Fällt die Zuger Fasnacht 2021 aus? Die Fasnächtler müssen zittern

ZUG ⋅ Die Entscheidung über die Durchführung der Zuger Fasnacht 2021 ist noch nicht gefallen. Eine Absage ist jedoch ein realistisches Szenario. Für die Vereine steht fest, dass es kantonal ein einheitliches Vorgehen braucht.

07. August 2020, 11:59

Rahel Hug

An wohl kaum einem Anlass lassen sich Abstands- und Hygieneregeln so schlecht einhalten wie an der Fasnacht: Da wird getanzt, gefeiert und getrunken – und das in grossen Menschenmassen. Kein Wunder, steht die Fasnacht 2021, die am 11. Februar starten soll, zurzeit auf wackligen Beinen.

Wie gehen die Zuger Fasnachtsgesellschaften mit der coronabedingten Unsicherheit um? Wie eine Umfrage zeigt, ist man einerseits optimistisch, rechnet jedoch auch mit dem schlimmsten Szenario: einer Absage der Fasnacht.

Laut Silvan Meier, Kommunikationsverantwortlicher der Fasnachtsgesellschaft Baar, will man das weitere Vorgehen des Bundesrates abwarten. «Bleiben Anlässe mit mehr als 1000 Personen bis auf weiteres verboten, wird eine Durchführung der Fasnacht schwierig», sagt er. Ein Entscheid über die Durchführung müsse spätestens im November fallen. «Bis dahin leisten wir zwar viel Vorarbeit, müssen aber noch nicht allzu viel Geld in die Hand nehmen.» Bislang mussten die Baarer Fasnächtler wegen der Pandemie Vorstandssitzungen und die eine oder andere Arbeitsgruppensitzung absagen. Und das Zunftlokal, der Räbechäller, blieb geschlossen. Die «sitzungsfreie» Zeit hat die Fasnachtsgesellschaft für die Aktion «En Plakette für dini Beiz» genutzt: Fast 90'000 Franken für die Baarer Gastrobetriebe konnten gesammelt werden.

Zusammenkunft ist für Ende August geplant

Einen Plan B für eine Fasnacht in reduzierter oder alternativer Form gibt es aktuell nicht. Silvan Meier betont: «Wir werden alles daran setzen, irgendeine Fasnacht – in welcher Form auch immer – durchzuführen.» Doch die Gesundheit stehe auch beim Thema Fasnacht über allem. Insofern sei auch eine komplette Absage eine Option. «Wenn es nicht anders geht, dann ist es so.» Für die Baarer Vereinigung steht fest, dass es keinen «fasnächtlichen Flickenteppich» im Kanton Zug geben soll. «Wichtig ist, dass alle ‹Fasnachten› in allen Zuger Gemeinden gleich handeln.»

Dieser Meinung sind auch andere Fasnachtsvertreter; ein Austausch findet statt. So laufen derzeit Vorbereitungen für eine Koordinationssitzung mit Vertretern aus allen Gemeinden sowie der Gesundheitsdirektion, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Den Lead hat Richard Rüegg, Präsident der Zuger Letzibuzäli-Zunft, übernommen. Dort heisst es, man wolle den nächsten Entscheid des Bundesrates abwarten. Ende August wollen die Zuger Fasnächtler dann zusammenkommen. «Bis dahin werden wir abwarten und danach wird die Situation neu beurteilt», sagt Alex Odermatt, Presseverantwortlicher bei der Letzibuzäli-Zunft.

Bei der Vereinigung Zuger Chesslete hat man mit der Planung noch nicht wirklich begonnen, wie der Präsident Jascha Hager Auskunft gibt. «Wir haben erst das Anmeldeformular für die Guggen und Fasigesellschaften verschickt, dies aber mit einem entsprechenden Vorbehalt.» Leider sei auch eine Absage eine Option, so Hager. Er wirft aber die Frage auf, ob sich die Fasnacht wirklich absagen lasse oder ob dann einfach eine unorganisierte Fasnacht stattfinden würde. «Die Gesundheit geht vor», steht für den Stadtzuger Fasnächtler fest. Es hänge letztlich von der Entwicklung der Fallzahlen in den nächsten Wochen ab. Berücksichtigen müsse man beim Entscheid auch die Wirtschaftlichkeit:

«Wir wollen den Guggen, Wagenbauern und Barbetreibern keine falschen Hoffnungen machen, um dann im Januar doch alles abzusagen.»

In Unterägeri hat man mit den Vorbereitungen ebenfalls noch nicht begonnen, wie Dominik Iten, Presseverantwortlicher der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft, erklärt. Weil sich die Situation monatlich ändere, habe man mögliche Szenarien noch nicht besprochen. Für Iten wäre eine Absage die «allerletzte Option». Das Virus habe dem Verein bereits zahlreiche Anlässe vermasselt, ergänzt Iten. So habe man grosse finanzielle Einbussen, etwa wegen des Wegfalls der 1.-August-Feier, wo die Fasnächtler jeweils die Festwirtschaft geführt haben.

Auch die Fasnachtsgesellschaft Steinhausen setzt sich intensiv mit dem Coronavirus auseinander. Verschiedene Szenarien stehen im Raum, etwa Einschränkungen bei den Besucherzahlen oder Schutzkonzepte, wie der Medienverantwortliche Patrick Schriber sagt. Dabei zeigt er sich aber skeptisch und ist der Ansicht: «Durchführen wie angedacht oder gar nicht.» Eine Steinhauser Fasnacht ohne Umzug und Guggernacht sei nicht vorstellbar. Man sei optimistisch, die aktuelle Entwicklung zeige aber leider in eine andere Richtung. Schriber spricht aus, was wohl viele denken: «Da die Massnahmen wegen der steigenden Fallzahlen vermutlich noch verschärft werden, rechnen viele mit einer Absage.» Eine Entscheidung Ende August und somit baldige Planungssicherheit sei für die Beteiligten wichtig. «Lieber Nägel mit Köpfen machen und die Kräfte auf 2022 konzentrieren.»

Gesundheitsdirektion dämpft Hoffnungen

Aurel Köpfli, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für Kommunikation bei der kantonalen Gesundheitsdirektion, bestätigt, dass Vertretungen aus der Gesundheitsdirektion an der Sitzung der Fasnachtsvertreter teilnehmen werden. «Es geht vor allem darum, offene Fragen aufzunehmen und abzuklären.» Und wie sieht die Prognose von Köpfli aus, was die Durchführung der Fasnacht 2021 betrifft? Es sei sehr schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage zu machen, sagt er, hält jedoch fest: «Natürlich hofft man auf den besten Fall. Es scheint aber nicht wahrscheinlich, dass die Fasnacht ganz ohne Einschränkungen und im gewohnten Rahmen wird stattfinden können.»

Weil die Fasnacht 2020 so schön war, haben wir hier noch ein paar Bilder des Zuger Kinderumzugs:


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