Klausenrennen – Der Mythos lebt virtuell weiter

URI ⋅ Wer mit dem Rennboliden wie Caracciola, Stuck, Nuvolari und Co. von Linthal zum Klausen donnern will, kann dies genau 100 Jahre nach der Premiere tun – allerdings nur im Simulator.

29. August 2021, 18:19

Bruno Arnold

Bruno Arnold

Bruno Arnold

Von 1922 bis 1934 jagten die besten Rennfahrer der Welt im Mercedes Silberpfeil, im Auto Union, im Bugatti oder auch im Alfa Romeo von Linthal hinauf bis zum Ziel auf dem Klausenpass. Mit bis zu 200 Sachen donnerten Rudolf Caracciola, Hans Stuck, Tazio Nuvolari, Achille Varzi, Whitney Straight, Louis Chiron und Co. über den Urnerboden. Sie liessen die Kompressoren aufheulen, warfen ihre gewaltigen Boliden in die imposanten Kehren der Naturstrasse zwischen Linthal und der Passhöhe.

Das zwischen 1922 und 1934 insgesamt zehn Mal ausgetragene Klausenrennen war das mit Abstand bekannteste und schwerste Bergrennen der damaligen Zeit. Kein anderer Anlass faszinierte Zuschauer und Rennfahrer dermassen stark wie das Treffen der Giganten auf der 21,5 Kilometer langen Strecke zwischen Linthal und der Passhöhe. Mit seinem Mercedes W25 stellte Rudolf Caracciola bei der letzten Auflage im Jahr 1934 auf der mehrheitlich unbefestigten Strasse aus Schotter und Pflastersteinen eine unglaublich anmutende Rekordzeit auf: Nur gerade 15 Minuten und 22 Sekunden benötigte der damals erfolgreichste Fahrer Europas, um die 1237 Höhenmeter und die 136 Kurven zu bewältigen.

Ein Stück Schweizer Geschichte erhalten

Am 25. Juli 1993 erlebten die Klausenrennen mit der ersten Memorial-Auflage eine Wiedergeburt. 1998, 2002 und 2006 folgten drei weitere Grossevents. 2013 donnerten die Oldtimer beim 11. Internationalen Klausenrennen zum bisher letzten Mal rennmässig Richtung Passhöhe. Am 27. August 2022 jährt sich die Erstauflage des Klausenrennens zum 100. Mal. Das Jubiläum dürfte allerdings ohne Rennveranstaltung auf der Originalstrecke zwischen Linthal und dem Klausenpass über die Bühne gehen. Trotzdem wird für Klausenrennen-Feeling gesorgt sein. Die Racing Fuel Academy AG (RFAG; www.racingfuel-academy.com) wird nämlich am 27. August 2022 das 1. virtuelle Klausenrennen durchführen. «Wir wollen mit unserem Angebot ein Stück Schweizer Geschichte erhalten», erklärte Geschäftsführer Wani Finkenbohrer an der Medienkonferenz vom vergangenen Freitag in Linthal. «Der Mythos Klausenrennen soll weiterleben, jetzt auch virtuell.»

Fahren im Simulator will gelernt sein

In den RFAG-Fahrsimulatorcentern (www.race-centers.ch) kann jedermann ab dem 27. September im Rahmen der Klausenrennen-Challenge sein rennfahrerisches Können unter Beweis stellen respektive auf Zeitenjagd gehen, um sich für den Final der voraussichtlich 100 Besten zu qualifizieren. In den Testcentern werden die Teilnehmer auf eine aktuelle Klausenrennen-Version mit befestigter Strecke geschickt. Zudem stehen für das virtuelle Rennen über 100 Fahrzeuge – darunter auch Mercedes W25, Auto Union, Bugatti Typ 35 – zur Auswahl. Dass die Fahrt im Simulator alles andere als einfach ist, konnten die Gäste am Event vom vergangenen Freitag im Hotel Klausenpass 1:1 erleben. Nicht wenigen «Rennfahrern» brach das Heck des Auto Union immer wieder aus, und sehr oft endete das zu späte Einlenken bereits nach wenigen Metern Fahrzeit mit einem gewaltigen Aufprall an einer der Mauern entlang der Rennstrecke.

Originalversion aus den 1930er-Jahren geplant

«Wir haben rund 1000 Stunden investiert, um die Rennfahrer auf dem Bildschirm in eine möglichst echt erscheinende Rennstrecken-Gegend auf der heutigen Strasse eintauchen lassen zu können», hielt Finkenbohrer am vergangenen Freitag fest. Zudem versprach er: «Pünktlich zum 100-Jahr-Jubiläum respektive zum 1. virtuellen Klausenrennen vom 27. August 2022 wird auch eine Originalversion aus den 1930er-Jahren mit teils gepflasterter, aber meist unbefestigter Piste erstellt.» Den schnellsten Fahrern des 1. virtuellen Klausenrennens winken attraktive Preise. So gewinnt etwa der Sieger einen Gutschein für eine Übernachtung für zwei Personen in der Suite des neuen Hotels Klausenpass inklusive Frühstück.


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