Jede Buslinie kommt im Kanton Zug auf den Prüfstand – Hünenberg wird sich für die Linie 44 einsetzen

ZUG ⋅ Die Walchwiler haben clever argumentiert und mehr Busse bekommen. Auch Hünenberg kämpft für eine Buslinie – diese gab es schon mal.

07. Juli 2020, 05:11

Marco Morosoli

Die Mitarbeiter der kantonalen Abteilung für öffentlichen Verkehr müssen einerseits Fahrpläne lesen und interpretieren können und andererseits im Rechnen höchste Levels erreichen. In der Phase, in der die Besteller bei den Transportunternehmen vorsprechen, kann jede Zahl oder jedes Wort entscheidend sein. So schaffte es Walchwil, seinen Fünfer-Bus zu behalten.

Auch die Hünenberger wollen mehr Busse. Im Unterschied zur neuen Linienführung des Walchwiler Busses gab es die gewünschte Ennetseer Linie sogar schon einmal. Hubert Schuler, er sitzt im Gemeinderat und ist Vorsteher Sicherheit und Umwelt, erinnert sich an die verschwundene Linie 44. Diese verband bis Ende 2015 das Hünenberger Dorf mit der Stadtbahnhaltestelle Zythus.

Die Verkehrszahlen der Buslinie 44 nach dem ersten Versuchsjahr 2014 waren mit 413 transportierten Fahrgäste nicht berauschend. Im folgenden Jahr stieg die Frequenz auf 430 Passagiere pro Tag an. Alles Werte, die für den vom Kanton geforderten Kostendeckungsgrad von 40 Prozent nicht ausreichten.

Pilotprojekt, das nach zwei Jahren eingestellt wurde

Wie Schuler erzählt, habe der Kanton von diesen zwei Versuchsjahren jedoch «keine abschliessende Auswertung» vorgenommen. Der Hünenberger Gemeinderat schafft in dem Sinne Transparenz, dass eine auf eigene Rechnung betriebene Ortsbuslinie von Hünenberg zur Stadtbahnhaltestelle beim Zy­thus «einen tieferen sechsstelligen Frankenbetrag» ausmacht». Hubert Schuler will aber auch erwähnt haben: «Die Rentabilitäten von Buslinien können nicht miteinander verglichen werden.»

Ob allenfalls andere Linienführungen ähnlich der Walchwiler Art passende Varianten wären? Der Gemeinderat verneint: «Diese Idee haben wir früher schon mehrmals angeschaut.» Sie seien nicht praktikabel, da die Nutzer der Busse jeweils noch überlegen müssten, wo sie zusteigen müssen, um ans Ziel zu kommen: «Dann benutzt der Buspassagier den öffentlichen Verkehr nicht.»

Die Hünenberger haben den Bus 44 nicht vergessen

Aber wer daraus schliesst, dass die Hünenberger gegenüber dem Kanton keine Wünsche hätten, der geht fehl. «Selbstverständlich werden wir auch in Zukunft diese Linie 44 immer wieder zum Thema machen», sagt Hubert Schuler. Die Motivation liege auf der Hand: «Eine gute Erschliessung unserer Quartiere ist uns wichtig», fügt der Gemeinderat noch an. Einfach ins Blaue eine neue Linie planen, ist Hubert Schuler auch fremd:

«Der öffentliche Verkehr muss dorthin fahren, wo die Leute wohnen und arbeiten, dann wird er auch benutzt.»

Der Hünenberger Gemeinderat erachtet es auch als völlig normal, betriebswirtschaftliche Erwägungen einfliessen zu lassen: «Eine rudimentäre Wirtschaftlichkeit muss dabei gegeben sein, und eine Linie muss ein entsprechendes Wachstumspotenzial aufweisen.»

Immer wieder prüfen, ob nachzubessern ist

Wie hat der Zuger Baudirektor Florian Weber in einem anderen Zusammenhang gesagt, dass Fahrplaneingaben nicht einfach weggeworfen und bei einem «späteren Bestellverfahren bei Bedarf erneut aufgegriffen werden». Wie aus einer Postulatsantwort zu Busverbindungen von Walchwil in Richtung Zug hervorgeht, gibt es beim öffentlichen Verkehr im Kanton Grundsätze, die zu beachten sind. So finden regelmässig Prüfungen über die Wirtschaftlichkeit von Buslinien statt. Auch bei der Walchwiler Variante für mehr Bus ab Dezember 2020 verspricht der Regierungsrat, genau hinzuschauen, um «in den nächsten Jahren Korrekturen am Angebot zu prüfen».

Eines weiss der Hünenberger Gemeinderat Hubert Schuler von der kurzen Betriebszeit der Linie 44: Beim zweiten Anlauf müssen mehr Passagiere im Bus sitzen. Unter die fünf Linien mit der schlechtesten Wirtschaftlichkeit will im Ennetsee niemand mehr kommen.


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