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Interview

Winterstrom macht Rechnung teurer

Weshalb zahlt man im Wasserschloss Uri mehr für den Strom? Werner Jauch, CEO von EWA Energie Uri, erklärt, weshalb die Preiserhöhung nötig ist.

Ur-Strom: Mit diesem Label verkauft EWA Energie Uri «Strom aus 100 Prozent Urner Wasserkraft». Wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt, profitieren sämtliche Kundinnen und Kunden davon. Doch weshalb steigen nun auch in Uri die Strompreise? CEO Werner Jauch nimmt Stellung.

Werner Jauch, ist Ur-Strom eine Mogelpackung?

Werner Jauch: Das ist es definitiv nicht. Bei Ur-Strom stammen 100 Prozent aus Urner Wasserkraft. Wir haben seit Jahren immer wieder kommuniziert, dass unsere Eigenproduktion nicht für alle Kundinnen und Kunden – inklusive der Grosskunden – reicht, sondern dass wir von anderen Kraftwerken Strom zukaufen müssen, insbesondere in den Wintermonaten. Energie Uri hat keine saisonalen Speicherkraftwerke und auch keine Kernenergie-Anteile. Deshalb müssen wir merklich Winterenergie zukaufen. Es ist für mich verständlich, dass man sich die Frage stellt, wieso man im Wasserschloss Uri mehr für den Strom bezahlen muss. Wichtig fürs Verständnis ist der Unterschied zwischen der physikalischen Stromlieferung und der Stromqualität.

Worin liegt dieser Unterschied?

Physikalisch ist Strom immer gleich – egal, ob aus Wasserkraftwerken, Windanlagen, FV-Anlagen oder Kernenergie. Er wird viertelstündlich bilanziert. Ur-Strom ist eine Stromqualität, bei der eine Jahresbilanzierung erfolgt. Jede Kilowattstunde, die EWA Energie Uri mit Wasserkraft produziert, kann es auch als solche verkaufen. Zusammen mit dem Zukauf aus anderen Urner Wasserkraftwerken ist unter dem Strich genügend Wasserkraft-Stromqualität für alle unsere Urner Kundinnen und Kunden vorhanden. Dies ist ein vorgebendes Standardverfahren, welches in der gesamten Schweiz für alle Stormqualitäten wie Wind, Wasser, Sonne so angewendet wird.

Zur Erklärungsgrafik: Physikalischer Strom versus Stromqualität

Was sorgt nun für die höheren Preise?

Den eigenen Strom geben wir zu den Gestehungskosten unseren Kundinnen und Kunden weiter. Den zusätzlichen Strom aus anderen Werken müssen wir aber zu Marktpreisen einkaufen. Bewegten sich diese zuvor auf dem ähnlichen Niveau, sind die Marktpreise nun exorbitant gestiegen. Diese Mehrkosten müssen wir weitergeben. Die Qualität ist aber nach wie vor sichergestellt. Im Übrigen handeln wir den Strom nicht über die Börse, sondern direkt Over-the-Counter, sprich mit unseren Partnern.

Dann kommt Uri verglichen mit anderen gut weg?

Wir sind uns bewusst, dass die Preiserhöhung spürbar ist. Für Vergleiche braucht es jedoch einen detaillierten Blick auf das Beschaffungs- und Verbrauchsprofil anderer Unternehmen. Solche mit Speicherwasserkraft oder Kernenergie haben eine deutlich tiefere Fremdbeschaffung im Winter und dadurch auch deutlich tiefere Kosten. Wir haben keine Speicherkraftwerke und keine Kernenergie-Anteile.

Profitiert EWA Energie Uri selber von den höheren Preisen?

Unser Preis in der Grundversorgung setzt sich zusammen aus der zugekauften Energie, unserer Eigenproduktion und einer Abwicklungspauschale. Bei der massiv teureren zugekauften Energie geben wir lediglich die höheren Kosten weiter.

In einer Medienmitteilung lassen Sie durchblicken, dass das Kraftwerk Lucendro in der aktuellen Situation helfen würde. Wie meinen Sie das?

Wenn wir das Kraftwerk Lucendro übernehmen können, gehört dieses zu unserem Kraftwerkpark. Das heisst, wir müssen weniger fremden Strom zu den hohen Marktpreisen zukaufen, sondern müssen den Kundinnen und Kunden nur die Gestehungskosten verrechnen. Wenn die Lage so ist wie jetzt, wird die Eigenproduktion zum Trumpf. Zudem macht Lucendro einen merklichen Anteil an Winterenergie aus. Wir würden somit unabhängiger von anderen Stromproduzenten.

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