Christian Glaus
Schulden machen – und damit auch noch Geld verdienen: Das ist in Zeiten von Negativzinsen möglich. Wie das geht, veranschaulichen in der Zentralschweiz vor allem die Kantone Zug und Luzern. Die flüssigen Mittel halten sie tief. Benötigen sie kurzfristig Geld, nehmen sie Kredite auf – und erhalten dafür Zinsen oben drauf. Der Kanton Zug als Spitzenreiter in der Zentralschweiz nimmt dieses Jahr dank Negativzinsen 1,7 Millionen Franken ein.
Mit dem Schuldenmachen Geld zu verdienen, ist zwar absurd. Doch solange die Finanzwelt Kopf steht, sollen Gemeinden und Kantone diese Möglichkeit auch nutzen. Die öffentliche Hand hat den Auftrag, mit den Steuergeldern, die sie von Unternehmen und uns Einwohnern erhält, sorgsam umzugehen. Dazu gehört auch, dass sie das Geld richtig, also Gewinn bringend, verwaltet.
Dennoch müssen die Finanzdirektoren und -verwalter vorsichtig bleiben. Wenn das Schuldenmachen finanziell belohnt wird, entstehen Fehlanreize. Die Begehrlichkeiten, dank günstigem Zinsumfeld auf Pump zu investieren, dürften steigen. Es besteht die Gefahr, dass die öffentliche Hand zu viel Geld aufnimmt. Denn jeder Kredit muss refinanziert werden. Steigen künftig die Zinsen wieder, kann dies unangenehme Folgen haben. Ob die Gemeinden und Kantone tatsächlich von den Negativzinsen profitieren, zeigt sich deshalb erst, wenn die Nationalbank von ihrer aktuellen Zinspolitik abrückt.