Nottwil-Handballtrainer Carlos Lima: «Es herrscht eine unheimliche Rivalität»

REGIO-SPORT ⋅ Gleich zum Jahresauftakt ein Paukenschlag – der LK Zug empfängt im Cup-Viertelfinal die Spono Eagles. Während die Zugerinnen unverblümt über Titel reden, suchen die Nottwilerinnen nach Stabilität in turbulenten Zeiten.

07. Januar 2019, 17:46

Stephan Santschi

Zehn Jahre lang schrieb er an der Erfolgsgeschichte, vier Schweizer Meistertitel und zwei Cupsiege standen am Ende zu Buche. Dann trat Damian Gwerder letzte Saison als Trainer des LK Zug zurück. Christoph Sahli war die logische Wahl für die Nachfolge, hatte er in der zweiten Equipe doch jahrelang effektive Entwicklungsarbeit geleistet. Wer nun denkt, der 34-Jährige sei die Sache nach seiner Beförderung langsam angegangen, der irrt. «Ich bin vor die Spielerinnen gestanden und habe ihnen gesagt: Wir spielen um Titel, Punkt! Wer in den Top-4-Klubs der Liga etwas anderes sagt, der lügt.»

Und so machte sich Sahli an die Arbeit, brachte seine Ideen ein, gab jüngeren Spielerinnen mehr Verantwortung und reaktivierte Altgediente, die wissen, wie man erfolgreich ist: Defensivspezialistin Stefanie Javet zum Beispiel. Oder Spielmacherin Ria Estermann, Flügel Simona Cavallari und Jacqueline Hasler-Petrig. Neu dazu stiess mit Kreisläuferin Martina Pavic auch ein ehemaliger Profi. «Sie lief 80 Mal für Kroatien auf und hat internationale Klasse. Ihr Engagement ist als Statement an unser Team zu verstehen, dass unsere Ambitionen nicht nur aus Worten bestehen», erklärt Sahli.

Zwei Cup-Viertelfinals in der Zuger Sporthalle

Kein Zweifel: Der LK Zug macht mobil. Seit er den letzten Titel gewonnen hat, ist es denn auch schon eine Weile her. 2015 war es, als der Verein das Double gewann, danach musste er in Meisterschaft und Cup stets den Spono Eagles oder dem LC Brühl den Vortritt lassen. In der SPL1 sind die Zugerinnen auf Kurs, der Auftakt ins neue Jahr am letzten Wochenende ist mit einem 36:22-Sieg gegen GC Amicitia problemlos gelungen. Drei Spieltage vor dem Abschluss der Hauptrunde stehen sie auf dem zweiten Platz und haben sich vorzeitig für die Finalrunde der besten vier Teams qualifiziert. «Es ist heikel, wenn ein Trainer sagt, dass er zufrieden ist. Bisher klappt es aber sehr gut», hält Sahli fest.

Im Schweizer Cup steht derweil die erste echte Bewährungsprobe auf dem Programm, sowohl für die erste als auch für die zweite Mannschaft. Am Mittwoch empfängt der LKZ II zunächst RW Thun zum Viertelfinal in der Zuger Sporthalle (19 Uhr). Ab 20.45 Uhr kommt es dann zum Duell zwischen dem LKZ und den Spono Eagles. «Das wird ein riesiger Fight», glaubt Sahli. «Spono wird heiss sein. Wir werden mindestens so heiss sein.»

Bei Spono sind Ljubas und Irman zurück

Die Spono Eagles befinden sich derweil in einer Stabilisierungsphase. Die schwache erste Saisonhälfte mit vielen Verletzten und Niederlagen führte zur Entlassung von Trainer Urs Mühle­thaler – lediglich ein halbes Jahr nach dem Gewinn des Doubles. Carlos Lima übernahm die vakante Stelle und gewann zum Abschluss des Wettkampfjahres 2018 mit seinem Team gegen Yellow Winterthur, ohne ein Training geleitet zu haben. Nun hat der 181-fache Schweizer Ex-Internationale die Winterpause genutzt, um «gewisse Dinge einzuführen», wie er sagt. Neben der Optimierung der Defensivarbeit will Lima ein unberechenbareres Angriffsspiel sehen. In Herzogenbuchsee am letzten Samstag kamen die Nottwilerinnen zu einem ungefährdeten 35:17-Erfolg. «Die Leistung war okay, doch wir haben noch viel Luft nach oben.»

Zugute kommt ihm, dass sich die personelle Situation allmählich entschärft. Zwar fehlten zuletzt Nadja Spaar (krank) und Sabrina Amrein (Rückenprellung nach Unfall), dafür kehrten mit Ivana Ljubas und Neli Irman die beiden ausländischen Leistungsträgerinnen zurück. «Sie bringen individuelle Qualität ins Team», sagt Lima. Auch Gianna Calchini steht wieder im Aufgebot. Ob dies ausreicht, um dem LK Zug am Mittwoch auf Augenhöhe zu begegnen, wird sich zeigen. «Ich spüre, dass zwischen diesen beiden Teams eine unheimliche Rivalität herrscht. Für mich persönlich spielt das keine Rolle. Ich sehe für dieses Spiel keinen Aussenseiter. Für uns wird es aber auf jeden Fall eine Standortbestimmung sein.»

Lima verpasst Cupfight wegen Weiterbildung

Carlos Lima selber wird dabei nicht an der Seitenlinie stehen. «Da ich meine A-Lizenz in Deutschland gemacht habe, muss ich für drei Tage an eine Trainerweiterbildung nach München. Sonst verfällt meine A-Lizenz», erklärt er. Für ihn wird sein Assistent Mirco Stadelmann das Coaching übernehmen.

Viertelfinals. Mittwoch: LK Zug II (SPL2) – Rotweiss Thun (19.00, Sporthalle). GC Amicitia Zürich – Yellow Winterthur (20.15). LK Zug – Spono Eagles (20.45, Sporthalle). – Bereits gespielt: Emmen (1. Liga) – Brühl St. Gallen 18:37 (7:16).


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