«Dunne mit de Gäng»: So klingt das neue Album der Hagendorner Stubete-Gäng

ZUG ⋅ Am Freitag erscheint das neue Album der Hagendorner Stubete-Gäng. Im Gespräch verraten sie, welche Rolle das Esaf beim Schreiben der neuen Lieder spielte und welche Kraft die Musik hat.

12. August 2020, 17:11

Vanessa Varisco

Vanessa Varisco

Vanessa Varisco

Sie mischen Hip-Hop und Ländler, wollen sich aber weder dem einen noch dem anderen Genre zuordnen. Lieber die Grenzen ausloten. Ausprobieren. Mischen. Diesem Motto folgt die Stubete-Gäng aus Hagendorn nicht nur bei ihrem ersten, sondern auch beim neuen Album «Dunne mit de Gäng».

Der Albumtitel wurde aus mehreren Gründen gewählt, erklären die Brüder Aurel (35) und Moritz (32) Hassler, welche gemeinsam mit ihrem Vater Hans Hassler die Stubete-Gäng bilden. Zum einen ist es eine Anspielung auf das Englische «to get down», was so viel wie feiern heisst. Zum anderen sei für deren Verwandtschaft aus dem Bündnerischen die Zentralschweiz «dunne», also unten. Moritz Hassler verrät mit einem verschmitzten Lächeln:

«Für unsere Songs lassen wir uns durchaus vom Leben inspirieren.»

Das gilt zum Beispiel auch für den Song «Bänk i d Luft», welcher auf ein Erlebnis am letztjährigen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) zurückgeht.

«Immer hiess es, hoch die Hände», erinnert sich Aurel Hassler, «aber wir wollten einen neuen Ansatz. Deshalb riefen wir Bänk i d Luft.» Und das klappte. Die vielen hundert Besucher hoben Bänke – teilweise sogar als noch Festfreudige darauf sassen – in die Höhe. «Eine grossartige Erinnerung voller Energie und Leben – das wollen wir einfliessen lassen.»

Wichtig sei, sich Zeit zu nehmen

Im Gespräch mit der Gäng wird eines deutlich spürbar: Die Freude steht an erster Stelle. Weder die Coronakrise noch die zeitweise anstrengenden Konzertabende können diese mindern. Bei der Stubete-Gäng geht es um leidenschaftliches Musizieren, die Lust auf neue Lieder und Kameradschaft. Zusammengehörigkeit. Letztere wurde entscheidend, als es darum ging, ein neues Album zu schaffen.

Wie entsteht eine Platte? Zuerst die Melodie und dann der Text? Oder umgekehrt? «Das variiert», antwortet Moritz Hassler und lacht. Sein Bruder führt aus: «Entscheidend ist, dass wir uns Zeit nehmen, zusammenzusitzen.»

Oftmals sässen sie dann dort mit ihren Instrumenten, einer spielt ein paar Takte, der nächste steigt ein und der dritte fügt ein, zwei Strophen dazu. «Wir lassen uns da treiben. Richtig oder Falsch gibt es nicht», so Aurel Hassler. «Beim Liederschreiben in der Gäng handelt es sich um einen sehr dynamischen und kreativen Prozess», bestätigt sein Bruder.

Dynamik und Kreativität waren ausserdem der Stein des Anstosses, um ein neues Album zu schaffen. «Zudem», Moritz Hassler macht eine bedeutungsschwere Pause und witzelt dann halbernsthaft, «haben wir gemerkt, dass unsere Konzerte einfach zu kurz sind mit nur einer Platte.»

Gespannt, wie das Album ankommt

Lust auf mehr – das hatte die Hip-Hop-Ländlergruppe offensichtlich. Aus dieser Lust sind seit letztem Herbst 25 Songs entstanden, von denen es 11 nach eindringlicher Prüfung auf das neue Album geschafft haben. «Spannend war, wie sich die Lieder weiterentwickelt haben», überlegt der Musiker, «Wir spielten an der Melodie, dem Text. Die Entstehung eines Albums ist alles andere als ein Fabrikprozess.» Kreiert wurden Lieder wie «De Pizzaiolo»

und «Logo hani mi lah gah lah».

Eingängige Melodien, die in Zukunft das Publikum mitreissen sollen oder zum Mitsingen animieren dürften. Das ist auch das Ziel der Stubete-Gäng. «Musik hat sehr viel Kraft. Kann berühren und vieles bewegen – in unserem Fall eben auch einige Hüften und Füsse.»

Am Freitag wird das neue Album nun also «gedroppt», wie man im Hip-Hop-Slang sagen würde. Oder, um es traditioneller zu formulieren, veröffentlicht. «Die An- und Entspannung ist gleichermassen hoch», betonen die beiden. Sie freuen sich, dass die Musik dann endlich Zuhörer erreiche, die Reaktionen sind natürlich aber noch ungewiss. «Wir sehen dem gelassen entgegen und freuen uns in erster Linie.» Da ist sie wieder: die Freude.

Der grosse Moment für die Band wird die geplante Plattentaufe in der Zuger Galvanik am 29. August sein. «Fantastisch», kommentieren es die beiden schlicht. Aber auch sie bekommen die Auswirkungen der Coronakrise zu spüren. «Anfang Jahr waren wir noch für 60 Auftritte gebucht», blickt Aurel zurück. Das hätte mindestens einen Auftritt pro Wochenende bedeutet.

Dass sich einige Veranstalter nun zurückgezogen hätten, macht den Hagendornern aber nichts aus. «Für uns ist es ein Privileg, mehr Zeit zu haben. Die können wir kreativ nutzen und zum Proben verwenden.» Sie seien dankbar für die Auftritte, die sie wahrnehmen können. Die Stimmung der Band kann also kaum etwas knicken, sie treten ebenso beschwingt auf wie ihre Musik. Dann bleibt für sie zu hoffen, dass es auch dieses Jahr heisst: «Bänk i d Luft».

Weitere Kostproben aus dem Album:


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