Abschied eines 1.-Liga-Dinos: Buochs steigt zum dritten Mal in die 2. Liga inter ab

REGIO SPORT ⋅ Der SC Buochs steigt aus der 1. Liga in die 2. Liga inter ab. Der Umbruch wird von einem neuen Trainer moderiert.

15. Mai 2022, 20:17

Stephan Santschi

«Wir mussten damit rechnen, der Abstieg kommt nicht aus heiterem Himmel. Wenn er besiegelt ist, ist die Enttäuschung aber schon gross.» Daniel Gasser, Co-Präsident beim SC Buochs, bedauert die Relegation aus der 1. Liga, die bereits am vorletzten Wochenende unumstösslich geworden ist. Die Nidwaldner steigen nach 2006 und 2011 zum dritten Mal in die 2. Liga inter ab. Der Misserfolg schmerze auch mit Blick auf die Tradition, sagt Gasser, «gefühlt befinden wir uns seit 50 Jahren in der 1. Liga». Mit 1112 absolvierten Partien steht der SCB in der ewigen 1.-Liga-Rangliste auf Platz zehn.

In einer anderen Tabelle belegt er sogar unangefochten Rang eins, und zwar in der U21-Trophy. Keine Equipe gewährt Nachwuchsspielern in dieser 1.-Liga-Saison mehr Spielzeit als Buochs. Hier liegt denn auch einer der zentralen Gründe für das Scheitern: Das Team ist zu jung, ihm mangelt es an Routiniers, das Kader ist unausgewogen zusammengestellt.

«Uns gelang es nicht, ein schlagkräftiges Team zu bilden»,

bemerkt Gasser, «in der Zentralschweiz ist es aber auch schwierig, gute Spieler zu finden». Erst recht, wenn man wie der SCB seit zwei Jahren keinen Sportchef hat.

Sandro Marini wird Buochs-Trainer

Nicht alle Probleme sind hausgemacht, die Verletzungshexe frequentierte das Buochser Seefeld zuweilen etwas gar hart­näckig – Captain Jérôme Bühler fällt zum Beispiel seit November aus. Mitte März musste Goalie Fabio Zizzi am Flügel aushelfen, derart ausgedünnt war das Aufgebot. Generell mangelt es der Auswahl an defensiver Stabilität und offensiver Durchschlagskraft. Seit dem Abgang von Patrik Gjidoda fehlt ein Torgarant, auch der Rücktritt von Spielmacher Christophe Lambert wiegt schwer. Beide verliessen den Verein vor zwei Jahren, seither zeigte die Tendenz Richtung Abstieg.

Die aktuellen Spieler hinterlassen nicht immer den Eindruck, an die Grenzen zu gehen, auch die Trainingspräsenz ist ausbaufähig. «Nicht in jedem Spiel war spürbar, dass wir im Kollektiv unbedingt gewinnen wollen», erklärt Gasser und nimmt auch Trainer Marco Spiess in die Pflicht:

«Taktisch und fussballerisch werfen wir ihm nichts vor. Er schaffte es aber nicht immer, eine funktionierende Einheit auf den Platz zu bringen.»

Spiess wird Buochs nach zwei Jahren verlassen, die Nachfolge ist geregelt: Sandro Marini, bis letzten Herbst Trainer des SC Goldau, übernimmt im Sommer.

Freier Fall oder Umbruch als Chance?

Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass einige Spieler wegziehen werden. «Es wird einen Umbruch geben. Das ist gefährlich, kann für uns aber auch eine Chance sein», sagt Gasser, der mit Co-Präsident Heinz Fischer an der Mannschaft der Zukunft bastelt. Ziel sei es, mehr Eigengewächse einzubauen, trotz vieler junger Akteure spielte der eigene Nachwuchs kaum eine Rolle. Akteure wie Nil Niederberger, Nico Fischer oder Nico Wyss sollen in der kommenden Spielzeit mehr Verantwortung übernehmen.

Ob der 1.-Liga-Dinosaurier in sein angestammtes Revier zurückkehren wird, ist fraglich, den sofortigen Wiederaufstieg bezeichnet Gasser jedenfalls als unrealistisch.

«Wir möchten in der 2. Liga inter eine schlagkräftige Truppe, die vorne mitspielen kann. Mittelfristig ist der Wiederaufstieg jedoch schon ein Thema.»

Vorerst will man die laufende Spielzeit anständig zu Ende bringen. «Wir haben an die Ehre der Spieler appelliert.» Am Samstag im Kellerkampf gegen Zug folgte indes der nächste Rückschlag – 1:4-Niederlage. Der letzte Schlussrang ist damit praktisch Tatsache.


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