Ungebetene Gäste bereiten in Erstfeld Ärger

URI ⋅ Im Aecherli in Erstfeld ist es mit der Ruhe vorbei, denn dort kämpfen die Quartierbewohner seit Wochen gegen eine regelrechte Invasion von ungeliebten Tierchen.

20. Juli 2018, 18:45

Paul Gwerder

Paul Gwerder

Paul Gwerder

Das Aecherliquartier oberhalb der reformierten Kirche in Erstfeld gilt als eines der beliebtesten Wohnquartiere im Eisenbahnerdorf. Nun ist es dort aber mit der Ruhe in vielen Häusern vorbei, denn schon frühmorgens machen die Bewohnerinnen und Bewohner mit Gasbrennern, Giftflaschen, Salz oder Reisbesen Jagd auf die unliebsamen Schnurfüsser, die zu den Tausendfüsslern gehören und sich dort oben «angesiedelt» haben. Zu Hunderten krabbeln diese Tierchen die Hauswände hoch, dringen in Garagen ein oder zerstören die frischen Setzlinge in den Gärten des Quartiers.

Grundsätzlich gilt der Tausendfüssler nicht als Schädling, aber die Tierchen sind wegen ihres intensiven und widerlichen Geruchs äusserst ungeliebt und zehren an den Nerven der Hausbewohner. Kurz: Sie sind für die Bewohner «eifach nur grüüsig». Es ist aber nicht nur das genannte Quartier betroffen, sondern auch an zahlreichen Gebäuden in der nördlich gelegenen Kolonie gibt es unzählige dieser Tierchen, bestätigte die Präsidentin der Genossenschaft, Carmen Enz.

Jeden Tag zwei Stunden auf Käferjagd

Eine der von der Schnurfüsserplage betroffenen Personen ist Vreny Cencig. Sie bewohnt ein Haus, das von einem riesigen und sehr gepflegten Garten umgeben ist. «Ich bin langsam mit den Nerven am Ende», erklärt sie. «Jeden Tag von morgens 6 bis 8 Uhr mache ich seit anfangs Sommer nichts anderes mehr, als auf ‹Käferjagd› zu gehen. Zuerst muss ich mit einem Besen die Hauswände runterwischen, danach kille ich die Tausendfüssler auf der Terrasse und wechsle die Klebebänder, die jeden Tag voll von diesen Tierchen sind. Danach nehme ich den Gasbrenner und verbrenne die Tierchen, welche sich zwischen den Spalten und Nischen der Mauern versteckt halten.» Weiter hat Vreny Cencig festgestellt, dass es jedes Jahr schlimmer wird, denn die ersten Tausendfüssler hat sie bereits vor vier Jahren gesehen.

«Gegen diese Viecher ist kein Kraut gewachsen»

Auch viele Nachbarn von Vreny Cencig ärgern sich grün und blau. Einer von ihnen ist Architekt Orlando Baldelli: «Ich habe hier bei mir rund ums Haus tagtäglich Tausende dieser widerlichen Tausendfüssler, und zum Teil schleichen diese sogar bis in die Wohnung. Und das Schlimme für mich ist, dass scheinbar niemand für diese Plage zuständig ist» (siehe Box). Baldelli vermutet, dass die Tierchen irgendwann mit importierter Erde hierher gelangt sind. Der Erstfelder Architekt hat auch schon einen «Kammerjäger» beauftragt. Diese Massnahme war für Baldelli nicht ganz billig. Dessen Mittel haben zwar eine gewisse Zeit lang gewirkt. Doch nun muss er feststellen: «Gegen diese Viecher ist tatsächlich kein Kraut gewachsen, denn man muss das Haus fast verbarrikadieren und jedes Fenster und jede Türe geschlossen halten.»

Warten auf kältere Monate

Die Hausbesitzer sind recht erfinderisch geworden, was den Kampf gegen die Schnurfüsserinvasion betrifft. Besonders beliebt ist das Ausstreuen von Salz. Dies hat aber den Nachteil, dass das Gras oder die Haustiere darunter leiden. Andere versuchen es mit Kalk oder Steinmehl – aber auch das nützt nicht all zu viel. «Am sichersten und garantiert tödlich ist mein Gasbrenner», betont ein anderer Bewohner. Besonders wirksam sind die doppelseitigen Teppichklebebänder, auf denen die Tiere haften bleiben. Leider sind alle diese Aktionen nicht nachhaltig, denn am nächsten Tag sind wieder Abertausende der Tiere da, und niemand weiss, woher sie überhaupt kommen. Vorläufig müssen die Bewohner mit der Plage leben – und auch mit dem ekligen, dem Popcorn-Knacken ähnlichen Geräusch, das man hört, wenn man auf die Schnurfüsser tritt. Der einzige, wenn auch kleine Trost für die Betroffenen: Im Herbst wird es kälter, dann verschwinden die Tausendfüssler wieder. Und mindestens bis zum nächsten Jahr herrscht dann Ruhe.


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