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Eingesandt:  Leserbrief

Ein Schuss ins eigene Bein

Zur Abstimmung über die Renteninitiative

Die vermeintliche Lösung der Bürgerlichen und Freisinnigen klingt verlockend einfach: Wenn wir immer länger leben, müssen wir länger arbeiten, dann geht das mit der Rente auf.

Doch die einfache Lösung ist häufig nicht die beste – so auch hier. Es gibt klare Argumente dagegen, wie: «Wer stellt die älteren Arbeitnehmenden überhaupt ein» und «Was ist mit deren Gesundheit bei körperlich anspruchsvollen Arbeiten?» Zudem sorgt die Vorlage für weitere Privilegien. Vermögende werden sich die Frühpensionierung nämlich leisten können, während alle bis und mit Mittelstand länger schuften müssen. Doch es gibt noch einen wichtigen gesellschaftlichen Aspekt: die Freiwilligenarbeit.

Die Altersgruppe der 60-75-Jährigen ist nämlich jene Altersgruppe, die sich gemäss dem Freiwilligen Monitor Schweiz am häufigsten freiwillig engagiert. Das BFS bezifferte die freiwillig geleisteten Stunden von Pensionierten im Jahr 2020 auf 619 Millionen Stunden. Das geht von Mahlzeitendiensten bis zu Engagements in diversen Vereinen.

Besonders kurzsichtig wirkt die Initiative, wenn man den Aspekt der Kinderbetreuung hinzuzieht. Wie viele junge Eltern können ihrer Arbeit zumindest Teilzeit nachgehen, weil die Grosseltern auf ihre Enkelkinder aufpassen? Laut einer Erhebung des Bundes werden mehr Kinder durch ihre Grosseltern als durch Einrichtungen der Kinderbetreuung betreut.

Was passiert, wenn diesen Grosseltern die Zeit oder Energie hierzu fehlt? Wer passt dann auf die Kinder auf? Oder wer ersetzt die wegfallenden Teilzeitarbeitenden? Bezahlbare Kitas schiessen in der Schweiz bekanntlich nicht wie Pilze aus dem Boden. Nein, die Renteninitiative hilft uns nicht weiter, sie ist ein Schuss ins eigene Bein – für die Menschen und die Wirtschaft. Ich stimme deshalb Nein und bitte Sie, es mir gleichzutun.

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