Der Stanser Handball-Traum vom Aufstieg in die höchste Liga

REGIO-SPORT ⋅ Die Frauen des BSV Stans eröffnen mit dem Heimspiel gegen GC Amicitia Zürich die Auf-/Abstiegsrunde SPL1/SPL2. Das Ziel ist die Rückkehr in die höchste Liga – wenn auch nicht bedingungslos.

08. Februar 2019, 05:10

Stephan Santschi

Letzte Saison kämpften die Stanserinnen gegen den Abstieg in die 1. Liga, jetzt lockt der Aufstieg in die SPL 1. Am Samstag starten sie nämlich zu Hause gegen GC Amicitia Zürich (19.30 Uhr, Eichli) in die Auf-/Abstiegsrunde SPL 1/SPL2. Zusammengesetzt wird das Teilnehmerfeld aus den vier schlechtesten Teams der SPL1 (GC Amicitia, Yellow Winterthur, Herzogenbuchsee, Leimental) sowie den zwei Besten der SPL2 – Kreuzlingen und Stans. Nach einer Doppelrunde mit 10 Partien stehen die Top 4 nächste Saison im Oberhaus, der Rest in der SPL2. Die Stanserinnen müssen für die Promotion also mindestens Platz vier erreichen und damit im Minimum einen Oberklassigen hinter sich lassen.

So viel zum Wettkampfmodus. Wie aber stehen die Aussichten, dass die Nidwaldnerinnen nach dem Abstieg im Jahr 2017 in die höchste Liga des Landes zurückkehren? «Es wird schwierig», sagt Trainer Vicente «Ike» Cotrina Cabal. «Aber ich habe schon im letzten August gesagt, dass wir träumen müssen. Damit sollten wir jetzt nicht aufhören.» Sein Team hatte einen schwierigen Saisonstart, steigerte sich aber kontinuierlich und schaffte letztlich souverän den Einzug in die Aufstiegsspiele. Ein klares Bekenntnis zur SPL1 gebe es in seinem Team zwar nicht, «die meisten aber sind sich einig: Wir wollen es versuchen.»

GC Amicitia Zürich verpasst Cupfinal knapp

Für Cotrina Cabal sind Lippenbekenntnisse ohnehin nicht der Rede wert, vielmehr wolle er sehen, was seine Spielerinnen auf dem Platz zu leisten im Stande sind. Gegen GC Amicitia ist Stans der Aussenseiter, die Zürcherinnen beendeten die Hauptrunde der SPL1 auf Platz fünf und stellen damit auf dem Papier das stärkste Team dieser Auf-/Abstiegspoule. Ihnen gelang Ende Oktober in Nottwil sogar ein Sieg gegen den damals kriselnden Titelverteidiger Spono Eagles, am letzten Wochenende verloren sie zudem den Cup-Halbfinal gegen RW Thun nur mit einem Tor Differenz (22:23). «Zürich hat starke Individualistinnen. Wenn wir gute Arbeit im Kollektiv zeigen, könnten wir aber durchaus gewinnen», hofft Cotrina Cabal.

Der 36-jährige Spanier kam dabei mit einem reich bepackten Rucksack zurück an die Seitenlinie der Stanserinnen. Bekanntlich amtete er an den jüngsten Weltmeisterschaften als Assistenztrainer Chiles und erreichte mit Rang 16 die beste Klassierung in der Verbandsgeschichte der Südamerikaner. Der Chefcoach der Chilenen war dabei kein Geringerer als der sechsfache Champions-League-Sieger Mateo Garralda. Am letzten Mittwoch machte Cotrina Cabal zudem einen Abstecher nach Mannheim, um sich die Rhein-Neckar Löwen mit dem Luzerner Superstar Andy Schmid gegen Vardar Skopje (27:30) in der Königsklasse anzuschauen. Sein Fazit: «Schmid war gut, aber die Löwen eine Katastrophe.»

Cotrina Cabal besitzt nun höchste Trainerlizenz

Nach der Partie tauschte er sich mit Vardar-Trainer Roberto Garcia Parrondo aus. «In der zweiten Halbzeit gab es Situationen, in denen er beim Wechsel von Angriff auf Abwehr gleich drei Spieler austauschte. Das ist auf Topniveau ja nicht normal. Ich fragte ihn, wie er das organisiert.» Cotrina Cabal, einst Assistenztrainer beim spanischen Männer-Erstligisten Guadalajara und seit kurzem Inhaber der höchsten Trainerlizenz (EHF Master Coach), reist immer wieder in die grossen Handballarenen, um sich weiterzubilden und sein Netzwerk zu pflegen. «Im Handball», sagt er, «gibt es immer wieder etwas Neues.»

Wie aber kann er die Erfahrungen aus Weltmeisterschaften oder Champions-League-Spielen in seinen Trainingsalltag beim BSV Stans einbringen? «Klar ist der Unterschied zur SPL2 sehr gross», weiss Cotrina Cabal. Die eigene Spielidee anhand internationaler Vorbilder weiterzuentwickeln, funktioniere aber durchaus. «Im Angriff möchte ich mit Stans viel Platz für 1:1-Situationen schaffen, wie es beispielsweise Mazedonien an der WM vorgemacht hat», erklärt er.

Wie die Umsetzung der Theorie in die Praxis vonstattengeht, kann am Samstag beobachtet werden – beim Start der Stanser Aufstiegsmission gegen GC Amicitia Zürich.

Hinweis

Handball, Frauen. Auf-/Abstiegsrunde SPL1/SPL2. Samstag: BSV Stans – GC Amicitia Zürich (19.30, Eichli-Halle).


Login


 

Leserkommentare