Informatikstudenten in Rotkreuz: «Es geht bei uns nicht nur um Partys»

ZUG ⋅ Das Departement Informatik der Hochschule Luzern blickt auf ein Jahr im neuen Gebäude in Rotkreuz zurück.

15. Juli 2020, 05:11

Tijana Nikolic

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Schon das Einweihungsfest des neuen Gebäudes der Departements Informatik der Hochschule Luzern vor gut einem Jahr war ein voller Erfolg (siehe Bildstrecke unten). Statt der erwarteten 1500 Besucher kamen rund 6000 Interessierte. Die Rotkreuzer Bevölkerung wollte das grosse Gebäude in der Suurstoffi sowie den Campus beschnuppern.

Nach dem gelungenen Start ging es auch gut weiter. «Wir waren froh, endlich aus der Übergangslösung, die auf zwei Gebäude auf mehreren Stöcken verteilt war, rauszukommen», sagt Jan Leuenberger, Präsident des Studierendenvereins des Departements Informatik der Hochschule Luzern «STAIR». Dadurch sei die Interaktion unter den Studenten viel besser geworden.

Zur Zeit werden rund 900 Studierende des Departements Informatik und rund 300 Studierende des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug im Gebäude der Suurstoffi eins unterrichtet. «Ausserdem besuchen zwischen 1200 bis 1500 Personen ebenfalls in diesem Gebäude eine Weiterbildung», sagt René Hüsler, Direktor des Departements Informatik und stellvertretender Rektor. 140 Angestellte beschäftige das Departement Informatik, davon sind rund 70 Lehrpersonen.

25 Anmeldungen für neues Bachelorstudium

Neu startete diesen Frühling das schweizweit erste Bachelorstudium im Bereich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, für das sich 25 Personen angemeldet hatten. «Für das Herbstsemester sind es bereits 50 Neuanmeldungen», freut sich Hüsler. Das Departement Informatik reagiere mit diesem Studiengang auf die steigende Nachfrage der Wirtschaft nach Fachkräften in den Bereichen der künstlichen Intelligenz und der Anwendung in der Robotik.

Neben der Lüftung und der Heizung, die im neuen Gebäude zuerst richtig anlaufen mussten, wurden von den Studenten fehlende Steckerleisten oder Kaffeemaschinen, die nicht mit Karte bezahlt werden konnten, bemängelt. Leuenberger lachend:

«Das war Jammern auf hohem Niveau»,

Weniger Einschreibungen wegen Corona?

Während des Lockdown ist Hüsler noch eine weitere Optimierung eingefallen, die er eigentlich schon länger im Hinterkopf hatte: «Alle Räume sollen künftig mit Kameras ausgestattet werden, damit der Unterricht für nicht anwesende Studierende aufgenommen oder direkt übertragen werden kann.» Die Studenten hätten das ebenfalls schon vor Corona gefordert.

Nachdem die Anzahl der Studenten 2019 ein Wachstum erlebte, hinken die Zahlen der Einschreibungen in diesem Jahr, speziell bei den berufsbegleitenden Studierenden, noch etwas hinterher. «Ich nehme an, dass wegen der anhaltenden Coronasituation, viele noch nicht wissen, ob sie ihren Job überhaupt behalten können und dadurch auch nicht sicher sind, ob sie berufsbegleitend studieren können», erklärt Hüsler.

Der Praxisbezug sei ein wichtiges Element des Studiums. Das Departement Informatik intensiviere gemeinsame Aktivitäten mit Unternehmen und nutze dazu den Innovationspark Zentralschweiz in der Suurstoffi 18 als Plattform, um den Austausch mit den Mitgliedsfirmen anzukurbeln.

Nicht wie in amerikanischen Filmen

Auch wenn die Studierenden Rotkreuz als einen aufstrebenden Standort empfinden, fehle es ihnen dennoch an Beizen im Dorf für die ausserschulischen Aktivitäten. Die steigende Anzahl der Studierenden werde sich wohl auf das Angebot auswirken. «Am Bahnhof steht ein Güterschuppen, der sich zum Beispiel gut für eine Pop-up-Bar eignen würde. Ich habe das schon der Gemeinde vorgeschlagen», so Hüsler. Leuenberger möchte hierzu festhalten, dass der Studierendenverein eine Interessengemeinschaft ist, der alle Studierenden des Departements Informatik angehören: «Es geht bei uns nicht nur, darum, Partys zu feiern, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt.»

Der Verband und die Schulleitung seien in ständigem Kontakt und würden Absprache über Themen, welche die Studierenden beschäftigen, halten. «Beispielsweise haben sich einige Studierende an der Vorlesungsart eines Dozenten gestört, weil sie zu unverständlich war. Zusammen mit der Schulleitung und dem Dozierenden haben wir den Unterricht umgestaltet und den Inhalt angepasst, bis alle zufrieden waren», so Leuenberger. Man arbeite zusammen permanent an Verbesserungen des Studienalltags.

Hüsler scherzt:

«Wir fordern die Studierenden, wollen sie aber zufrieden zum Abschluss bringen und sie nicht dahin prügeln.»

Bei unüberwindbaren Differenzen mussten auch schon Dozierende während des Semesters ausgetauscht werden. «Das machen wir jedoch nur, wenn wir sonst keine Lösung finden», sagt Hüsler zum Schluss und freut sich auf weitere gute Jahre in der Suurstoffi.

Ein Augenschein in den Räumlichkeiten im Campus vor der Eröffnung vor einem Jahr:


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