Der Frühlingsputz der Urner Bäuerinnen war dieses Jahr weniger gefragt

URI ⋅ 2015 gewannen die Urner Bäuerinnen mit ihrem Haushaltsservice den mit 40'000 Franken dotierten Prix Montagne. Was ist eigentlich aus dem Geld geworden?

12. August 2020, 17:32

Christian Tschümperlin

Christian Tschümperlin

Die emsigen Hauselfen aus Harry Potter würden erblassen vor Neid: Mit Besen oder Kochbuch bewaffnet, brechen sie fast jeden Morgen auf und tun Gutes. Ob kochen, putzen, Gartenarbeit oder Catering für Anlässe – die Urner Bäuerinnen sind mit ihrem Haushaltsservice stets zur Stelle, wenn man nach ihnen ruft. Für ihr Engagement gewannen sie 2015 den mit 40'000 Franken dotierten Prix Montagne. Der Preis zeichnet Hoffnungsträger im Schweizer Berggebiet aus. Was ist eigentlich aus dem Geld und den Urner Bäuerinnen geworden?

Verwaltungsratsvorsitzende Pia Marty empfängt die «Urner Zeitung» in der alten Post von Seedorf, wo die Urner Bäuerinnen 2016 ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben. Der ursprüngliche Plan, mit dem Geld ein Auto zu kaufen, wurde erst im Mai 2018 realisiert. «Den Löwenanteil von 30'000 Franken schütteten wir bereits 2015 als Bonus an unsere Mitarbeiterinnen aus», sagt sie. Auf die in jenem Jahr gerechneten 30'000 Stunden an geleisteter Arbeit ergab sich so ein Bonus von 1 Franken zusätzlich pro Stunde. «Wir sind nicht gewinnorientiert und wollten den Bäuerinnen etwas zurückgeben», begründet sie den Entscheid.

Marty blickt auf einen schwierigen Frühling zurück: «Die ersten Todesfälle im Kanton Uri führten zu einer Verunsicherung. Wegen Corona entgingen uns viele Aufträge», sagt sie. Die Krise fiel in eine Zeit, in der sonst viele Frühlingsputzeten anstehen. Auch dass im Zuge der Pandemie am Kantonsspital Uri weniger Behandlungen stattfanden, wird sich dieses Jahr negativ auf die Bilanz auswirken. «Wir hatten viel weniger Aufträge von Leuten, die nach einer Operation Haushaltshilfe beanspruchen.» Gemäss dem kantonalen Führungsstab Kafur hätten die Bäuerinnen unter Einhaltung des Schutzkonzeptes voll weiterarbeiten dürfen. Marty ist daher froh, dass der Bund Kurzarbeit gewährte.

Engpässe im Sommer

Für einige der 620 Bauernbetriebe im Bergkanton ist der Haushaltsservice ein wichtiges Zusatzeinkommen, das ausserhalb des eigenen Hofes erwirtschaftet wird. Weil viele Bäuerinnen im Sommer zur Alp gehen, entstehen in anderen Jahren aber auch Engpässe. Dann springt ab und zu auch Pia Marty ein: «Es ist ein Knochenjob, der hohen Standards genügen muss. Aber es schadet nicht, an der Basis zu sein», sagt sie.

Pia Marty, die 2014 in den Verwaltungsrat geholt wurde, ist trotz Corona zuversichtlich: «Wir hätten nie gedacht, dass es stetig aufwärtsgeht. Für den Haushaltservice ist weiterhin mit einer erfreulichen Entwicklung zu rechnen.»


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