Musik ist für ihn Lebenselixier: Christoph Balmer gibt nach 25 Jahren das Amt als Präsident des Stadtorchesters Zug ab

ZUG ⋅ Nach 25 Jahren übergibt Christoph Balmer das Vereinspräsidium des Stadtorchesters Zug an Gregor Hotz. Balmer will dem finanziell und gesellschaftlich gut positionierten Orchester aber weiterhin treu bleiben.

09. Juni 2020, 05:11

Andreas Faessler

Andreas Faessler

2022 wird ein wichtiges Jahr für das Stadtorchester Zug, wenn sich seine Gründung zum 100. Mal jährt (siehe Box).

Während fast eines Viertels dieser langen Zeit stand der Verein unter der Leitung von Christoph Balmer (rechts, welcher jetzt sein Präsidium an Gregor Hotz abgibt:

Amtsmüdigkeit? Oder einfach das Bedürfnis, etwas kürzerzutreten? «Weder noch», betont Christoph Balmer. «Ich verbleibe auch weiter aktiv beim Orchester – als Cellist. Es war aber Zeit für eine Verjüngung im Vorstand.» Und diese Verjüngung findet heuer in doppelter Hinsicht statt: Per Ende Jahr wird Dirigent Jonathan Brett Harrison aufgrund Pension sein Amt ebenfalls an einen Nachfolger oder an eine Nachfolgerin abtreten. Anno 1995 hatte Harrison zeitgleich zu Balmers Präsidiumsantritt die Orchesterleitung übernommen. Somit schliessen die beiden in diesem Jahr gemeinsam ein langes Kapitel ab.

Der 49-jährige Gregor Hotz landet mit diesem Wechsel keineswegs im kalten Wasser – er war der bisherige Vizepräsident und ist als Violinist ebenfalls seit Jahren im Orchester aktiv.

Viel Freiheit in der Gestaltung

Christoph Balmer, der seit Musikschulzeiten stets in Orchestern mitgewirkt hatte und für den Musik seit je grosse Leidenschaft, ja Lebenselixier ist, stiess 1979 als Cellist zum Stadtorchester. Bereits zwei Jahre später sass er als Verantwortlicher für die Werbung im Vorstand. Was ihm am Stadtorchester stets besonders gefiel: «Es ist – bis auf die Stimmenführenden und einige Bläserinnen und Bläser – ein Amateurorchester, aber auf sehr hohem Niveau. Und es ist imstande, anspruchsvolle Welt-Musikliteratur zu interpretieren. Das räumt einem sehr viel Gestaltungsfreiheit ein.» Weiter sei es die grosse Begeisterungsfähigkeit, was das Amateurorchester ausmache. «Weil alle mit Herz und Seele dabei sind und nicht nur rein aus dem Pflichtgedanken heraus. Diese Spielfreude überträgt sich stets aufs Publikum.» Die Folge davon: eine motivierende Wechselwirkung und dadurch wachsende Publikumstreue. Als einziges Sinfonieorchester der Stadt Zug mit kantonaler Ausstrahlung, so Balmer weiter, könne es sich zwischen den Kulturstädten Zürich und Luzern mit anspruchsvoller Literatur behaupten.

Welche Werke gespielt werden, da hat Christoph Balmer denn auch meist mitbestimmt und Anregungen eingebracht, dies als aufmerksamer Beobachter der Schweizer Klassik-Szene. «Es braucht einfach ein Gespür, was das Publikum anspricht – nicht nur hier in Zug, sondern allgemein.» Da kann Balmer auf sein persönliches Netzwerk und nicht zuletzt auch auf den eigenen Musikgeschmack vertrauen.

Auch schätzt es der abtretende Vereinspräsident, dass das Stadtorchester Zug einen wichtigen Beitrag im Bereich Jugendförderung leistet, sprich den talentierten Nachwuchs beschäftigt, wovon nicht wenige bereits zuvor im Jugendorchester gespielt hatten. Das betrifft auch das Engagement von jungen Solisten. «Das bereichert das Orchester ungemein und motiviert sämtliche Mitwirkende.»

Verbesserung lockt Jungtalente an

Anspruchsvollste Aufgabe für den Vereinspräsidenten war stets – wie überall wohl – die Sicherstellung der Finanzierung. «Was uns allerdings immer gut gelungen ist bislang», so Balmer. «Wir dürfen auf die Kulturförderung zählen, und da sind uns Stadt und Kanton immer grosszügig begegnet. Sie wissen sehr wohl um die Bedeutung unseres Orchesters für die lokale und regionale Szene.» Selbstredend war auch stets Verbesserung und Steigerung des Niveaus ein Ziel. Und das habe man klar erreicht, insbesondere unter der Leitung von Jonathan Brett Harrison, was sich nicht zuletzt in der Wahl der Werke niedergeschlagen habe. «Und auch diese Niveausteigerung hat ehrgeizigen Nachwuchs angelockt. Da hat uns nicht zuletzt auch die Kleinräumigkeit Zugs in die Hände gespielt.»

Und damit diese stets vorhandene Energie innerhalb des Orchesters auch auf Ebene des Vorstandes Kontinuität hat, sieht der 66-jährige Christoph Balmer, der das Orchester mit Herz und Seele wie auch mit Verstand und Weitblick geführt hat, den nun stattfindenden Generationenwechsel zeitlich wohlgewählt. «Denn mit etablierten Alten und motivierten Neuen ist der Vorstand bestens zusammengesetzt.»

Hinweis: Das geplante Bahnhofkonzert vom 21. Juni wird verschoben, voraussichtlich auf 2021. Das nächste Konzert des Stadtorchesters Zug findet statt am Sonntag, 29. November, um 10.30 Uhr im Theater Casino Zug mit dem Abschied von Dirigent Jonathan Brett Harrison.


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