Zuger Gesundheitsdirektor: «Personen aus gefährdeten Gruppen werden immer noch prioritär geimpft»

ZUG ⋅ Seit Ende April werden Personen über 45 Jahren geimpft. Jenen, die sehnlichst auf ihre Impfung warten, dauert die Terminvergabe teils zu lange. Gesundheitsdirektor Martin Pfister nimmt Stellung.

04. Mai 2021, 19:11

Linda Leuenberger

Herr Pfister, kürzlich informierte die Gesundheitsdirektion, dass im Kanton Zug die über 45-Jährigen Impftermine kriegen. Nun macht sich Unmut breit, weil das nicht so schnell geht wie erhofft. Trödelt der Kanton Zug?

Martin Pfister: Davon kann nicht die Rede sein. Der Kanton Zug verimpft die ihm zur Verfügung stehenden Impfdosen so schnell wie möglich. Letzte Woche wurden, wie angekündigt, die ersten Personen über 45 Jahren mit der ersten Dosis geimpft. Pro Tag werden im Impfzentrum 700 Impfungen vorgenommen. Es gilt zu bedenken, dass es sich bei den 45- bis 64-Jährigen um eine sehr grosse Bevölkerungsgruppe handelt. Es wird voraussichtlich noch einige Wochen dauern, bis alle Impfwilligen einen Termin erhalten.

Gerüchten zufolge sind aber weder die über 65-Jährigen noch das Gesundheitspersonal durchgeimpft.

Es trifft sicher zu, dass in diesen Gruppen nicht alle geimpft sind – das ist auch kaum zu erreichen. Das Impfen bleibt freiwillig. Es melden sich immer noch laufend Personen aus diesen Gruppen an. Aktuell wurden mehr als 60 Prozent der über 65-Jährigen mindestens einmal geimpft.

Können sich solche Personen, deren Impfgruppe schon dran war, trotzdem noch zeitnah impfen lassen?

Ja. Personen aus den genannten Gruppen oder solche mit chronischen Erkrankungen werden immer noch priorisiert behandelt. Meldet sich beispielsweise eine 75-jährige Person erst jetzt an, erhält diese schneller einen Termin als eine 60-jährige Person, die sich bereits vor einigen Wochen angemeldet hat. Innerhalb der Impfgruppen werden die Termine aber nach Anmeldedatum vergeben.

Was ist mit dem sogenannten Impftourismus? Nehmen Leute von ausserhalb des Kantons Zug den Zugerinnen und Zugern Impftermine weg?

Nein. Die Gesundheitsdirektion kontrolliert seit Januar, dass nur im Kanton Zug wohnhafte Personen auch in Zug impfen können. Die einzige Ausnahme bilden Personen von ausserhalb, die hier im Gesundheitswesen arbeiten.

Viele warten sehnlichst auf einen Impftermin. Warum ist man so zurückhaltend mit der Terminvergabe?

Wir sind nicht zurückhaltend, müssen aber die Termine sorgfältig planen. In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Lieferverzögerungen gekommen. Schon wenige Tage bringen die ganze Planung durcheinander. Wir wollen verhindern, dass wir deswegen Termine absagen müssen. Darum können wir sie nicht zu weit im Voraus vergeben.

Wie viel Planungssicherheit kann die Gesundheitsdirektion der Bevölkerung unter diesen Umständen bieten?

Jede Person, der die Erstdosis verabreicht wurde, erhält auch einen Termin für die zweite Dosis. Das stellen wir sicher. Zudem informieren wir die angemeldeten Personen jeweils zehn Tage im Voraus über das Datum ihres Impftermins. Die erhöhten Liefermengen der kommenden Wochen ermöglichen, dass alle Zugerinnen und Zuger über 45 Jahren bis Ende Juni mindestens eine Impfdosis erhalten.

Derzeit werden auch Polizeiangehörige geimpft – warum nicht zum Beispiel Lehrpersonen?

Am Ende eines Tages gibt es immer wieder Restdosen im Impfzentrum, weil angebrochene Impfstoffflaschen über Nacht nicht haltbar sind. Die Gesundheitsdirektion hat eine Liste mit Personen erstellt, welche in solchen Fällen angerufen werden. Eine Voraussetzung ist, dass diese Personen innert einer Viertelstunde im Impfzentrum sein können. Dies ist bei Angehörigen der Polizei gegeben. Es handelt sich um maximal neun Impfdosen pro Tag.

Werden bald mehr Impfdosen zur Verfügung stehen?

Davon gehen wir aus. Mit den neuen Lieferungen werden wir unsere Impfkapazität am Impfzentrum und mit Einbezug von Apotheken und Arztpraxen im Mai und Juni weiter hochfahren können. Allein im Impfzentrum könnten pro Tag 1400 Dosen verabreicht werden.


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