Wie eine Impf-Warteliste die etwas Frecheren bevorzugt

ZUG ⋅ Für eine Impfung gegen das Coronavirus kann sich anmelden, wer mit seiner Kategorie an der Reihe ist. So vermittelt es zumindest das Anmeldeportal zur Impfung im Kanton Zug. Doch wer den entsprechenden Hinweis ignoriert und sich trotzdem anmeldet, ist im Vorteil.

23. Januar 2021, 05:11

Zoe Gwerder

«Wie erhalte ich möglichst schnell eine Impfung gegen das Coronavirus?» Diese Frage haben sich wohl schon einige Personen gestellt. Im Kanton Zug gibt es hierfür eine Lösung – auch wenn die Gesundheitsdirektion diese bisher nicht kommuniziert hat. Denn es existiert eine Warteliste. Nicht nur für jene, die bereits zur aktuell zugelassenen Impfkategorie gehören, sondern auch für solche, die vielleicht in einer der letzten Kategorien an der Reihe sind.

Das Zauberwort heisst: Registrieren. Also alle Schritte der Onlineanmeldung ausfüllen, auch wenn man noch nicht impfberechtigt ist. Die Zuger Gesundheitsdirektion bestätigt, dass registrierte Impfwillige tatsächlich schneller einen Termin erhalten. Die Impftermine werden den Registrierungseingängen nach direkt vergeben, sobald die entsprechende Kategorie an die Reihe kommt.

Website suggeriert, Anmeldung sei nur für Impfberechtigte möglich

Auf der ersten Seite des kantonalen Anmeldeportals gibt es jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass man sich registrieren könnte. Im Gegenteil. So wird unter «So funktioniert’s» beim ersten Punkt gefragt: «Sie sind in der aktuellen Impfgruppe?». Personen die im Moment weder älter als 75 Jahre alt sind, noch an schweren chronischen Krankheiten leiden, scheinen von einer Anmeldung ausgeschlossen.

Werden hiermit «freche» Impfwillige, die sich über die erste Frage bei «So funktioniert’s» hinwegsetzen und sich für eine Impfung anmelden, bevorteilt? Oder handelt es sich um eine Kommunikationspanne des Kantons?

Wohl eher die Bevorteilung. Denn wie vom Kommunikationsverantwortlichen der Zuger Gesundheitsdirektion Aurel Köpfli zu erfahren ist, war es durchaus auch Absicht, die Möglichkeit des Registrierens – und damit auf die Warteliste zu kommen – nicht breit zu streuen. Köpfli sagt:

«Hätte sich der halbe Kanton Zug beim Impfstart gleichzeitig versucht anzumelden, hätte das System zusammenbrechen können. Dies wollten wir verhindern.»

Auch habe die Gesundheitsdirektion keine falschen Erwartungen schüren wollen. «Eine schnelle Anmeldung hätte wohl vielen die Hoffnung gegeben, demnächst eine Impfung zu erhalten. Aber dies kann – je nach Kategorie – noch mehrere Wochen bis Monate dauern.»

Registrieren geht – am liebsten aber erst, wenn man an der Reihe ist

Ein weiterer Punkt, der für eine spätere Anmeldung spricht, sei jener der Angaben, welche man beim Anmelden machen muss. So werden Fragen zu Vorerkrankungen sowie zu einer möglichen Schwangerschaft gestellt. Beides kann sich unter Umständen innert kürzester Zeit verändern.

Der Kanton empfiehlt deshalb, sich dann zu registrieren, wenn man zur Impfung berechtigt ist. Prinzipiell könnten sich jedoch alle registrieren, die das möchten. Sollte jemand zwischenzeitlich seine Meinung ändern oder schwanger werden, könne der Termin beim Aufgebot auch wieder storniert werden, so Köpfli.

Dass der Kanton bezüglich Impfkategorien in Happen kommuniziert, hat jedoch auch taktische Gründe. Aurel Köpfli:

«So stark derzeit das Medieninteresse an der Impfung ist, so schnell kann dieses nachlassen.»

Mit gewählter Taktik hat der Kanton nun aber bei jeder neuen Impfkategorie einen Grund, an die Öffentlichkeit zu treten, und auf das Impfen aufmerksam zu machen.


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