Vivianne Härri: «Ich bin ruhiger geworden»

REGIO-SPORT ⋅ Das neue Ski-Jahr hat für die Giswilerin Vivianne Härri (20) perfekt und mit einer Goldmedaille begonnen.

14. Januar 2020, 12:38

Peter Gerber Plech

Passiert ist es an der Lenk im Simmental. Vivianne Härri, 20 Jahre alt, ist seit dem vergangenen Mittwoch die erste Schweizer Meisterin des Jahres 2020 im Skirennsport. Kombination-Gold bei der Elite holte sich die Giswilerin 2018, bei den U18 gewann sie 2017 den Titel in der Abfahrt. Seit dem 8. Januar findet sich jetzt auch eine Goldmedaille von den nationalen Riesenslalom-Meisterschaften (U21) in Härris Besitz.

Nicht nur das. Am Tag nach diesem Erfolg gewann sie auch die Revanche in Form eines FIS-Riesenslaloms auf der gleichen Piste. Den Grund, warum es für die Obwaldnerin gerade im Riesenslalom geklappt hat, erklärt Härri gleich selbst: «Ich habe in letzter Zeit mehr Speed und weniger Riesenslalom trainiert. Das Gefühl für das im Super-G gefahrene Tempo hat mir im Riesenslalom geholfen. So gut wie an der Lenk bin ich in dieser Disziplin vielleicht noch nie gefahren.» Und noch eine Erkenntnis zieht die ehemalige Schülerin des Sportgymnasiums Engelberg aus diesem Titelgewinn. Wie schon 2018 habe ich die Chance am Tag X genutzt und die Leistung abgerufen. Das gibt mir Sicherheit.»

Probleme mit dem linken Fuss

In der persönlichen Entwicklung hat Härri eine Veränderung wahrgenommen. «Ich bin ruhiger geworden, habe in den letzten zwei Jahren Erfahrungen gesammelt und habe die Nervosität, die früher extrem gewesen ist, viel besser im Griff. Es gelingt mir, mit den von mir und an mich gestellten Erwartungen umzugehen und meine Leistung abrufen zu können.» Die kommunikative Frohnatur ist gereift. Aber nicht so, dass sie ihr Lachen, das zu den absoluten Markenzeichen der C-Kader-Fahrerin gehört, verloren hätte.

Einen Grund zum Hadern hätte Vivianne Härri schon. Probleme mit dem linken Fuss plagen die Obwaldnerin seit beinahe vier Jahren. Mikrobrüche im Tibiakopf, eine ausgerenkte Schulter oder einen Handbruch hat sie in der Jugendzeit erlitten und weggesteckt. Die Sache mit dem Fuss, eine durch das Logensyndrom hervorgerufene Überreizung der Nerven und Sehnen, begleitet sie aber noch immer. Aktuell fordert eine Sehnenentzündung von mir im mentalen Bereich mindestens so viel wie ein Skirennen selber. Es ist nicht einfach, mit den immer wieder auftauchenden Schmerzen umgehen zu können.» Da die medikamentöse Therapie kaum Linderung gebracht hat und Härri nicht dauernd Chemie schlucken will, versucht sie die Entzündungen derzeit mit Hausmitteln, wie zum Beispiel mit Arnika, zu bremsen. Die gesundheitlichen Probleme bringen für die Obwaldnerin auch Einschränkungen im Trainingsbetrieb mit sich. Mehr maximal vier Trainingsfahrten täglich liegen nicht drin und auch im Konditionstraining muss die 20-Jährige etwas kürzertreten.

Positives Fazit über das erste Drittel des Winters

Nach den beiden Tagen an der Lenk stimmt bei Vivianne Härri aber die Moral und ihr Fazit über das erste Drittel des Winters fällt positiv aus. Im Europacup hat sie im Dezember mit den Plätzen 14, 15 und 21 im Super-G ihre bisher besten Resultate auf dieser Stufe abgeliefert. «Nachdem ich wegen der gesundheitlichen Probleme etwas später und mit gedämpften Erwartungen in die Saison gestartet bin, darf ich mit dem Verlauf sehr zufrieden sein.» Die Rennpause zwischen einem FIS-Rennen in Laax (19. Dezember) und den Rennen an der Lenk (8./9. Januar) seien für die Erholung und den angeschlagenen Fuss gut gewesen. Viele mittlere und kleinere Ziele verfolgt Härri in den nächsten Wochen und Monaten noch. Und auch ein ganz grosses: die erste Teilnahme an Junioren-Weltmeisterschaften, die vom 5. bis 14. März in Narvik (NOR) stattfinden. «Es ist meine letzte Chance, bei einer Junioren-WM dabei sein zu können. Ich wäre überglücklich, wenn es klappen würde.» Wie sagen die Weltcupcracks in den TV-Interviews doch immer? «Die Richtung stimmt». Nach den Tagen an der Lenk sowieso.


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