«Helfen, die Gräben zuzuschütten»: Die Pandemie fordert die Urner Amtsleute

URI ⋅ Zum 406. Mal treffen sich die Urner Staatsbeamten anlässlich des Amtsleutetags zu einer Feierstunde – dieses Jahr mit strikten Vorschriften. Dabei wählten sie ein neues Oberhaupt.

21. Oktober 2021, 18:11

Urs Hanhart

Es ist eine über 400-jährige Tradition, dass sich die Urner Staatsbeamten einmal im Jahr – in der Regel Ende Oktober am Donnerstag nach St.Gallus – zu einer Feierstunde treffen. Vor Jahresfrist musste dieses Stelldichein jedoch wegen der Coronapandemie abgesagt beziehungsweise verschoben werden. Die 406. Auflage des sogenannten Amtsleutetags wurde am Donnerstag nachgeholt, allerdings mit strikten Vorgaben. Teilnehmen durften nur jene, die ein gültiges Covid-Zertifikat vorweisen konnten.

Ansonsten präsentierte sich das Programm wie eh und je. Zunächst besuchten die Amtsleute einen von Pfarrer Daniel Krieg geleiteten Gottesdienst in der Kirche St.Martin in Altdorf. Anschliessend gab es einen Einzug zum Uristiersaal der Dätwyler AG. Zwischen traditioneller Bündner Gerstensuppe und Hauptgang wurde dort die Bruderschaftsversammlung abgehalten, zum letzten Mal geleitet vom abtretenden Vogt Markus Frösch.

Im Zentrum standen dabei die Wahlen. Zur neuen Vögtin wählten die Versammelten turnusgemäss die vormalige Brettmeisterin Antonella Valente. Als neue Brettmeisterin rückte Rebekka Mattli nach, und als erster Revisor Michael Morg. Neu Einzug im Vorstand als zweiter Revisor hielt David Zurfluh.

Irritierenden Anfeindungen ausgesetzt

Frösch, dessen Amtszeit als Vogt wegen des letztjährigen Ausfalls nicht wie gewohnt nur zwei, sondern drei Jahre dauerte, ging in seiner Begrüssung auf die Auswirkungen der Pandemie ein. Er betonte, dass die letzten anderthalb Jahre viel mit unserer Gesellschaft gemacht hätten. «Wir als Angestellte im Kantonsspital, der Kantonalbank oder der kantonalen Verwaltung wurden dabei ungefragt in Rollen gedrängt, die wir vielleicht gar nie gesucht oder so nie gewollt haben.»

Trotzdem hätten sie diese ausführen müssen, denn ihre Aufgabe sei es, der Bevölkerung auch trotz vorhandener Widrigkeiten die gewohnten Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. «Dabei trotz vielem Zuspruch dann plötzlich Anfeindungen ausgesetzt zu sein – die man davor nicht kannte – kann zumindest irritieren.»

Aber als Urner Staatsbeamte wisse man damit umzugehen. Im Weiteren unterstrich Frösch: «Wir dienen als Angestellte im Kanton Uri sehr hohen Prinzipien. Und wir tun dies alle mit unseren besten Kräften, einem grossen Engagement und der Ausdauer von Marathonläufern.» Der abtretende Vogt gab sich überzeugt, dass die Amtsbruderschaft gerade in schwierigen Zeiten an Wichtigkeit gewinne. Das habe sich auch schon früher gezeigt.

Mithelfen, die Gräben zuzuschütten

Auch Landammann Urban Camenzind widmete sich in seiner «obrigkeitlichen Ansprache» dem gleichen Thema und sagte: «Ich finde es sehr schön, dass nach bald einmal zwei Jahren Covid wieder solche Anlässe durchgeführt werden, wenn auch mit mehr Aufwand. Aber für unsere Gesellschaft und Gemeinschaft ist es wichtig, dass wir uns wieder treffen, uns austauschen und diskutieren – persönlich vor Ort, analog und nicht am Bildschirm.»

Camenzind nutzte seinen Auftritt, um den Amtsleuten für die in den letzten fast zwei Jahren geleistete, grosse zusätzliche Arbeit Danke zu sagen und eine Bitte anzubringen: «Helfen Sie mit, dass Familienfeste wieder gefeiert werden, Schwingfeste wieder durchgeführt werden und politische Diskussionen wieder stattfinden. Das ist wichtig und trägt hoffentlich dazu bei, dass die Gräben in der Gesellschaft wieder zugeschüttet werden.»

Mit der Teilnahme am Amtsleutetag seien die Anwesenden diesbezüglich auf dem richtigen Weg. Zum Schluss wünschte der Landammann den Versammelten «nicht zu viel Streit, einige interessante Diskussionen und viele interessante Gespräche».


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