Neue Impulse für Linda Indergand dank dem Papa

SPORT ⋅ Die Urner Mountainbikerin Linda Indergand will nach einem schwachen Jahr wieder einen Schritt vorwärts machen – mit ihrem Vater als Trainer.

16. Mai 2019, 05:09

Rainer Sommerhalder

Auf die Familie kann man sich verlassen. Vor allem, wenn es im Leben nicht nach Wunsch läuft. Linda Indergand hat sich diese Binsenwahrheit auf die Fahne geschrieben. Nach einer durchzo­genen letzten Saison, in welcher man vergeblich auf den nächsten Schritt hin zur absoluten Weltspitze wartete, vertraut die 25-Jährige neu und erstmals auf den eigenen Vater als Trainer.

Welch grosses Potenzial in der kraftvollen und angriffigen jungen Innerschweizerin schlummert, wurde einer breiten Öffentlichkeit 2016 anlässlich der Olympischen Spiele in Rio vor Augen geführt. In ihrem ersten Jahr bei der Elite übernahm sie im wichtigsten Rennen der Saison gleich einmal das Zepter und fuhr dem Feld mit allen Favoritinnen davon. Zwei Runden lang lag Linda Indergand alleine an der Spitze. Am Ende wurde ihr mutiger Auftritt mit Platz acht und einem Olympischen Diplom belohnt.

Erster Weltcupsieg schien eine Frage der Zeit

Auch im Weltcup schaffte es die damals 22-Jährige auf Anhieb aufs Podest. Und an der WM gewann sie gar den Titel im Eliminator-Rennen. 2017 folgten die Bestätigung und eine weitere Steigerung in der Konstanz mit einem starken 5. Platz im Gesamtweltcup. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis Linda Indergand ihren ersten Weltcupsieg feiern kann.

Doch im vergangenen Jahr geriet der Weg der ehemaligen Juniorenweltmeisterin nach ganz oben ins Stocken. Ein Podestrang im Weltcup oder gar an der Heim-WM in Lenzerheide lag in weiter Ferne. Die nicht erreichten Ziele boten genügend Grund, um die Betreuungssituation zu überdenken. Indergand beendete die Zusammenarbeit mit Matthias Beck, während fünf Jahren ihr Trainer und gleichzeitig auch Teamchef. Letzteres ist der Deutsche in einem neu formierten Team auch in dieser Saison, die Verantwortung für das Training hat Indergand aber ihrem Vater Sepp anvertraut.

Die Zeitsoldatin Spitzensport aus Silenen sieht mehrere Vorteile bei der neuen Lösung. «Er kennt mich sehr gut, und er sieht mich oft. So ist es einfacher, das Training zu steuern», sagt sie. Inhaltlich hat die neue Familien-Zweckgemeinschaft versucht, einige neue Reize zu setzen. Indergand hat in Vorbereitung öfters längere Intervall-Einheiten eingestreut. Die gelernte Kauffrau verspricht sich eine Verbesserung ihrer Bergauf-Fähigkeiten. Grundsätzlich will sie punkto Training aber auf dem eingeschlagenen Weg bleiben. Mit regelmässigen Top-5-Plätzen im Weltcup und dem Gewinn einer Medaille an der WM in Kanada setzt sich Indergand traditionell hohe Ziele.

Für den Weltcupstart am Sonntag in Albstadt fühlt sich die Urnerin, die auch auf der Strasse zur nationalen Spitze gehört, bereit. Das Wintertraining verlief sehr zufriedenstellend, die Umstellung auf ihr neues Bike ist geglückt. Indergand macht es Spass, dass sie bei der tschechischen Marke Superior auch mitreden kann, wenn es um die Entwicklung der Rennbikes geht.

Nichts ändern will Indergand an ihrer offensiven Einstellung. Das Rennen von der Spitze aus zu gestalten, entspricht ihrem Naturell. «Ich gebe stets Vollgas.» Ihre bisherigen Resultate im Frühjahr seien deshalb nicht relevant, «weil ich noch nie erholt am Start gestanden bin».

Selektionsstress mit entspanntem Gefühl

Sie will sich auch von der in Albstadt startenden Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele in Tokio nicht aus dem Konzept bringen lassen. «Ich habe das Erlebnis Olympia bereits erlebt und erst noch ein Diplom in der Tasche. Ich kann den ganzen Selektionsstress mit einem entspannteren Gefühl angehen. Und ich bin nicht eine Athletin, die alle Karten auf ein einziges Rennen setzt.»

Wer daraus folgert, dass Linda Indergand zu wenig Ehrgeiz an den Tag legt, täuscht sich. «Ich will mich nicht auf Lorbeeren ausruhen», sagt sie. Das gilt auch für ihre Ambitionen in Richtung Olympische Spiele.


Login


 

Leserkommentare