notifications
Eingesandt:  Leserbrief

Stimme abseits des Säbelrasselns

Zum Artikel «Ukraine: Volksmehrheit für Verhandeln und Kompromiss»

Es ist erfreulich, dass es Meinungen abseits der allgemeinen Kriegsrhetorik zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in die Presse schaffen. Eine solche Meinung hat Hugo Triner kürzlich im «Boten» veröffentlicht. Es ist eine prominente Aufgabe politischer Entscheidungsträger (Bundesrat, EU-Kommission und -Rat), das Wohl ihrer Länder zu fördern und Schaden von ihnen abzuwenden. Dieser Leserbrief bezieht sich auf die Schadensabwendung mittels der einfachen Regel, sich nicht in fremde Händel einzumischen. In Sachen Ukraine hat sich der Bundesrat an diese Maxime zu halten versucht, ganz im Gegensatz zur Spitze der EU und der Nato, die sich nicht zurückhalten mit Kriegsrhetorik und Waffenlieferungen. Vor Kurzem wurde unsere Freiheit noch am Hindukusch verteidigt, wie man so schön sagte. Der Rauswurf der Militärallianz aus Afghanistan und das dort seit geraumer Zeit herrschende Chaos sollten noch nicht vergessen sein. Unsere Freiheit sollte auch im Irak, im Balkan, in Libyen und letzthin in Schwarzafrika verteidigt werden. Überall haben die militärischen Interventionen in Zerstörung, Tod und Chaos geendet, ohne irgendwo Fortschritt und Freiheit zu bringen oder auch ohne im Westen für mehr Sicherheit zu sorgen. Dass nun gerade in der Ukraine, einem der korruptesten Länder Europas (Transparency International), gerade wieder unsere Freiheit infrage steht, scheint doch eher unglaubwürdig. Unglaubwürdig ist auch die militärische Bedrohung Europas durch Russland, wenn man weiss, dass nur schon die europäischen Nato-Staaten ein zum Vergleich mit Russland Vielfaches an Rüstungsausgaben tätigen. Um der durch Putins Angriffskrieg entstandenen Zerstörung ein Ende zu setzen, bleibt doch wohl realpolitisch nur Verhandlung und Kompromiss, wie das im oben genannten Artikel vorgeschlagen wurde.