Gymnastik im Scheinwerferlicht eines Grossanlasses – die Geschwister Boog aus Büron

REGIO-SPORT ⋅ Die Disziplin Gymnastik zu zweit zieht die Zuschauer magisch in ihren Bann - auch am kommenden Donnerstag am Eidgenössischen Turnfest in Aarau. Die Geschwister Nicole (29) und Ivo Boog (26) aus Büron haben sich ganz dieser Sportart verschrieben – und das mit familiärem Support.

11. Juni 2019, 11:09

Theres Bühlmann

Theres Bühlmann

Theres Bühlmann

Elegant, dynamisch, ausdrucksstark – gepaart mit Synchronität, technischer Versiertheit und Musikalität, alles Komponenten, welche die Sportart Gymnastik zu zweit kennzeichnet. Zwei, die sich dieser Sportart verschieben haben und alle diese Eigenschaften beherrschen, sind Ivo (26) und Nicole Boog (29), ein Geschwisterpaar aus den Reihen des STV Büron. Sie starten in der Kategorie F2 (einteiliger Wettkampf ohne Handgeräte). Intensiv hat das Duo in den letzten Wochen an seiner Darbietung gefeilt, Standfehler ausgemerzt, noch mehr Spannung erzeugt, da und dort immer wieder Korrekturen angebracht. Nichts wurde dem Zufall überlassen, damit am Tag X auch alles wie geplant klappt.

Der Tag X ist der kommende Donnerstag, der Ort, das Stadion Schachen in Aarau. Es ist nicht irgendein sportliches Rendezvous, sondern das Fest aller Feste, das Eidgenössische Turnfest in Aarau. Neuland ist dieser Grossanlass für das Duo nicht, beide nahmen schon vor sechs Jahren mit dem STV Büron in Biel teil: Nicole Boog war in der Kleinfeldgymnastik involviert, ebenso ihr Bruder Ivo, der zusätzlich noch bei der Barrensektion mitmachte.

Dank Wechsel mehr individuelles Training

Im letzten Jahr wechselten beide zur Gymnastik zu zweit. Nicht zuletzt deshalb, weil für die Gymnastik Gross- und Kleinfeld mit dem Verein neben ihrem Beruf nicht mehr genügend Zeit zu Verfügung stand. Nicole führt einen eigenen Coiffeursalon in Luzern, Ivo ist in Sursee als Bauleiter tätig, beide sind in Sursee wohnhaft. «Nun können wir das Training besser auf unsere Zeitpläne und persönlichen Bedürfnisse abstimmen», sagte Nicole Boog, der auch ihre Grundausbildung als Geräteturnerin zugutekommt.

Ihre Feuertaufe mit der Gymnastik zu zweit erlebten sie beim Verbandsturnfest im Juni 2018 in Hochdorf, wo sie sich Platz 3 holten. Gewonnen wurde diese Disziplin von Carmen und Valérie Boog – ihren beiden Schwestern. Dieses Duo, übrigens Zwillinge, konnte auch schon auf nationaler Ebene Lorbeeren ernten. 2017 holten sie sich an den Schweizer Meisterschaften in Bad Ragaz in der Kategorie F2 Bronze, beide fungieren als Trainer für ihre Geschwister ­Nicole und Ivo. Ihren geschulten Augen entgeht nichts, «etwas mehr Spannung», fordert Carmen, «ja, schön, der mittlere Teil ist jetzt viel besser», lobt Valerie. Carmen und Valérie Boog sind für das Eidgenössische in der Disziplin Gymnastik zu zweit ebenfalls gemeldet, sie müssen aber auf einen Start verzichten: Carmen ist verletzt und Valérie wurde im April Mutter von Töchterchen Naomi.

Geschichten musikalisch und tänzerisch umsetzen

Bei der Gymnastik zu zweit werden nicht einfach nur Elemente aneinandergereiht, sondern Geschichten erzählt. Bei Nicole und Ivo ist es die eines Paares. Frisch verliebt verläuft alles in Eintracht, dann schleichen sich atmosphärische Störungen ein: Streit, das Paar lebt sich auseinander, doch es gibt ein Happy End. All dies wird von den beiden tänzerisch und gymnastisch mit viel Kreativität umgesetzt, Stimmung aufbauen, Stimmung erzeugen, das gelingt dem Duo vorzüglich.

Sich mit dem Raum auseinandersetzten, denn auch die Choreografie ist ein Teil der Notengebung. Vorgeschrieben sind unter anderem Pflichtelemente wie Schrittkombinationen, Pirouetten, Gleichgewichtsübungen und Sprünge. Alles muss auf die Musik abgestimmt sein, in Harmonie mit den Bewegungen, vom Auftakt bis zur Schlusspose. Konzentration während 3:11 Minuten ist gefragt, so lange dauert die Vorführung der Boog-Geschwister.

Um den Turnfestsieg in Aarau können die beiden nicht mitreden, der ist in dieser Disziplin der höchsten Kategorie E2 vorbehalten, bei denen die Akteure zwei Vorführungen zeigen müssen. Zwei verschiedene Darbietungen zu präsentieren, hätte dem Büroner Geschwisterpaar den zeitlichen Rahmen schlicht und einfach gesprengt. Wer beim ETF nicht auf höchster Ebene turnt, kämpft um Ränge und Siege in den jeweiligen Kategorien. «Wir möchten schon gerne eine Note über 9 holen», gab Ivo Boog zu Protokoll. Zum Vergleich: In Hochdorf resultierte für das Paar die Punktezahl von 9,33. Nicole Boog ist vor den Einsätzen jeweils sehr nervös, «ich hypere jeweils förmlich. Ich muss dann in mich gehen, um meine Mitte zu finden.» Ivo Boog, der ab und zu auf seinem 1300er- Motorrad durch die Gegend braust, ist einer der wenigen Männer, die in der Kategorie Gymnastik an den Start gehen, und muss nicht mit Vorurteilen kämpfen. «Dass ich in dieser Disziplin mitmache, ist für meinen Kollegenkreis zur Selbstverständlichkeit geworden.»

Einen Talisman in der Turntasche gibt es für beide nicht. «Unser Glücksbringer ist unsere Familie», sagt Nicole Boog. Und diese wird am Donnerstag alle Daumen drücken …

Hinweis: Nicole und Ivo Boog zeigen ihre Vorführung am kommenden Donnerstag, 13. Juni, ab 15.30 Uhr im Gymnastikzelt im Aarauer Schachen.


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