Ex-Academy-Trainer Jason O'Leary holt auch in Deutschland aus wenig viel heraus

SPORT ⋅ Jason O’Leary, der ehemalige Trainer der EVZ-Academy, kämpft nun mit den Iserlohn Roosters in Deutschland gegen den letzten Rang - und schwärmt von seiner Zeit in Zug.

20. Januar 2020, 17:19

Leroy Ryser

Fast 650 Kilometer und eine Landesgrenze liegen zwischen Zug und Iserlohn – und damit auch ganz viele Unterschiede. Dennoch gibt es Tatsachen, die diese Städte einen: Beide Städte sind regionale Zentren, beide haben ein Eishockeyteam und in beiden Städten hat Jason O’Leary (41) Spuren hinterlassen.

Während O’Leary in Zug letzte Saison überraschend mit der Academy einen Play-off-Platz erreicht hat, ist er nun Hoffnungsträger in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Zwar liegen O’Learys «Roosters» deutlich hinter einem Playoff-Platz, dennoch heimst der Kanadier viel Lob für seine Arbeit ein. Denn vom Budget her sollten die Iserlohn Roosters mit ihrem bescheidenen Kader noch weit chancenloser sein. Doch das Team aus der 92000-Einwohner-Stadt südöstlich von Dortmund kämpft verbissen um den Anschluss.

Als Trainer besser geworden

«Es ist eine grosse Herausforderung, aus weniger Möglichkeiten viel zu machen», sagt O’Leary. Die Unterschiede zu den Top-Teams seien immens und keineswegs vergleichbar mit den Begebenheiten in der Schweiz: «Rapperswil oder Ambri sind ständig fähig, Top-Teams zu schlagen. Wenn wir gegen Top-Teams spielen, dann können die innert Kürze jedes Spiel drehen.» Gerade deshalb sei seine Arbeit «anders». Neben den gewöhnlichen Arbeiten nimmt er hier auch andere, für einen DEL-Trainer untypische Aufgaben an, weil letztlich Personal fehlt. «Einerseits wird natürlich das Scouting wichtiger, weil wir für die Spieler weniger aufwenden können. Andererseits ist meine Hilfe auch bei anderen Dingen wie privaten Problemen der Spieler gefragt.» Wie schon in Zug muss er sich deshalb mit weniger Möglichkeiten gegen die ganz grossen der Liga wappnen – obwohl die Nachwuchsarbeit nicht im Fokus steht.

Gerade dies mache ihn aber auch zu einem besseren Trainer, entsprechend sei er froh hier zu sein, sagt O’Leary: «Ich mache Fortschritte, die mir in meiner Karriere weiterhelfen.» Ausserdem schätze er die Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Jim Midgley und Torhütertrainer Anders Palm – beide weit gereist und erfahren. Von ihnen könne er viel lernen. «Auch wenn es ein schwieriges Jahr ist, hat es mich als Trainer besser gemacht.» Dereinst soll ihm dies in seiner Karriere helfen. Wo ihn diese hinführt, ist aber noch unklar, so O’Leary: «Eine Rückkehr in die Schweiz wäre durchaus ein Ziel, aktuell ist aber vieles offen.» Der wohl grösste Vorteil einer Rückkehr in die Schweiz sei indes, dass seine beiden Söhne weiterhin in Bleienbach (BE) wohnen, diese vermisse er am meisten. In Iserlohn sei er zumeist alleine, Abwechslung von der alltäglichen Arbeit biete nur sein Hund. «Ich komme aber täglich gerne zur Arbeit», betont er.

Gute Erinnerungen an die EVZ-Organisation

Klar sei, dass er Zug und die Schweiz durchaus vermisse, hier habe er Freundschaften fürs Leben geschlossen, die er auch gerne am Leben erhält. «Ich spreche immer mal wieder mit Spielern oder Kollegen aus der Schweiz», sagt O’Leary und lobt prompt die ganze EVZ-Organisation. «In Zug gab es herausragende Grundlagen, um gute Arbeit zu leisten. Dass zahlreiche Trainer vor Ort waren, habe ich geschätzt, zudem überzeugte mich auch der Einsatz von Personen wie Reto Kläy, Patrick Lengwiler oder Hans-Peter Strebel», sagt O’Leary. In Iserlohn sei es schwierig, eine ähnliche Kultur aufzubauen, weil der Verein sich zuletzt ans Verlieren gewöhnt hat.

Dass es in der DEL ab der nächsten Saison wieder einen Absteiger geben wird, dürfte der Liga guttun, Iserlohn aber in Bedrängnis bringen. «Ich habe gelernt, dass es Geduld braucht, etwas zu etablieren. Das nehme ich auf meinen Weg mit», sagt O’Leary. Wohin ihn dieser nach seinen Engagements in Österreich und der Schweiz bringt, steht noch in den Sternen. Die NHL sei weiterhin ein grosses Ziel. Um dieses zu erreichen, braucht es aber auch viel Glück. Immerhin eines beweist O’Leary auch in Deutschland: Aus wenig kann er als engagierter Trainer viel herausholen.


Login


 

Leserkommentare