Im Tierheim führte ein Kommunikationsstau zur Auswechslung des ganzen Personals

ALLENWINDEN ⋅ Der Tierschutzverein des Kantons Zug bietet in Allenwinden Tieren aller Art seit 2003 eine Bleibe. Nachdem die Vereinsführung 2019 wechselte, kam es zwischen dem Personal und der Führungsmannschaft zu Reibereien. Die Meinungen über den Ablauf dieser Phase gehen fast diametral auseinander.

17. April 2021, 13:54

Marco Morosoli

 

Der Tierschutzverein Zug führt gemäss seiner Website seit 2003 ein Tierheim in Allenwinden und eine Hundestation in Neuheim. Beinahe 10'000 Tiere aller Gattungen verbrachten dort zwischen Anfang 1999 und Ende 2020 eine bestimmte Zeit. Fachpersonal, so ist auf der Website zu lesen, kümmere sich «professionell und liebevoll» um die Versorgung und «bestmögliche Neuplatzierung» heimatloser Haustiere.

Die Vereinsziele für die tierische Kundschaft seien jedoch im Personalbereich dieser gemeinnützigen Institution mit Füssen getreten worden. Dies sagt Bettina Noll (Name der Redaktion bekannt). Neben sich auf dem Tisch hat die Frau ein dickes Dossier. Darin stehe alles über den Fall «Tierheim». Es sei chronologisch geordnet. Sie erzählt jedoch in freier Sprache, was sich im Tierheim in Allenwinden alles im vergangenen Jahr abspielte. Der Auslöser des Zerwürfnisses sei, so Noll, für sie immer noch nicht nachvollziehbar. Sie und ihre Kolleginnen hätten den Präsidenten des Tierschutzvereins Zug, Stefan Werner, wiederholt auf die Unzulänglichkeiten hingewiesen – aber auf der Gegenseite habe sich nichts bewegt.

Spannungen zwischen Mitarbeitern und Vereinsführung stiegen beständig an

Aufgrund dieser Gesprächsverweigerung sei sie mit ihren Kolleginnen übereingekommen, einen Brief an die strategische Leitung des Tierheims zu richten. Die Idee dahinter: «Wir wollten einfach reden.» Dazu kam es aber nicht. Vielmehr hätten die Organe des Tierschutzvereins, so Bettina Noll, «auf die Frau gespielt». Durch diese Gemengelage stiegen die Spannungen zwischen der Vereinsleitung und ihren Mitarbeitern. Das Ergebnis: Innerhalb von drei Monaten kündigte der Verein allen Mitarbeiterinnen, wenn sie nicht schon aus eigenem Antrieb diesen Schritt vollführten. Es kam zu zwei Kündigungen, zudem wurde ein Lehrvertrag aufgelöst. Eine beteiligte Fachkraft sagt, dass rechtlich alles knapp korrekt abgelaufen sei, aber in Bezug auf die menschliche Ebene treffe diese Feststellung nicht zu.

Wie in solchen Fällen üblich, hat der Arbeitgeber, der Tierschutzverein-Zug-Präsident Stefan Werner, eine andere Sicht der Dinge. Er sagt mit den Vorwürfen konfrontiert: «Es stimmt, dass es zur beidseitigen Beendigung von Arbeitsverhältnissen gekommen ist.» Er will auch festgehalten haben:

«Bedauerlicherweise konnten trotz intensiver Bemühungen durch den Vorstand und behördliche Stellen keine einvernehmlichen Lösungen gefunden werden.»

Zudem liege es in der Natur der Sache, dass «Kündigungen auch mit rechtlichen Folgen verbunden sind». Dies sei «nichts Aussergewöhnliches».

Stefan Werner räumt ein, dass die Vereinsleitung «die Folgen der Kündigungen «als letzte Möglichkeit sehr wohl abgewogen» habe. Auch bemerkt Stefan Werner, dass «die rechtlichen Vorgaben vollumfänglich eingehalten» worden seien. Vor allem mit Vehemenz sagt er: «Von dem Vorwurf, Gespräche verweigert zu haben, muss ich mich sowie auch der Vorstand und für die zuständigen Behörden in aller Form distanzieren, dies belegen zudem diverse schriftliche Unterlagen.»

Präsident verteidigt das Vorgehen bei der Auflösung der Arbeitsverhältnisse

Gemäss Stefan Werner habe der Verein auch versucht, das Lehrverhältnis mit einer Mitarbeiterin weiterzuführen. Hierzu war der Verein insbesondere im engen Kontakt mit dem Berufsbildungsamt des Kantons Zug. Die Bestrebungen seien «jedoch ins Leere» gelaufen. Alles in allem, so fügt Werner an: «Auch dieser Kündigungsprozess ist rechtlich korrekt abgelaufen. Wir haben als Verein Gesetz und Vertrag zu jedem Zeitpunkt eingehalten. Die Auflösung des Lehrverhältnisses wurde durch das kantonale Berufsbildungsamt genehmigt.»

Fakt ist: Gemäss der Website des Tierschutzvereins Zug sind alle Chargen bei der Tierpflege in der Station in Allenwinden wieder besetzt. Wohl noch in diesem Jahr könnte die gemeinnützige Institution das 10'000. Tier in seine Obhut nehmen. Seit 1999 hat der Verein in seinen Einrichtungen 9340 Tiere betreut. Es handelte sich dabei um 4855 Katzen, 1252 Hunde, 1531 Vögel und 1702 andere Kleintiere.

Womöglich könnte eine Erkenntnis des Wissenschafters Paul Watzlawick (1921–2007) über Kommunikation für alle hilfreich sein, welche die Zuger Ombudsfrau in ihrem neusten Jahresbericht erwähnt: Ein typischer Fehler in der Kommunikation ist, bei Missverständnissen nach einem Schuldigen zu suchen, anstatt sich um Lösungen zu bemühen.


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