist. «Vorerst bin ich froh, dass mir die Umstellung vom 10-Meter-Luftgewehr auf die 50-Meter-Kleinkaliber-Distanz gut gelungen ist», erklärt Arnet. Nach dem sie Anfang Dezember bei den ersten nationalen Rennen die Plätze 2 und 3 belegte, folgte Mitte Januar 2019 beim Swiss-Cup-Rennen in Premanon (FRA) der souveräne Kategoriensieg. Dazwischen bestritt Arnet einen ersten Einsatz auf internationalem Parkett bei den Alpencup-Rennen von Ridnaun. «Ich konnte im Südtirol erste wertvolle Erfahrungen in einer anderen Liga sammeln», sagt Chiara Arnet. Die 15-jährige Athletin von Nordic Engelberg kann ihre Begeisterung für den Biathlon-Sport im Gespräch nicht verbergen. Mit dem Schweizer Weltcup-Aushängeschild Lena Häcki hat sie zudem ein clubeigenes Beispiel, wohin Leidenschaft, Lockerheit und das nötige Talent führen kann.


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