Das Hünenberger Schützenhaus wird saniert – auch die Öffentlichkeit profitiert

ZUG ⋅ Die Korporation lässt das 334-jährige Gebäude im Weiler Wart in Absprache mit der Denkmalpflege erneuern und umbauen. Das ist aufwendiger als gedacht.

03. Juni 2020, 05:09

Raphael Biermayr

Raphael Biermayr

Im Hünenberger Weiler Wart steht so manches Bijou. Er gehört ja auch zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Auch das weiss-rote Schützenhaus macht etwas her. Allerdings nur von aussen.

Bei einem Augenschein im Innern lässt sich leicht erkennen, warum das Gebäude erneuert werden muss. «Wir dachten zunächst, der Zustand wäre besser», sagt Beat Suter. Er ist der Bauverantwortliche der Hünenberger Korporation, der das Haus gehört. Abklärungen hätten ergeben, dass die Mauern nicht nur feucht, sondern durch einen hohen Salzgehalt im aufgesogenen Wasser auch äusserst brüchig seien. Am
2. Juni begannen die Arbeiten für die Grundsanierung, an der sich der Kanton Zug finanziell beteiligt, sowie einen Anbau aus Holz.

Das Gebäude wird der Korporation als Kanzlei dienen, diese wird sie voraussichtlich im Februar beziehen. Gegenwärtig nutzt sie zu diesem Zweck Räumlichkeiten im gegenüberliegenden Gesellenhaus, das auch das Restaurant Wart beherbergt. Das Korporationsarchiv befindet sich aus Platzgründen in einem anderen Haus. Es soll künftig im Keller unter dem Anbau beim Schützenhaus Platz finden.

Von den rund 2 Millionen Franken teuren Bautätigkeiten werden nicht nur die – schweizweit – rund 700 Hünenberger Korporationsbürger profitieren. Zum Anbau gehören auch zwei rollstuhlgerechte, öffentlich zugängliche Toiletten. Gemäss Beat Suter würde sowohl von Besuchern gelegentlicher Gesellschaften auf dem angrenzenden Lindenplatz als auch von Gästen des Restaurants Wart eine Nachfrage danach bestehen.

Welche Farbe hatte das Originalgebäude?

Die im vergangenen März erfolgte Unterschutzstellung durch die kantonale Denkmalpflege war die Voraussetzung für die Umnutzung des Schützenhauses. Die ersten Gespräche zwischen dem Amt und der Korporation Hünenberg fanden vor fast sieben Jahren statt. «Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm», sagt Beat Suter. Auch die Einwohnergemeinde steht den Plänen positiv gegenüber. Im Dezember 2018 sprach sich die Bevölkerung für die Schaffung einer Ortsbildschutzzone Wart aus.

Eine Knacknuss bei der Planung der Gebäudesanierung war die künftige Farbgebung. Diese sollte sich so nah wie möglich an das Original von 1686 anlehnen. Wie diese Farbe aussah, habe sich allerdings nicht mehr herausfinden lassen. Der Bauchef Suter sagt:

«Eine darauf spezialisierte Firma machte
acht Anstriche aus, der älteste liegt etwa 150 Jahre zurück.»

Die neue Farbe werde unauffällig sein, damit nicht vom aufwendig bemalten, gegenüberliegenden Gesellenhaus abgelenkt werde.

Die Bemühungen der Korporation verdeutlichen den Wert des heute fernab vom Dorfkern gelegenen Weilers Wart für Hünenberg. Dieser lag an der jahrhundertelang benutzten Hauptverkehrsachse von Luzern nach Zürich und war das erste Zentrum der späteren Gemeinde. Hier sagten sich die Hünenberger 1799 von Cham los.

Einst war eine Feuerspritze im Haus

Das Schützenhaus war damals noch im Topzustand. Denn im Jahr 1797 war es erneuert worden. Das geht aus der Unterschutzstellungsverfügung der kantonalen Denkmalpflege hervor. Es wird vermutet, dass das zweiflügelige Tor auf der Nordseite in Richtung St. Wolfgang damals eingebaut wurde. Dies, um das Haus als Feuerspritzengebäude zu nutzen, wie es aus späterer Zeit belegt ist.

Künftig wird das Schützenhaus also erneut umgenutzt werden. Die Korporation Hünenberg plant darüber hinaus, auch die grosse Scheune des südlich angrenzenden Hofs Wartrain umzubauen, in diesem Fall zu Wohnzwecken. Dies setzt ebenfalls die Unterschutzstellung voraus, gemäss Beat Suter ist ein entsprechender Studienauftrag in Arbeit

Und auch für das Nebengebäude des Gesellenhauses sind Neuerungen vorgesehen: Es soll in einer noch zu bestimmenden Weise in den Restaurantbetrieb integriert werden.


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