Tiere, Tee und Gelassenheit – zwei Schwestern ermöglichen in Baar einen Einblick ins Hofleben

ZUG ⋅ Auf dem Baarer Neuguet lernen Gruppen das Leben auf einem Bauernhof kennen. Mit ihrem Herzprojekt wollen zwei Schwestern die Besucher für die Natur, gegenseitigen Respekt und Wertschätzung sensibilisieren.

02. Juli 2020, 16:44

Vanessa Varisco

Ausblick auf den Zugersee, satte grüne Wiesen rund herum und ein kleines Wäldchen gleich in der Nähe: Der Baarer Hof Neuguet ist idyllisch gelegen, am Hang über dem Dorf. In unmittelbarer Umgebung befindet sich ausserdem die Baustelle für die Tangente Zug Baar, was dem Hof den Charme aber nicht nimmt. Karin und Manuela Fankhauser haben hier das Herzprojekt ins Leben gerufen. Schulklassen, Bürogruppen und all jene, die in der Natur eine Auszeit suchen, können hier mit dem Geschwisterpaar einige Stunden das Hofleben hautnah miterleben.

Dabei gehört die Arbeit mit den Tieren genauso zum Programm wie beispielsweise die Herstellung von Hoftee oder die obligatorische Znünipause. «Schon unsere Eltern haben damit begonnen, unseren Hof zu öffnen», gibt Karin Fankhauser (33) Auskunft. Die beiden Kauffrauen haben dies nun nebenberuflich umgesetzt und investieren ihre ganze Freizeit in den Hof und das Projekt. «Wir sind wirklich mit ganzem Herzen dabei», bekräftigt Manuela Fankhauser (28) und lächelt. Was sich lohnt: Durch Mund zu Mund Werbung bekommen sie zahlreiche Anfragen.

Bewegte Vergangenheit

Die Lancierung des Projekts hat auch sehr viel mit der Vergangenheit des Hofs Neuguet zu tun. Denn obwohl er derzeit ein Idyll ist, war er lange Gegenstand diverser Diskussionen. Karin und Manuela Fankhauser, die im Zukunftswagen, einem kleinen Rückzugsort, sitzen, deuten auf die Strommasten. «Durch die floss plötzlich mehr Strom», erläutert Karin Fankhauser. «Die ganze Familie trug gesundheitliche Schäden davon.» Von Gemeinde und Kanton hätten sie wenig Unterstützung erhalten, eher Gegenwind wie sie schildern, weshalb der Hof auch finanziell in Schwierigkeiten geraten sei vor Jahren.

«Wir hatten einen ziemlichen Kampf und bereits vieles miterlebt», schildern sie. Zeitweise gerieten sie in eine Notlage und mussten, um dem Elektrosmog zu entkommen, über mehrere Jahre im Pferdestall ausharren. Doch auch wenn sie bis heute ihre Vergangenheit aufarbeiten, sind sie weder bitter geworden noch wollen sie bemitleidet werden. Stattdessen blicken sie zuversichtlich in die Zukunft. Manuel Fankhauser führt aus:

«Eben gerade wegen dieser Erlebnisse möchten wir Kontakt zu den Menschen, uns austauschen.»

Sie sind durch ihre Erfahrungen gelassen, aber nicht gleichgültig, und wollen einstehen für das, was ihnen am Herz liegt: Natur, gegenseitigen Respekt, Empathie und Wertschätzung. «Jeder hat seine Stärken, die sollten wir verbinden, was wir auch immer wieder vorleben bei unserer Arbeit mit den Kunden», erklärt Karin Fankhauser. Das gelingt ihnen mit dem Herzprojekt. «Gerade im Umgang mit Tieren aber auch bei einem Spaziergang durch den Wald, bekommen Menschen und Kinder einen neuen Bezug zur Natur.» Die Kinder würden sich etwa gegenseitig darauf aufmerksam machen, mehr Sorge zu tragen. Das sei berührend.

Da die Besucher oftmals in Gruppen kämen, werde ebenfalls die menschliche Seite gefördert. «Bei den Kindern ist das beim Teilen des Znünis zu beobachten», beschreibt Manuela Fankhauser. «Die positiven Rückmeldungen oder die spürbare Änderung im Verhalten sind unser Antrieb», so Karin Fankhauser.

«Und», fügt ihre Schwester an, «viele Menschen suchen ihre Wurzeln wieder in der Natur.» Wie ein Besuch auf dem Hof abläuft, kann unterschiedlich aussehen. Das kommt darauf an, welche Zielgruppe angesprochen werden soll oder welches Thema gerade bewegt. So kann beispielsweise auch das Thema Littering oder der sorgsame Umgang mit Trinkwasser zum Gespräch gebracht werden.

«Es ist erstaunlich, wie die Kinder darauf eingehen. Wir können damit nachhaltig etwas bewirken», ist Karin Fankhauser überzeugt. Und genau darum geht es ihnen: Die Sensibilisierung und die Förderung der eigenen Stärken, die – wie die Schwestern finden – in der Natur oftmals besser entdeckt werden.

Während das Projekt derzeit nebenberuflich läuft, wäre es ein Wunsch der beiden, dass sie dies mit Hilfe von weiteren Personen ausbauen können.


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