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Kanton Zug

Vorhang auf für’s Amateurtheater – Vereine sind nach den Pandemiejahren vorsichtig optimistisch

An der 44. Präsidentenkonferenz der Theatervereine tauschten sich die Anwesenden in Neuheim aus und stellten ihre Programme vor.

Seit vielen Jahrzehnten bilden die Schweizer Amateurtheater den reichen und lebendigen Bodensatz der hiesigen Bühnenkultur. Wie alle Kulturbetriebe waren auch sie von Corona massiv betroffen und mussten in den Jahren 2020 und 2021 für geplante und abgebrochene Produktionen vielfach Bundeshilfe in Anspruch nehmen.

Dass nun das Theaterspiel langsam wieder Texte, Kostüme und Schminke hervorkramen darf, um den Sprung auf die Bühne zu wagen, war am Montagabend im Restaurant Schäfli in Neuheim deutlich zu spüren.

Insgesamt elf der 15 eingeladenen Theatervereine des Kantons Zug schickten ihre Vertreter zur 44. Präsidentenkonferenz, um sich auszutauschen und von ihren diversen neuen Theaterplänen und -projekten zu berichten. Eingeladen hatte der interimistische Kantonsvertreter Gustav Ziegler, Gastgeber war Thomas Bättig von der Theatergruppe Neuheim.

Nicht in Konkurrenz zueinander

Jährliche Präsidentenkonferenzen gibt es in allen Kantonen. Sie dienen ursprünglich zur Vermeidung von Doppelgleisigkeit in der Stückwahl. Denn die vorwiegend dialektalen Stücke – Textlieferanten sind die beiden einschlägigen Volkstheaterverlage Elgg und Breuninger – sollen ja ein zahlreiches Publikum anziehen und sich daher nicht gegenseitig konkurrenzieren. Aus diesem Grunde verteilen die Theatervereine ihre Auftrittszeiten auch über das ganze Jahr.

In der Regel sind dörfliche und städtische Theatervereine im Regionalverband Zentralschweizer Volkstheater (RZV) vertreten, der wiederum Teil des überregionalen Zentralverbandes Schweizer Volkstheater (ZSV) ist.

Seit der Pandemie und angeregt durch das Bundesamt für Kultur BAK formt sich nun, so Gustav Ziegler, eine gesamtschweizerische Dachorganisation, die ab 2023 alle vier Sprachregionen zu einer einzigen Theaterstimme zusammenfasst – das TAS (Theater Amateure Schweiz).

Reichhaltiges Programm auch 2023

In Neuheim erzählten die rund 30 Anwesenden angeregt von ihren Erfahrungen mit der Pandemie und den neuen Plänen. Viele mussten Proben abbrechen oder Aufführungen absagen. Einige wagten und wagen Experimente mit zeitlicher, personeller und materieller Reduktion (Theater Unterägeri mit «In Himmel wänd alli»; Theater Baar mit «Love Letters») oder mit ungewöhnlichen, der Distanz- und Maskenpflicht angepassten neuen Formaten (Stationentheater «Der Tag vor morgen» der Kulisse Zug).

Für 2023 sind nun viele neue Stücke projektiert, und erneut reicht die Palette vom heiteren Schwank (Seniorentheater St. Johannes Zug mit «Säg doch eifach ja!», Theatergruppe Neuheim mit «Lueged doch mal verbi», Theatergruppe des Männerchors Hagendorn mit «Das isch alles gloge») über Komödien («En Fall mit Zwüschefäll» des Theaters Menzingen, «Wenn’s 12 schlaat» der Theatergruppe Walchwil, «Achtung Bär!» der Theatergruppe Oberägeri) bis zum ernsthaften oder spannenden Autorenstück (Zuger Spiillüüt mit «Adele ist weg»). Je anspruchsvoller das Stück, umso mehr werden professionelle Regiepersonen beigezogen.

Erfolgreiche Kulisse Zug

Seit 2019 gibt es in Meiringen das fünftägige Volkstheaterfestival, das unter der Ägide des Zürcher Komikers Beat Schlatter aus dem schweizerischen Laientheater-Schaffen eines Jahres je acht Produktionen auswählt, vor überregionalem Publikum spielen und von Profis mit einem Wanderpreis, dem «Goldenen Meringue», jurieren lässt.

In der ersten Ausgabe des Festivals erhielt die Kulisse Zug gleich zwei Meringues: für die beste Schauspielerin und das beste Ensemble. Der in Neuheim die Kulisse Zug vertretende Paul Mächler berichtete begeistert von diesem Erlebnis und animierte die Kolleginnen und Kollegen dazu, sich selbst für die Teilnahme 2023 zu bewerben.

Zum Abschluss der Sitzung erinnerte Gustav Ziegler noch an das reiche Kursangebot des Zentralverbandes ZSV und durfte zu guter Letzt erfreut die Wahl eines neuen Vertreters der Zuger Theatervereine konstatieren: Thomas Müller von den Theaterlüüt Risch-Rotkreuz.

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