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Luzern

Start der Berufs-WM: Luzerner Handwerkskunst in Russland

Im russischen Kazan starten am Donnerstag die Berufsweltmeisterschaften. Im Schweizer Team kämpfen vier Luzerner um die Medaillen.
Simon Herzog (Bild: PD)
Lukas Muth (Bild: PD)
Jérôme Hug (Bild: PD)
Fabian Hodel (Bild: PD)
Flavio Helfenstein (Bild: PD)

Ismail Osman

Ismail Osman

Ismail Osman

Ismail Osman

Ismail Osman

Ismail Osman

Luftlinie liegen Luzern und Kazan 3000 Kilometer von einander entfernt. In der russischen Stadt an der Wolga starten an diesem Donnerstag die World Skills – die Berufsweltmeisterschaften.

Die Schweiz spielt bei den Wettkämpfen, die alle zwei Jahre ausgetragen werden, jeweils vorne mit. Heuer ist man mit einer Delegation von 41 Teilnehmern angereist. Darunter sind auch vier Luzerner. Hier ihre «Steckbriefe»:

Der Konstrukteur

Name: Simon Herzog
Alter: 20 Jahre
Wohnort: Buchrain
Beruf: Konstrukteur EFZ
Arbeitgeber: Ruag Schweiz AG (Emmen)
Berufsstatus: Vor einem Jahr die Lehre abgeschlossen.




Wenn Simon Herzog seinen Beruf kurz und knapp erklären muss, dann tut er das so: «Ich stelle am Computer die Vorlagen und Modelle für Dinge her – etwa Einzelteile von Maschinen. Aus diesen Vorlagen wird der entsprechende Gegenstand dann realisiert.» Die Frage stellt sich, wie man so was Wettkampfmässig üben kann. Herzogs Antwort: «Zum einen stehen uns die Aufgaben vergangener Jahre zur Verfügung. Diese sind jeweils vergleichbar und geben einen guten Eindruck davon, was da kommen könnte.» Andererseits fanden, seitens des Berufsverbandes, auch öffentliche Trainings statt – etwa an der Luga. «Dort konnte man sich schon einmal daran gewöhnen, dass einem Leute bei der Arbeit über die Schulter schauen», sagt Herzog. Sein Ziel sei es, während seinen vier Wettkampftagen «saubere Arbeit» abzuliefern. Gelingt ihm das, könne er das Resultat – ob Spitzenplatz oder nicht – auf jeden Fall akzeptieren. «Vor allem aber bin ich froh, wenn es jetzt endlich losgeht», sagt Herzog.

Der Polymechaniker

Name: Lukas Muth
Alter: 19 Jahre
Wohnort: Luzern
Beruf: Polymechaniker CNC Drehen
Arbeitgeber: Ruag Aviation (Alpnach)
Berufsstatus: Vor einer Woche die Berufslehre abgeschlossen.





«Die grösste Herausforderung bei diesem Wettkampf ist für mich das Zeitmanagement», sagt Lukas Muth. Das habe sich in den fünf intensiven Trainingswochen deutlich gezeigt. «Man kann die Aufgaben schneller als die zur Verfügung stehende Zeit erledigen, aber es gewinnt ja nicht der, der am schnellsten fertig ist.» Im Gegensatz zum Sport kenne man bei diesem Wettkampf seine Konkurrenten nicht: «Man kann nur eines tun: sich voll auf sich selbst konzentrieren.» Der Puls sei im Moment noch sehr ruhig, die Aufregung komme dann aber schon noch, ist Muth sich sicher. Gezögert, bei dieser Berufs-WM mitzumachen, habe er keine Sekunde: «Das ist etwas absolut Einzigartiges. Man darf ja auch tatsächlich nur einmal mitmachen.» Zwar bedinge die Teilnahme, Zeit und Energie für die Vorbereitung zu investieren, die Chance aber könne man einfach nicht ausschlagen. «Für mich ist es vergleichbar mit dem Aufgebot für eine Olympiade, da muss man einfach Ja sagen!»

Der Maurer

Name: Jérôme Hug
Alter: 21 Jahre
Wohnort: Willisau
Beruf: Maurer Arbeitgeber: Aregger AG (Buttisholz)
Berufsstatus: Vor einem Jahr die Lehre abgeschlossen.




Mit Wettkampfsituationen kennt sich Jérôme Hug bestens aus – immerhin hat bereits eine Karriere als Rennvelofahrer hinter sich. Auf diese Erfahrung baut Hug auch an der Berufs-WM: «Wettkampfgeist, mentale Stärke, ‹beissen› können und Durchhaltewillen – das sind Dinge, die ich beim Velofahren gelernt habe und auf die ich nun auch im Berufsleben zurückgreifen kann.» Seit vergangenem März trainiert Hug für den nun anstehenden Wettkampf. Dabei wurden die Arbeitstechniken des Maurerberufs nochmals von Grund auf verinnerlicht. «Der Aufwand ist nicht ohne – jedes Wochenende ist belegt. Aber man arbeitet ja auch auf ein riesen Erlebnis hin», sagt Hug. Auch für ihn wird das Zeitmanagement ein zentraler Faktor im Wettkampf sein: «Ich habe insgesamt 22 Stunden, um die mir noch unbekannte Aufgabe zu lösen. Mein Ziel ist es, dass ich das durchziehen kann, ohne bei irgendeinem Aspekt der Arbeit Kompromisse eingehen zu müssen. Sein Ziel? «Ein Podestplatz wäre fantastisch. Ich werde einfach mein Bestes geben und dabei eine coole Zeit erleben.»

Der Landschaftsgärtner

Name: Fabian Hodel
Alter: 22 Jahre
Wohnort: Oberkirch
Beruf: Landschaftsgärtner
Arbeitgeber: Brechbühl Gartenbau GmbH (Oberkirch)
Im Beruf seit: Vor drei Jahren die Berufslehre abgeschlossen.





Und plötzlich ist Fabian Hodel in Kazan. «Ich wusste eigentlich nichts von dieser Berufs-WM, bis mich der Berufsverband anschrieb», erinnert er sich. An die Regionalausscheidungen für die Swiss Skills (Schweizermeisterschaften) ging Hodel mit der Einstellung «mal schauen». Mit dem Erfolg auf nationaler Ebene zog es ihn dann aber richtig rein. Und so wird nun seit Dezember an Natursteinmauern, Pflästerungen, Holzbearbeitung oder Bepflanzungen gearbeitet, um sich auf die Berufs-WM vorzubereiten. «Die Trainings sind intensiv – aber es macht mir einfach Spass. Da schwingt auch der Berufsstolz mit.» Das Beste daran Landschaftsgärtner zu sein? «Keine drei Tage sind gleich – und man ist die ganze Zeit in der Natur», schwärmt Hodel. Die Landschaftsgärtner sind für den Wettkampf in Zweierteams aufgeteilt. Für Fabian Hodel ein Glücksfall: Mit seinem Teamkameraden Mario Enz (Giswl, OW) versteht er sich bestens. «Wir werden unser bestes Geben und versuchen einen Podestplatz zu erobern», sagt Hodel.

Der Experte

Er weiss was es braucht, um ganz oben zu stehen: Flavio Helfenstein wurde 2011 Berufsweltmeister der Automobilmechaniker. Der heute 30-jährige gebürtige Hildisrieder führt dort mittlerweile eine eigene Garage. An der aktuellen Berufs-WM in Kazan spielt Flavio Helfenstein aber einmal mehr eine zentrale Rolle: Der ehemalige Gewinner der World Skills ist heuer als Experte im Einsatz.

Wenn es irgendjemand weiss, dann Sie: Was brauchts, um an der Berufs-WM Gold zu holen? Flavio Helfenstein: Du musst es ganz einfach am meisten von allen wollen.
Das klingt jetzt natürlich einfacher gesagt als getan.
Tatsache ist, dass an die World Skills keine Hanswurste kommen, sondern rund ein Dutzend der Besten in ihrem Fach. Die technische Begabung liegt demnach eng beisammen. Die Differenz macht da dann tatsächlich die mentale Stärke und der Ehrgeiz aus. Meistens kann man das Teilnehmerfeld anschauen und weiss im vornherein, wer gewinnt. Man sieht es ihnen regelrecht an. Was genau sehen Sie ihnen an? Ein Kandidat muss seinen Beruf voll und ganz leben. Man kann es in der Körpersprache ablesen, wenn das bei jemandem der Fall ist. Der grösste «Freak» gewinnt meistens.Sie waren selbst so ein «Freak». Wie kam es eigentlich dazu?
Das entwickelte sich allmählich. Die Schweizer Meisterschaften waren 2010 noch nicht ein so grosses Ding wie heute. In den Vorbereitungen auf die World Skills 2011 in London entwickelte sich bei mir dann aber ein wahnsinniger Ehrgeiz – und ich wurde auch richtig gut. Es zog mich regelrecht rein.
Sie scheinen die Wettkampfatmosphäre damals etwas zu vermissen.
Ich habe mich durch den Wettkampf innert kurzer extrem weiterentwickelt. So gesehen profitiere ich ja heute noch davon. Aber ja, der Wettkampfgeist ist schon noch in mir drinnen. Nun werden Sie bereits zum zweiten Mal als Experte an eine Berufs-WM reisen? Wieso tut man sich diesen Zeitaufwand als selbstständiger Berufsmann an? Es geht mir in erster Linie darum, etwas zurückgeben zu können. Ich habe das Gefühl, extrem von dieser Erfahrung profitiert zu haben – nicht zuletzt wegen den damaligen Experten.

Mehr Infos zu den World Skills in Kazan finden Sie auf www.swiss-skills.ch und www.worldskills.org

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