«Fussball war gute Lebensschule»

REGIO-SPORT ⋅ Der 58-jährige Urs Buob verfügt über viel Lebenserfahrung. Von seinen Erkenntnissen profitiert auch der Drittligist FC Baar.

10. Mai 2019, 05:09

Martin Mühlebach

Als Urs Buob im Jahr 2011 beim FC Baar zum Chef der Technischen Kommission (TK) berufen wurde, gingen er und seine Vorstandkollegen unter dem führungsstarken Präsidenten Martin Pulver als erstes daran, den Verein mit über 600 Mitgliedern – davon rund 140 Frauen – neu zu strukturieren. Buob erzählt: «Bei meinem Amtsantritt hatte ich neben den Belangen der Junioren- und Frauenabteilung auch den Spielbetrieb und die Schiedsrichter in meinem Portfolio.

Der für diese Freiwilligenarbeit benötigte Aufwand betrug anfänglich rund zwei Arbeitstage pro Woche.» Dank klaren Strukturen und vor allem grosser Unterstützung durch die Koordinatoren Claudio Cennamo und Arsim Memeti und der Geschäftsstelle hat sich sein Aufwand für die Tätigkeit als TK-Chef heute auf einen halben Tag pro Woche verringert.

Nachwuchsarbeit zahlt sich aus

Nach der gelungenen Neustrukturierung liege seine Hauptaufgabe heute im Juniorenbereich, in dem die Trainerausbildung und eine einheitliche Trainings- und Spielphilosophie einen hohen Stellenwert einnehme. «Unser Anliegen ist es, dass die 400 im FC Baar Fussball spielenden Junioren und Juniorinnen von kompetenten Leuten stufengerecht trainiert werden – ein ambitiöses Ziel für einen so grossen Verein im Breitensport, wo gemäss dem Motto ‹cool and clean› auch soziale Komponenten wie Erziehung und Integration zum Tragen kommen.» Von der Neuausrichtung profitiert nicht zuletzt auch die 1. Mannschaft des FC Baar, die zurzeit in der Gruppe 1 der Drittliga auf dem 2. Tabellenplatz liegt, der am Ende der Saison zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur regionalen 2. Liga berechtigen würde. Urs Buob erwähnt gerne: «In den bisherigen sieben Rückrundenspielen hat unser Fanionteam 23 Tore geschossen, 19 davon haben ehemalige eigene Junioren erzielt. Zudem stehen derzeit 13 ehemalige Baarer Junioren im Kader der 1. Mannschaft.» Ein Aufstieg in die 2. Liga wäre wünschenswert, um dem eigenen Nachwuchs eine attraktivere fussballerische Perspektive bieten zu können, schiebt Buob nach.

Sportlich und beruflich erfolgreich

Der TK-Chef des FC Baar, der als Junior beim FC Willisau spielte, wo er den Sprung in die 1. Mannschaft schaffte, ehe er zum Erstligisten Burgdorf wechselte, betont: «Der Fussball hat mir viel gegeben, er war für mich eine gute Lebensschule.» Dass dies keine leere Floskel ist, beweisen der private und berufliche Werdegang von Urs Buob. Der gelernte Sekundarlehrer unterrichtete während vier Jahren. Danach war er während elf Jahren im Marketing einer Bank tätig – unter anderem in China. Seit 2006 ist er der Inhaber und Geschäftsführer von Malabar, einem Wohneinrichtungsgeschäft mit einem fernöstlichen Touch.

Der mit der gebürtigen Inderin Cecilia verheiratete Urs Buob ist stolzer Vater von Sohn Dario (20), der die Juniorentorhüter des FC Baar trainiert und von Tochter Nalani (18), die als Rollstuhlsportlerin für Furore sorgt. Urs Buob erzählt: «Nalani ist weltweit die Nummer 1 im Rollstuhltennis der Juniorinnen. Ihr Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Um sich ganz auf diesen Event fokussieren zu können, hat sie die angefangene KV-Lehre bei Vinto unterbrochen.»

Im Alter von 14 Jahren habe Nalani gesagt, sie wolle in fünf Jahren in der Lage sein, über den Sport, Kinder in Indien zu unterstützen. Heute organisiert sie in der Heimat ihrer Mutter Tenniscamps für Kinder im Rollstuhl und sammelt Geld, um die nötigen Sportrollstühle und Coaches bezahlen zu können. Urs Buob sagt: «Bis vor einem halben Jahr verbrachte ich viel Zeit mit meiner Tochter. Heute leistet ihr meine Frau mehr Support als ich. Und Cecilia, die eine ausgezeichnete Köchin und Gastgeberin ist, sorgt auch dafür, dass am Tisch nicht nur über Sport gefachsimpelt wird. «Meine Frau und ich sind Fans unserer Kinder. Sie meistern ihr Leben selbst, was aufzeigt, wie wertvoll Sport für die Entwicklung junger Leute sein kann.»


Login


 

Leserkommentare