Skirennfahrer Semyel Bissig: Ein Einfädler soll zu Neustart verhelfen

REGIO-SPORT ⋅ Die Saison von Semyel Bissig verläuft bisher nicht nach den Vorstellungen des Nidwaldners. Eine Verletzungspause will der B-Kader-Athlet aus Wolfenschiessen zum Neustart nützen.

04. Februar 2019, 17:19

Peter Gerber Plech

Der Plan für die Saison 2018/19 war ein anderer. Auf jeden Fall driften Realität und Vorstellung darüber, wie der aktuelle Winter zu verlaufen hat, bis und mit Januar ziemlich auseinander. Der negative Höhepunkt: der Riss des Innenbandes im rechten Knie. Ein Einfädler war es, der am 23. Januar beim Europacup-Rennen in Courchevel dafür gesorgt hat, dass Semyel Bissig gestürzt ist und er danach eine wohl noch einige Tage dauernde Zwangspause hat einlegen müssen. Bezeichnenderweise war es ein Einfädler im Riesenslalom. In jener Disziplin also, in der sich solche Fehler eher selten einstellen.

Diese Verletzung sei irgendwie eine logische Folge seiner Entwicklung seit Saisonbeginn, sagt Bissig. Dabei hatte der Winter weit weg von Europa einen prima Anfang genommen. «In Australien und Neuseeland habe ich im August ein wirklich gutes Fahrgefühl auf dem neuen Material aufbauen können. Auch der Formaufbau hat gepasst», erinnert sich der Nidwaldner. Der Rückschlag für die Moral kam später und geografisch an einem komplett anderen Ort. Im November war es und in Finnland. Die Trainer trafen die Entscheidung, dass Semyel Bissig den Weltcup-Slalom nicht werde fahren können. Sie sahen Noel von Grünigen in der besseren Form und gaben dem Berner Oberländer den Vorzug. «Ich will dieser Sache jetzt nicht die Schuld dafür zuschieben, dass ich nicht wie gewünscht auf Touren gekommen bin. Als Sportler muss ich damit umgehen können. Aber ich bin bestimmt mental geschwächt aus dieser Situation hervorgegangen.»

Skifahrerisch habe nicht alles, aber grundsätzlich vieles gepasst, sagt er. Gleichzeitig aber habe ein Puzzleteil stets gefehlt, damit sich die wirklich guten, schnellen Fahrten und somit die positiven Resultate hätten einstellen können, analysiert Bissig. «Diesem fehlenden Teil bin ich stets hinterhergejagt, habe gesucht, habe ausprobiert und bin zuweilen über das Limit gegangen. Die Ruhe in der Arbeit ist mir abhandengekommen.» In 15 Rennen nach dem Levi-Entscheid ist er neunmal, meistens im zweiten Lauf, ausgefallen. Zu oft, um die angestrebte Sicherheit finden zu können.

Sicherheit fehlt wegen zu vielen Ausfällen

Der Sturz beim Europacup-Riesenslalom in Courchevel am 23. Januar sei aus seiner Warte rückblickend der negative Höhepunkt dieser Entwicklung gewesen. Ein Notstopp quasi. «Ich nehme dies als Hinweis, dass ich im mentalen Bereich jetzt einen Neuaufbau brauche und machen muss.» Obschon es für Bissig die erste Verletzung ist und ihn, was Skirennen betrifft, in die Zuschauerrolle zwingt, fühlt er sich besser. Die innere Unruhe sei zum grossen Teil gewichen, sagt der Zentralschweizer. «Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier etwas verpasse oder da etwas versäume. Ich habe die Situation akzeptiert.» Und durch diese gefundene Akzeptanz hat er sich neu fokussiert. Die Junioren-Weltmeisterschaften in Italien (18. bis 27. Februar) sind das Ziel des Neustarts mitten in der Saison. «Ich kenne die Situation an Grossanlässen aus eigener Erfahrung. Weltmeisterschaften haben eigene Gesetze und ich bin jeweils gut damit klargekommen. Deshalb gehe ich auch mit Selbstvertrauen an diese Aufgabe heran.»

Aber ist da nicht noch die Verletzung? Kann und wird Bissig überhaupt dabei sein? «In einigen Tagen sollte die Bänderverletzung ausgeheilt und das Knie wieder stabil sein», sagt Semyel Bissig. Und in dieser Aussage schwingt natürlich die eine ganz grosse Hoffnung mit: Es möge zeitlich und vom gesundheitlichen Standpunkt reichen. Es wäre die letzte Chance auf Gold für den 21-Jährigen. Eine Bronzemedaille (Super-G 2017) und eine Silbermedaille (Kombination 2018) hat Semyel Bissig schon zu Hause.


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