Martina Pavics Leben zwischen Handball-Harz und Make-up

REGIO-SPORT ⋅ Nächstes Wochenende beginnt in der SPL 1 die Finalrunde und damit der Kampf um den Playoff-Final. Mitfavorit LK Zug setzt auf die Qualität und Routine eines ehemaligen Vollprofis.

04. Februar 2019, 17:46

Stephan Santschi

«Sie kann Dinge, die andere nicht können. Sie erwischt Bälle, die andere nicht erwischen. Sie hat internationale Klasse.»

Sie, das ist Martina Pavic, die Kreisläuferin des LK Zug. Derjenige, der sie in den höchsten Tönen lobt, heisst Christoph Sahli und ist ihr Trainer. «Ihr Engagement ist als Statement an unser Team zu verstehen, dass unsere Ambitionen nicht nur aus Worten bestehen», erklärt er. Sahli will mit dem LKZ Titel gewinnen, daran liess er schon vor der Saison keine Zweifel offen. Im Cup scheiterte Zug im Viertelfinal an den Spono Eagles, dieser Pokal ist weg. Doch wenn am nächsten Samstag beim LC Brühl die Finalrunde beginnt und damit der Kampf um einen Platz im Playoff-Final fortgesetzt wird, rückt der Meistertitel ins Visier. Den will der aktuell zweitklassierte LKZ zum fünften Mal nach Zug holen.

«Meine Titel? Ich habe nicht mitgezählt»

Eine entscheidende Rolle soll dabei also Martina Pavic spielen. Seit dieser Saison spielt sie für den LK Zug, und bevor wir näher auf diesen Wechsel eingehen, lohnt sich ein Rückblick auf ihre bisherige Karriere. Pavic stammt aus der handballverrückten Stadt Bjelovar im Norden Kroatiens. «Meine Eltern, mein Bruder – bei uns haben alle Handball gespielt. Und ich wollte sowieso immer all das machen, was mein Bruder tat», erzählt sie mit einem Lächeln. Pavic spielte früh mit älteren Teamkolleginnen, wurde immer besser und zog die Aufmerksamkeit der Manager auf sich. «Mit 15 Jahren unterschrieb ich meinen ersten Profivertrag.»

Heute ist sie 30-jährig, nach den Anfängen in ihrer Heimat zog es sie ins Ausland. Pavic spielte in Norwegen, Serbien, Spanien und in der Türkei. Titel gewann sie reihenweise, wie viele es sind, weiss sie nicht mehr, «ich habe nicht mitgezählt, es ist einfach passiert». Zweimal stand sie im Final des international drittklassigen Challenge-Cups, einmal im Halbfinal des EHF-Cups. 80-mal lief sie für Kroatiens Nationalteam auf, der sechste Platz an der EM 2008 ist ihr bestes Ergebnis.

Neben den sportlichen Highlights lernte Martina Pavic auch die Schattenseiten eines Sportlerlebens fernab der Heimat kennen. «Ich war zwar in vielen Ländern, doch ich pendelte vor allem zwischen der Handballhalle und meiner Wohnung. Andere würden mein Leben wohl als langweilig umschreiben.» Viele Jahre habe sie ohne Familie gelebt, dafür aber viele Freunde kennen gelernt. «Es war hart. Und schön.»

Nicht vermissen wird sie mit Sicherheit die zuweilen austickenden Trainer, wie sie sagt. «Es gibt Typen, die schreien dich die ganze Zeit an und bestrafen dich.» Unschön in Erinnerung bleiben ihr auch die beiden Kreuzbandrisse, die Operationen nach sich zogen. «Ich bin eine beschädigte Spielerin, hatte immer wieder Verletzungen.» Doch das gehöre zum Job am Kreis eben dazu. «Es muss hart sein, ich mag es, zu kämpfen und einzustecken. Wenn ich einstecke, gebe ich noch mehr», erzählt sie und lachend fügt sie an: «Ich bin eher verrückt, während mein Bruder emotional ist. Wahrscheinlich sollte aus mir ein Mann und aus ihm eine Frau werden.»

Beim Fondue schwebt Martina Pavic im Himmel

Seit dieser Saison spielt sie nun also in der Schweiz und damit wieder in einem neuen Land, dem sechsten insgesamt. «Es war zu Beginn nicht einfach für mich. Die Schweizer sind wenig spontan, alles läuft nach dem Kalender. Ich musste mein Leben ändern», erzählt sie. Spätestens als sie Fondue und Raclette probiert habe, hätte sie sich als Käseliebhaberin aber wie im Himmel gefühlt, versichert sie.

Nicht mehr nur der harzige Handball ist jetzt Bestandteil ihres Berufsalltags, Martina Pavic arbeitet erstmals seit 15 Jahren auch neben dem Sport. In Zürich ist sie in einem Nagelstudio als Maniküre angestellt. «Das ist vielleicht überraschend, uns Handballerinnen kennt man vor allem in den Sportkleidern. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Make-up und High Heels.»

Nächste Saison zurück ins Profileben?

Auf dem Platz gefällt ihr der Mix aus Engagement und Lockerheit. «Meine Teamkolleginnen in Zug betrachten Handball als Hobby, sie lachen und geniessen es. Das habe ich so nicht gekannt. Es hilft mir, nicht mehr so viel Druck auf mich selber auszuüben.» Gewinnen wolle sie aber nach wie vor, nach einer Niederlage könne sie nächtelang nicht gut schlafen. «Das soll sich auch nicht ändern. So habe ich mit dem Handball begonnen und so will ich dereinst auch aufhören.» Die Titelambitionen des LK Zug entsprächen deshalb voll und ganz ihren eigenen Ansprüchen, betont sie. «Schliesslich habe ich bisher, ausser bei meinen kurzen Engagements in Norwegen und Spanien, stets den Titel gewonnen. In Zug wird nicht nur ein bisschen trainiert, hier hat man Ziele.»

Wie es nächste Saison weitergehen soll, weiss Martina Pavic indes noch nicht, ihr Vertrag beim LKZ läuft aus. «Alle Optionen sind offen», sagt sie – auch eine Rückkehr in das Leben als Vollprofi ist möglich. «Ich bin im besten Handballalter. Zu lernen gibt es nichts mehr, jetzt bringe ich nur noch meine Erfahrung und mein Können auf den Platz.»

Finalrunde, 1. Spieltag. Samstag: RW Thun – Spono Eagles (17.00). Brühl St. Gallen – LK Zug (17.30). – Rangliste: 1. Brühl St. Gallen 14/26. 2. LK Zug 14/24. 3. Rotweiss Thun 14/19. 4. Spono Eagles 14/15.

Modus: Finalrunde wird in einer Vierfachrunde ausgetragen (12 Spieltage). Die Top 2 spielen anschliessend im Playoff-Final (best of 3) um den Meistertitel.

Hinweis: Für die Schweizer Cupfinals der Frauen (13.30: Spono Eagles – Thun) und Männer in Gümligen BE vom 17. März 2019 ist Vorverkauf (ticketcorner.ch) eröffnet.


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