Forschungsbericht: Mehr regionales Denken nötig

URI ⋅ Der Kanton Uri steht bezüglich Erreichbarkeit von Versorgungsinfrastrukturen in vielen Bereichen gut da. Gefragt sind aber Kombinationen von Dienstleistungen.

15. September 2018, 00:33

Bruno Arnold

2016 hat die Post angekündigt, auch die bisher mit eigenem Personal betriebenen Poststellen in Schattdorf, Bürglen und Wassen zu überprüfen und allenfalls umzuwandeln. Dagegen formierte sich breiter Widerstand. In Wassen wurden Unterschriften gegen die drohende Schliessung der Poststelle gesammelt. Der Urner Gemeindeverband lehnte weitere Einzelbetrachtungen von Poststellen ab. Er forderte eine Gesamtbetrachtung des Raums.

Um im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit der Post Grundlagen für eine gute Lösung zu erhalten, hat der Urner Gemeindeverband beim Institut für Raumentwicklung der Hochschule Rapperswil HSR eine Forschungsarbeit in Auftrag gegeben. Sie diente aber auch dazu, die Versorgungsqualität in Uri regional und gesamthaft zu betrachten, auf heutige sowie künftige Defizite im Versorgungsnetz hinzuweisen und diesen zu begegnen. An der Konferenz der Urner Gemeindepräsidien von gestern Freitag in Gurtnellen stellte Kantonsplaner Marco Achermann vom Amt für Raumentwicklung des Kantons Uri die Ergebnisse dieses Forschungsberichts vor. Unsere Zeitung hat sich mit ihm unterhalten.

Marco Achermann, wieso war dieser über die Poststellen hinausgehende Forschungsbericht nötig?Wir haben bereits ganz am Anfang festgestellt, dass wir die Poststellen nicht isoliert anschauen können, wenn es um die Betrachtung der Erreichbarkeit von Versorgungsinfrastrukturen im Kanton Uri geht. Poststellen sind nur ein Teil von Dienstleistungen und Versorgungen, die für die verschiedenen Regionen wichtig sind. Deshalb galt es, eine Gesamtschau vorzunehmen. Das war der Auslöser, um die Hochsuhle Rapperswil HSR mit der Studie zu beauftragen.Welche Bereiche wurden konkret betrachtet?Wir haben neben der Post die Güter des täglichen Bedarfs angeschaut, beispielsweise im Detailhandel. Dann wurde aber auch die Erreichbarkeit in den Bereichen Gesundheit, und zwar am Beispiel der ärztlichen Versorgung, Soziales am Beispiel der Alters- und Pflegeheime und Bildung am Beispiel der Urner Primarschulen genauer betrachtet. Für die Untersuchung der Qualität wurden Siedlungseinheiten gebildet, die über Verkehrswege verbunden sind. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, welche Konsequenzen der Wegfall einer Infrastruktur haben könnte. Kann man aufgrund der Studie ein grundsätzliches Fazit ziehen, wie es mit der Erreichbarkeit der Versorgungsinfrastrukturen Kanton Uri aussieht?Ein erfreuliches Fazit, das man sicher ziehen kann: In Uri haben wir seine relativ breite Versorgung in vielen Bereichen. Bei Schulen oder auch bei den Alters- und Pflegeheimen hat man schon vor vielen Jahren damit angefangen, Zusammenarbeiten aufzugleisen und auch umzusetzen und dabei spezifische Lösungen in den Regionen zu finden. Im Bereich der Läden respektive des Detailhandels ist das Netz der Dienstleistungen noch immer relativ kleinmaschig. Hier sind die Gemeinden sicher gefordert, ebenfalls massgeschneiderte Lösungen zu finden, die über das Dorf hinausgehen.Heisst das: In Uri fehlt das regionale Denken in gewissen Bereichen noch immer?Eine regionale Sicht zeigt am besten, wo es Dienstleistungen hat, die nicht nur für eine Gemeinde wichtig sind, sondern für einen grösseren Raum wie beispielsweise den Talboden rund um Altdorf, das obere Reusstal oder das Urserntal. Die Lösungen zur Verbesserung der Abdeckung, wenn es zum Beispiel um Läden oder um andere Dienstleistungen geht, muss man aber vor Ort suchen. Denn dort hat es Liegenschaftseigentümer oder auch Gewerbetreibende, die zwar unterschiedliche, aber durchaus kombinierbare Dienstleistungen anbieten. Und nicht zuletzt sind dort die Leute zu finden, welche die Bedürfnisse der Bevölkerung am besten kennen und das nötigen Know-how für eine ideale Umsetzung von übergemeindlichen Projekten im Bereich der Infrastrukturen haben. Lösungen findet man nach wie vor lokal, aber man darf den Blickwinkel ganz einfach nicht zu eng fassen. Das hat das Beispiel Post mit Wassen, Schattdorf und Bürglen deutlich gezeigt.Was können die Gemeindevertreter für ihre eigenen Gemeinden aus dieser Studie ziehen? Sie sehen, wo in ihren Gemeinden Handlungsbedarf besteht. Ihnen wird aber auch aufgezeigt, wo sich Probleme ergeben könnten, wenn aktuell bestehende Infrastrukturen, für die es in der Gemeinde keine oder noch keine Alternativen gibt, in Zukunft wegfallen würden, beispielsweise wegen einer fehlenden Nachfolgeregelung. Was sie dank der Studie ebenfalls in ihre Arbeit in den Gemeinden einfliessen lassen können: Sie werden erkennen, dass es wichtig ist, bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten Kombinationen der untersuchten Bereiche zu finden, von der Gesundheit über die Versorgung bis hin zur Post. Denn solche übergreifenden Lösungen sind darauf angewiesen, dass man möglichst viele Kunden hat respektive dass möglichst viele Leute eine vorhandene Infrastruktur auch nutzen.

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